Telefonischer Krisendienst Psychiatrie

Hilfe in seelischen Ausnahme-Situationen

Landkreis – Ab sofort gibt es auch im Brucker Landkreis einen Krisendienst Psychiatrie. Via Telefon können Patienten, Angehörige, Freunde und Kollegen in akuten Situationen schnell und unbürokratisch Hilfe erbeten.

Stürzt jemand in ein tiefes seelisches Loch, durchleidet er eine akute psychische Ausnahmesituation, denkt vielleicht sogar an das Allerschlimmste. Wer anruft, landet zunächst in der Leitstelle in München. Dort wird das weitere Vorgehen koordiniert: Hat das Telefonat schon zur Beruhigung der Situation beigetragen? Sind Folgetermine für die nächsten Tage ausgemacht? Oder ist die Krise dermaßen akut, dass ein sofortiges Eingreifen erforderlich ist? Im letzten Fall informiert die Leitstelle den Sozialpsychiatrischen Dienst - im Landkreis Fürstenfeldbruck angesiedelt bei der Caritas.

Von dort aus werden geschulte Zweier-Teams losgeschickt. „Sie sind in maximal einer Stunde vor Ort“, sagt Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Der Bezirk Oberbayern baut den Krisendienst Psychiatrie auf, will im nächsten Jahr 7,4 Millionen Euro dafür ausgeben. Der Bedarf dürfte groß sein. Mederer rechnet mit 20 000 Anrufen pro Jahr aus den Landkreisen Bruck und Starnberg, der mit im Boot ist. Knapp zwei Drittel davon dürften Schätzungen zufolge auf den Landkreis Fürstenfeldbruck entfallen, schätzt der Bezirkstagspräsident.

Bei sieben bis acht Prozent der Anrufer rechnen die Experten damit, sofort eingreifen zu müssen. „Seelische Krisen sind ein sehr häufiges Phänomen und gehören zu jedem Leben dazu“, sagt Dr. Michael Welschehold, der als ärztlicher Leiter die Leitstelle führt. Bei jedem Dritten führten sie in Situationen, die der Einzelne nicht mehr ohne weiteres meistern könne. „Da kann man in einen Teufelskreis geraten“, sagt Welschehold.

Welche Ausnahmesituationen genau auf die neuen Krisen-Teams zukommen, lässt sich noch nicht abschätzen. „Wir werden künftig konfrontiert sein mit Situationen, die viel Anpassung und Spontaneität erfordern“, glaubt der Vorstand des Diakonievereins, Hans-Rainer Schuchmann. Einweisungen in eine psychiatrische Klinik sollen jedenfalls die absolute Ausnahme sein. Der Dienst für die Kreise Bruck und Starnberg startet nach entsprechenden Einrichtungen in München Stadt und Land. Allein beim Diakonieverein in Starnberg werden künftig 20 bis 25 Psychologen und Sozialpädagogen die Bereitschaften an Abenden, Wochenenden und Feiertagen übernehmen. 

ps

Die Nummer

0180 / 655 30 00 ist täglich von 9 bis 24 Uhr erreichbar.

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: picture alliance/ dpa

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