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„Nordmanntannen sind für unser raues, oberbayerisches Klima am besten geeignet“: Peter Graser, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Landsberg, der für den Grafrather Wald zuständig ist.

Aufzucht hinter dem Grafrather Bahnhof

So wächst ein Christbaum

Grafrath - Was hat Georgien mit Grafrath zu tun? Und wie wächst ein Christbaum heran? Das erklären zwei Experten.

Die besten Nordmanntannen stammen aus dem kleinen Dorf Ambrolauri in der georgischen Region Niederswanetien. Dort kraxeln die Zapfenpflücker schon seit über 100 Jahren auf die bis zu 60 Meter hohen Bäume mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern, die schon mal 500 Jahre alt werden können. Botanisch heißen sie Abies nordmanniana Ambrolauri. „Die sind für unser raues, oberbayerisches Klima am besten geeignet“, sagt Peter Graser, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Landsberg, in dessen Verwaltungsbereich der ehemalige Pflanzgarten hinter dem Grafrather Bahnhof liegt.

Mit der Christbaumzucht haben die Bayerischen Staatsforsten nichts mehr zu tun – wohl aber Wolfgang Huber, der die rund drei Hektar große Fläche, auf der das Forstamt nach dem Krieg Sämlinge für die Wiederaufforstung der nach einem Orkan geschädigten Wälder gezogen hatte, seit mehr als zehn Jahren pachtet. Rund 1000 Setzlinge pflanzt Huber jedes Frühjahr nach – an den Stellen, wo sich wenige Monate zuvor in der Adventszeit Familien „ihren“ Lieblings-Christbaum rausgesägt haben.

Bei der Artenauswahl schwimmt Huber gegen den allgemeinen Trend: nur die Hälfte Nordmanntannen, 40 Prozent normale Rotfichte und zehn Prozent der stachligen Blaufichte. „Irgendwo stehen auch noch ein paar weihnachtliche Schmankerl wie japanische Fichten oder Korea-Tannen und einige Kiefern rum, ein Kunde will jedes Jahr partout einen Hollerbusch, der logischerweise keine Blätter hat“, berichtet Wolfgang Huber über manche Spezialwünsche seiner Kunden.

Seine Skepsis bezüglich den beliebten, vorwiegend in Dänemark kultivierten Nordmanntannen kommt von deren Spätfrost-Empfindlichkeit. Wenn’s Mitte Mai nochmal richtig kalt wird, frieren die jungen Triebe ab. Und damit ist der Zuwachs in diesem Jahr dahin. „Ganz schlimm ist es, wenn der Leittrieb erfriert, dann bildet sich im nächsten Jahr ein Zwiesel, also zwei gleich starke Spitzen. So einen Baum kauft niemand“, sagt der Forstwirt. Deswegen legt Huber großen Wert auf Samen aus Georgien, weil die sehr spät austreiben.

Auch aufs Pflanzen kommt’s an. Hubers Strategie: Nordmanntannen immer in höhere Geländelagen und möglichst unmittelbar neben einen größeren Baum – das schützt vor Frost. „Die Rotfichte dagegen hält Tallagen, wo sich die kalte Luft sammelt, ohne Probleme aus, schließlich ist sie ein heimischer Baum“, ergänzt Peter Graser. Und die Fichte hat noch weiteren Vorteil: Sie ist schon nach sieben Jahren im Christbaum-fähigen Alter, während Nordmanntannen fünf Jahre länger brauchen, bis sie die gleiche Höhe erreicht haben.

Sensible Menschen reagieren auf Nordmanntannen zunehmend allergisch. Für Huber kein Wunder, nachdem schon der Bund Naturschutz auf die erhebliche Belastung nicht nur mit Pflanzenschutz-Chemikalien hingewiesen hat.

Aber auch mechanisch werde an den Import-Tannen viel herumgemurkst, bis sie – zu 80 Stück auf Paletten gepresst – vor den Baumärkten landen. Das dichte, pyramidale Aussehen erhält der Baum durch das Einkürzen mit der Heppe. Und einen zu großen Jahreszuwachs, der die Bäume licht aussehen lässt, verhindern die Züchter mit der Top-Stop-Zange. Fünf Messer schneiden dabei in die Rinde und reduzieren den Saftfluss des Wipfeltriebes.

Bei Wolfgang Huber dürfen die Bäume noch so wachsen, wie es die Natur vorsieht. Nur wenn Rehe in die umzäunte Christbaum-Kultur einbrechen, wird der Forstmann grantig, denn die fressen gerne die einjährigen Triebspitzen ab.

Pflanzen, beim Wachsen zuschauen und dann Umsägen – damit ist es aber nicht getan. Eine Christbaum-Kultur macht das ganze Jahr über Arbeit. Mindestens einmal im Jahr muss das Gras mit der Sense gemäht, und es müssen schnellerwachsende Gehölze abgeschnitten werden, weil sich sonst die anfangs recht kleinen Bäumchen nicht entwickeln können oder einseitig wachsen.

Haben die Nordmanntannen zu viel Schatten, sitzen die Nadeln nur flach an den Ästen und nicht rundrum wie bei einer Flaschenbürste. Dann will sie auch kein Mensch haben.

Peter Graser ist recht zufrieden mit der verpachteten Christbaum-Zucht in Grafrath. Darin sieht er in erster Linie eine Versorgung der örtlichen Bevölkerung mit Christbäumen – als regionales Produkt der heimischen Wälder. So stehen Grafrather Christbäume nicht nur in vielen Häusern im ganzen Landkreis, sondern auch in der Brucker Klosterkirche und im Fliegerhorst.

Max-Joseph Kronenbitter

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