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2016: Viola und Erwin Kreutzer wohnen heute in Bruck. Sie lieben sich noch wie vor 60 Jahren.

Am 24. Dezember

Hochzeit am Festtag der Liebe

Fürstenfeldbruck - Viola und Erwin Kreutzer haben an Weihnachten einen doppelten Grund zu feiern. Das Paar gab sich am 24. Dezember vor genau 60 Jahren das Ja-Wort. Der Grund dafür ist nicht nur schön.

Am Ende hat doch die Liebe gesiegt: Viola und Erwin Kreutzer – die sich gegenseitig liebevoll „Vili“ und „Tata“ nennen – sind im ehemaligen Siebenbürgen aufgewachsen. Der damalige Herrscher regierte dort mit eiserner Hand. Im Winter 1956 verbot der Politiker seinem Volk (nach kommunistischem Vorbild), das Weihnachtsfest zu feiern.

1956: Das Paar an seinem Hochzeitstag.

Ein herber Schlag für die damals 19-jährige Viola und ihren Lebensgefährten. Das Paar wollte sich das Fest – neben den vielen anderen Entbehrungen – nicht auch noch nehmen lassen. Die beiden beschlossen, zu heiraten und sich so einen anderen Grund zum Feiern zu geben. „Aber unsere Hochzeit hatte nicht nur den Zweck, sich über ein Verbot hinwegzusetzen. Es geschah vor allem aus Liebe. Man könnte sagen: Das waren zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagt die heute 79-Jährige und wirft ihrem Erwin (86) ein Lächeln zu.

Die Entscheidung trafen die beiden damals im stillen Kämmerlein. Niemand durfte wissen, was geplant war. Zu groß war die Angst vor einer schlimmen Strafe.

Und so heiratete das Paar am 24. Dezember im Standesamt in Siebenbürgen und feierte still für sich. Die kirchliche Hochzeit sollte schon fünf Tage später stattfinden. „Wir fuhren dafür in das etwa 200 Kilometer entfernte Barót zu meinen Eltern. Es schneite, ich war ganz in Weiß gekleidet und alle freuten sich mit uns. Ich habe sozusagen Weiß in Weiß geheiratet“, sagt die Bruckerin und lacht. „Über 50 Gäste waren da, um unsere Liebe zu feiern. Es gab eine leckere Suppe, Wiener Schnitzel und Krautwickerl. Ich werde diesen Tag niemals vergessen.“

Sie habe schon gewusst, dass sie ihren „Tata“ einmal heiraten würde, als sie seinen Namen las. Damals war die 19-Jährige als Korrepetitorin an einer Musikschule in Neumarkt tätig.

„Ich habe nur seinen Namen gelesen und war schon hin und weg.“

Eines Tages lag ein Brief in ihrem Fach. Darin wurde angekündigt, dass sie neue Kollegen bekommen sollte. „Damals habe ich gewusst: Das wird mein Ehemann. Ich habe nur seinen Namen gelesen und war schon hin und weg. Dann hab ich ihn gesehen, und spätestens da war es um mich völlig geschehen. Ich zitterte am ganzen Körper, und die Luft blieb mir weg.“

Am Anfang sei ihr „Tata“ aber unnahbar gewesen, schildert Viola Kreutzer, die heute Großmutter zweier Enkel (Johanna, 26, und David, 28) ist. Schon bevor ihr Zukünftiger an der Schule anfing, sei gemauschelt worden, er lebe wie ein Priester. Der Brucker sieht das gelassen: „Ich war eben sehr zurückhaltend und wollte nicht aufdringlich erscheinen.“ Viola Kreutzers Begabung am Klavier sollte ihr dann nach einigem Hoffen endlich die erste echte Begegnung mit ihrem zukünftigen Ehemann einbringen.

Unverhofft platzte der Querflötist in eine Repetitionsstunde. Er hörte seine Viola zum ersten Mal Klavier spielen. Nach dem Unterricht fragte er die Musikerin, ob sie mit ihm üben wolle. „Das hat mich so sehr gefreut. Und als ich nur zwei Tage später meinen ersten Kuss von ihm bekommen habe, hätte ich die Welt umarmen können“, sagt die 79-Jährige und strahlt.

Ihr musikalisches Talent gaben die beiden an Tochter Erika (59) weiter. Sie galt als Wunderkind am Piano. Auch sie feiert zusammen mit ihren Eltern traditionell am 24. Dezember Weihnachten. Auf den Hochzeitstag stoßen die Brucker immer schon ein paar Tage vorher an. „Den Luxus zwei Mal zu feiern lassen wir uns nicht entgehen.“

Michael Darchinger

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