Eine reich gedeckte Tafel hatten Erika und Heinz Schneider bei ihrer Hochzeit.

Eiserne Hochzeit

Zur Hochzeit konnte sich das Brautpaar richtig satt essen

Olching – Ihren Hochzeitstag werden Erika und Heinz Schneider wohl nie vergessen – genauso wie die meisten Ehepaare. Doch bei den beiden Thüringern gab es noch etwas, das den Tag zu etwas Besonderem machte: eine extra Lebensmittelration.

Denn die bekamen DDR-Bürger damals für die Weihnachtstage. Und so konnten sich das Brautpaar und seine Gäste vor 65 Jahren so richtig satt essen.

Dem Jubelpaar gratulierten (v.l.) Sohn Gerhard Schneider, Enkelin Eva und dritter Bürgermeister Fritz Botzenhardt.

Kennengelernt haben sich Erika und Heinz Schneider drei Jahre vorher, 1947 beim Tanzen in Altenburg. „Es war oft Damenwahl“, erinnert sich der heute 85-jährige Heinz Schneider, der damals bei der Reichsbahn arbeitete. „Ich habe beobachtet, wer gut tanzen konnte“, fügt seine Ehefrau (86), eine gelernte Friseurin, hinzu.

Am 23. Dezember 1950 wurde dann geheiratet. 30 Gäste feierten mit dem Paar – und schlugen sich den Bauch voll. „Vier Frauen haben allein Kuchen geschnitten. Wir haben uns richtig vollgefuttert“, erzählt Heinz Schneider und lacht. „Dazu mussten aber auch viele Verwandte zusammenhelfen.“ Die Hochzeit einen Tag vor Heiligabend hat bis heute einen Vorteil: „Das Datum ist unvergessbar“, sagt Heinz Schneider. Den Hochzeitstag hat er noch nie verschwitzt.

Das Paar lebte nach der Hochzeit weiter in Thüringen, erlebte die Gründung der DDR und die deutsche Teilung. Zwei Brüder von Erika Schneider waren in den Westen gegangen. Sie vermisste sie stets. „Das war der Grund für die Flucht“, erzählt sie. 1959 war es dann soweit. Das Paar ging mit ihrem achtjährigen Sohn in die BRD. „Wer Richtung West-Berlin machte, wurde oft kontrolliert“, erinnert sich Heinz Schneider. Deshalb habe man nur so viel Gepäck mitgenommen, wie es für einen Urlaub üblich war.

Doch die Familie hatte Glück, rutschte durch die Grenzkontrollen und kam im Flüchtlingslager in Marienfelde an. Von da aus ging es recht schnell nach Olching. Denn dort lebten die beiden Brüder von Erika. „Die hatten eine Wohnung für uns besorgt.“ Dennoch habe man von vorne anfangen müssen. „So etwas schweißt zusammen“, sagt Erika Schneider.

In Olching lebten sich die Schneiders schnell ein. In ihrer Freizeit gingen sie gern in die Berge – zum Skifahren oder Wandern. So gingen die Jahre ins Land. 1975 wurde die silberne Hochzeit gefeiert. Das war ein großer Aufwand. Denn viele Verwandte lebten in der DDR. Man musste entsprechende Visa für sie beantragen.

25 Jahre später bei der goldenen und nun bei der eisernen Hochzeit war das kein Problem mehr. Alle konnten problemlos nach Olching kommen. (hk)

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