Neue Regelung ab September 

Hort-Kinder müssen bis 16 Uhr bleiben

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Die Stadt führt eine Kernzeit bei öffentlichen Kinderhorten ein. Die neue Regelung soll ab September gelten. Dass ihre Kinder nun bis mindestens 16 Uhr im Hort bleiben müssen, gefällt nicht allen Eltern.

Germering – Die Stadt will bei den öffentlichen Kinderhorten eine Kernzeit einführen. Das heißt, dass Grundschüler die Einrichtungen erst ab frühestens 16 Uhr verlassen dürfen. Bisher konnten Eltern ihr Kind auch – je nach Buchung – von 14 bis 15 Uhr abholen. Diese mittlere Abholzeit fällt nun weg. Damit will die Stadt einen geregelten Ablauf im Hort ermöglichen. Nach Ansicht der Einrichtungsleiter stören zu viele Abholungen die pädagogische Arbeit. Monika Thiem, Leiterin des integrativen Hortes, sagt auf Anfrage: „Wir benötigen eine gesicherte pädagogische Zeit, die möglichst störungsfrei und in voller Konzentration auf das Kind gestaltet werden kann.“

Auch in anderen Kommunen müssen sich Eltern an eine Kernzeit in den Horten halten. Nach Angaben des Germeringer Sozialamtes soll die neue Regelung ab September gelten. Interessenten für einen Platz müssen sich Anfang April bei den städtischen Einrichtungen anmelden. Die Stadt hat bisher noch keine offizielle Mitteilung zur Kernzeit herausgegeben.

Bei den Eltern gehen die Meinungen auseinander. Der Elternbeirat des integrativen Hortes hat am Mittwoch über das Thema beraten. Vorsitzende Jana Beyreuther teilt mit: „Wir als Elternbeirat halten die neuen Überlegungen zur Umsetzung der pädagogischen Arbeit mit den verbesserten Rahmenbedingungen zum Wohle unserer Kinder für absolut sinnvoll.“

Bei anderen ist der Unmut groß. Sie fühlen sich einerseits überrannt und schlecht informiert von der Stadt. Andererseits finden sie die neue Regelung unflexibel. Schließlich fahren viele Eltern nach Feierabend am Hort vorbei und sammeln die Kinder auf dem Nachhauseweg auf. Zudem befürchten sie, dass ihren Kindern Zeit fehlt für Aktivitäten außerhalb der Schule wie Fußballtraining oder Musikunterricht. Ein Vater spricht sogar von „Freiheitsentzug“ für sein Kind.

Wie es heißt, sollen einige Eltern beim Tag der offenen Tür des integrativen Horts in der Kirchenschule die Pädagoginnen zur Rede gestellt haben. Diese wiederum hätten auf den Träger, also die Stadt, verwiesen. Diese müssen entscheiden, was etwa mit Altverträgen passiert, in denen Eltern bis 15 Uhr gebucht haben. „Was mit den Altverträgen ist, klären wir noch“, sagt Gerd Weinhart vom Fachbereich Kinder- und Jugendarbeit bei der Stadt. Man wollte die Eltern nicht überrennen. „Dass die Gerüchteküche brodelt“, sei nicht zu verhindern.

Weinhart erklärt, die Kinder würden ja nicht eingesperrt. „Ausnahmen sind möglich.“ Wenn beispielsweise ein Kind um 15 Uhr zum Ballett-Unterricht müsse, dann gehe das. „Aber nicht jeden Tag.“ Er betont, das Ganze solle keine Schikane für die Eltern sein, sondern den Kindern Spaß ermöglichen. Bei Fragen könnten sich Eltern jederzeit an die zuständigen Rathausmitarbeiter wenden.

In Germering gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten zur Betreuung von Grundschülern nach Unterrichtsschluss: den Hort und die Mittagsbetreuung. Zwar arbeiten in beiden Einrichtungsmodellen Pädagogen. Doch das Angebot des Hortes geht über das der Mittagsbetreuung hinaus. Im Hort stehen neben Hausaufgabenhilfe insbesondere Gruppenarbeiten und Projekte auf dem Programm.

Nach Angaben der Stadt ist es in den Horten immer wieder vorgekommen, dass Eltern ihr Kind spontan abholten. Man habe die Väter und Mütter im Herbst auf die in ihren Verträgen geregelten Abholzeiten hingewiesen. Die SPD-Kindergarten- und Hortreferentin Eike Höppner sagt, in den vergangenen Jahren seien Kinder immer öfter nach der Hausaufgabenzeit abgeholt worden. Gruppenarbeit wie die Einübung eines Theaterstücks oder die Organisation des Fußball-Turniers sei nicht mehr möglich. „Diese großartige pädagogische Arbeit in den Horten soll aber erhalten bleiben.“

Ein weiterer Grund, warum die Kernzeit eingeführt wird, ist laut Höppner, dass der Freistaat derzeit verstärkt kontrolliert, ob die Buchungszeiten eingehalten werden. Schließlich zahlt die öffentliche Hand etwa 80 Prozent der Personalkosten der Horte. Der Rest sind Elternbeiträge. „Die teuren Einrichtungen sollen eine entsprechende Wirkung erzielen“, sagt Höppner. Die wichtige pädagogische Funktion sei nicht mehr gewährleistet, „wenn man auf Einzelbedürfnisse Rücksicht nimmt“.

Rubriklistenbild: © dpa

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