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Vorsicht vor den Dämmerungsdieben

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Fürstenfeldbruck - Nach der Zeitumstellung beginnt sie: die heiße Phase der Dämmerungseinbrüche. Bei den Polizeiinspektionen hat man sich darauf vorbereitet – auch die Bürger sollten Vorkehrungen treffen. Denn viele Täter gehen den Weg des geringsten Widerstandes.

Nach Sonnenuntergang und bevor Berufstätige nach Hause kommen, werden die meisten Terrassentüren aufgebrochen, Fenster eingeschlagen und Wertsachen gestohlen. Heuer sei die Lage bisher noch ruhig, erklärt Andreas Ruch, stellvertretender Polizei-Chef von Germering. Doch er weiß aus langjähriger Erfahrung, dass das nicht so bleiben wird. Hermann Mitterer von der PI Olching kann davon ebenfalls ein Lied singen. „Die Einbrecher schauen einfach, ob im Haus Licht brennt und jemand daheim ist.“ Nach diesen simplen Spähaktionen wissen sie, wo sie einsteigen müssen. Die Dämmerung verschafft ihnen dafür mehr Zeit.

Oft Banden aus Osteuropa

Daher fährt die Polizei im Landkreis ab sofort verstärkt Streife – mit zivilen und uniformierten Beamten. „Es gibt von Jahr zu Jahr mehr Dämmerungseinbrüche“, berichtet Michael Fischer (53), Vize-Inspektionsleiter in Fürstenfeldbruck. Gröbenzells Polizeichef Karlheinz Pangerl (59) kann mit Zahlen zu Einbrüchen ganz allgemein aufwarten. Im Bereich seiner Inspektion, der auch Puchheim umfasst, wurden von September 2014 bis September 2015 22 Einbrüche verübt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 21.

Die Täter kommen heute in der Regel von weit her. Meistens, so Fischer, werden Einbrüche von professionellen Banden aus Osteuropa verübt. Für diese ist es ein lukratives Geschäft. Für die Opfer bedeute ein Einbruch einen massiven Eingriff in ihr Leben, der materiell und psychisch tiefe Spuren hinterlassen kann.

Vollkommen sicher sei man vor Einbrechern nie, so Fischer. Aber man könne den Tätern die Arbeit so schwer machen, dass sie vom Haus ablassen. „Jeder zweite Einbruch geschieht innerhalb von zehn  Sekunden“, sagt Ruch. „Je größer der Aufwand, desto größer die Chance, dass der Dieb aufgibt.“ Rund 56 Prozent aller Einbruchsversuche im Landkreis scheiterten heuer – Tendenz steigend. Im Bereich der Brucker Polizei zogen 14 von 26 Einbrechern ohne Beute ab. Im gesamten Landkreis taten das heuer 56,1 Prozent. Vergangenes Jahr waren es 38,6 Prozent.

Die Videoüberwachung

Einen besonders kuriosen Fall bearbeiteten kürzlich Germeringer Polizisten. Ein IT-Spezialist rief die Inspektion aus dem Spanienurlaub an. Die Alarmanlage daheim hatte über Ländergrenzen einen Einbruch an sein Handy gemeldet. Der Gilchinger konnte mit seinem Smartphone die Überwachungskameras im Haus überprüfen. Tatsächlich: Zwei Einbrecher durchwühlten gerade sein Wohnzimmer. Nach dem Anruf des Gilchingers war das Haus aber schnell von Beamten umstellt. Die Einbrecher wurden festgenommen.

So viel Hightech hat nicht jeder zur Hand. Doch auch relativ einfache Tricks helfen, das eigene Haus sicherer zu machen. Besonders wichtig ist die nachbarschaftliche Hilfe. Wer in den Urlaub fährt, sollte mit Bewegungsmeldern und Zeitschalturen den Eindruck erwecken, es sei jemand im Haus. Nachbarn sollten den Briefkasten regelmäßig leeren, fügt Mitterer von der Inspektion hinzu.

Sofort die Polizei rufen

Wenn etwas merkwürdig erscheint, sollte man das der Polizei melden. Wenn zum Beispiel ein Unbekannter sehr langsam an einem Haus vorbeifährt oder Fotos von Anwesen macht, wähle man besser den Telefonnotruf 110, so Fischer. Lieber rufe man einmal zu oft als einmal zu wenig bei der Polizei an. Ebenfalls als verdächtig gelten dubiose Mitteilungen, wie Andreas Ruch sie nennt: nämlich wenn jemand nach Arbeit fragt, bettelt oder Handwerkerdienste anbietet. Ganz besonders betont Ruch, dass es den Tippgeber nichts kostet, wenn die Polizei umsonst kommt. Verdächtige Personen kann man auf der Straße ansprechen und fragen, ob sie etwas suchen. „Das ist ein Signal für die Einbrecher, dass hier die Anwohner wachsam sind“, erklärt Michael Fischer. „Dafür braucht man keine spezielle Ausbildung oder besonderen Mut. Das kann man von jedem erwarten.“

Terrassentüren sind einfach zu überwinden

Ein großes Problem ist das Bewusstsein: „Vielen Bürgern ist gar nicht klar, dass ihre Wohnung nicht einbruchssicher ist“, erklärt Karlheinz Pangerl von der Gröbenzeller Polizei. Eine leichte Übung sei es für Diebe, sich über die Terrassentür Zugang zum Haus zu verschaffen. Auch Balkontüren halten wenig aus. Zumal die meisten Bewohner dem Einbrecher unbewusst das Werkzeug zur Verfügung stellen: In Gartenhäuschen und auf Terrassen finden sich Brecheisen, Schaufeln und Zangen. Oft gibt es auch Leitern oder Möbel, über die man auf den Balkon gelangt. Besonders gefährdet sind Einfamilienhäuser mit einem hohen Sichtschutz. Wenn der Einbrecher die Hecke oder den Zaun überwunden hat, kann man ihn von außen nicht mehr bemerken. Auch freistehende Häuser sind ein gefundenes Fressen für Diebe.

Eine Alarmanlage kann Einbrecher verschrecken und die Polizei auf den Plan rufen. Für die Ausrüstung von Häusern mit einbruchssicheren Türen und Fenstern sowie Beleuchtung und Sprechanlagen gibt es Fördergelder. Wenn tatsächlich ein Einbruch geschieht, sollte man das als Beobachter umgehend der Polizei melden, die Konfrontation mit dem Dieb aber unbedingt vermeiden, erklärt Andreas Ruch. Man solle sich alle Einzelheiten einprägen, auch die Fluchtrichtung. Für diese Hilfe ist die Polizei immer dankbar.

So machen Sie Dieben das Einbrechen schwer

1. Niemals auf den Anrufbeantworter Abwesenheitszeiten, zum Beispiel Urlaube, aufsprechen.

2. Bei längerer Abwesenheit den Eindruck erwecken, das Haus sei bewohnt: zum Beispiel den Briefkasten regelmäßig leeren sowie Licht ein- und ausschalten lassen.

3. Fenster, Balkon und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit verschließen.

4. Die Tür niemals nur zuziehen sondern immer absperren.

5. Auf keinen Fall einen Ersatzschlüssel außerhalb der Wohnung deponieren. Einbrecher kennen jedes Versteck.

6. Rollläden sollten zur Nachtzeit geschlossen werden. Geschlossene Rollläden tagsüber signalisieren Abwesenheit.

7. Vorsicht: Gekippte Fenster sind wie offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen.

8. Rufen Sie die Polizei auch über Notruf 110 an, wenn Sie etwas Verdächtiges beobachtet haben.

9. Unter folgenden Adressen sind weitere Informationen im Internet abrufbar: www.k-einbruch.de und www.polizei-beratung.de

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