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Eine Schutzmaßnahme für Hochwasser, das nie kommen wird: Das Ehepaar Lindner vor dem Teil seines Hauses in Gröbenzell, der auf Stelzen errichtet wurde.

Hochwasserschutz

Sie haben völlig umsonst auf Stelzen gebaut

Familie Lindner aus Gröbenzell hat die falsche Kartierung von Überschwemmungsgebieten hart getroffen. Sie haben ihr Haus teils auf Stelzen errichtet – und das völlig unnötig. Dieser Fehler der Behörden hat sie drei Jahre und Tausende Euro gekostet.

Gröbenzell– Für Elisabeth Lindner steht ganz klar fest: „So hätten wir eigentlich nie gebaut.“ Sie lebt mit ihrem Ehemann Klaus und den vier Kindern in der Jägerstraße in Gröbenzell. Eigentlich hieß es damals, im Jahr 2016, dass der Bereich im vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet liegt. Seit Kurzem steht aber fest: Das war ein Fehler. Für die Lindners ist das alles andere als ein kleiner Ausrutscher. Sie mussten sich beim Bauen an die deutlich verschärften und somit kostspieligeren Auflagen richten, die der Hochwasserschutz mit sich bringt.

Als die Familie Nachwuchs erwartete, war klar: In dem Haus ist so kein Platz mehr. Ein Anbau musste her. Im Dezember 2015 beantragte das Ehepaar dafür einen Vorbescheid, im Januar 2016 gab der Bauausschuss grünes Licht. Im Februar ging der Antrag auf Vorbescheid beim Landratsamt ein. Und damit begannen die Probleme.

In der Zeit wurden die Karten für Bauherren neu gemischt: Die vorläufige Sicherung der Überschwemmungsgebiete entlang Gröben-, Ascher- und Starzelbach trat in Kraft. Das Grundstück der Lindners war durch den Gröbenbach betroffen. Es musste großflächig umgeplant werden. Neben der baurechtlichen war nun eine wasserrechtliche Genehmigung notwendig. Um den Vorschriften gerecht zu werden, mussten ein hydrologisches Gutachten erstellt und Ausgleichsflächen geschaffen werden. Das dauerte.

Erst im Mai 2018 lag die Baugenehmigung vor. Aufgrund des Baubooms waren jetzt aber die Kosten deutlich gestiegen. Und es kam ein bürokratisches Hindernis hinzu: Die Gemeinde hatte die Baumschutzverordnung reformiert und Obstbäume geschützt. Einer der zehn Obstbäume auf dem Grundstück, die das Ehepaar Lindner eigentlich fällen wollte, musste stehen bleiben. Im September 2018, fast drei Jahre später, konnten die Lindners endlich mit dem Anbau beginnen, Ende diesen Jahres soll er bezogen werden. Das jüngste Kind ist mittlerweile fünf Jahre alt.

Das Problem war aber nicht nur die Zeit, sondern auch das Geld. Wie hoch die Summe genau ist, die die Familie aufgrund der veränderten Bedingungen aufbringen musste, kann sie nicht genau beziffern. Es dürften aber einige tausend Euro sein. So musste der 57 Quadratmeter große Anbau großteils auf Stelzen gestellt und darunter für rund 4000 Euro eine Mulde zum Versickern angelegt werden. Für Hochwasser, das nie kommen wird.

Die Alternative wäre gewesen, die Mulde im Garten anzulegen, doch das wollten die Lindners nicht. Nun ist die Mulde völlig überflüssig, sie könnte verfüllt werden. Dies würde aber weitere Kosten verursachen. Schon fast absurd: Der beim Bau anfallende Bodenaushub musste unverzüglich aus dem Überschwemmungsgebiet entfernt werden. Dafür mussten die Lindners bezahlen und nun müssten sie wieder bezahlen, um Kies oder Erde zu kaufen, mit der man das Loch auffüllen kann. Es wäre außerdem sehr schwierig, das Material unter dem Gebäude zu verteilen.

Damit ist die Leidensgeschichte der Lindner aber noch nicht zu Ende. Der Anbau hätte eigentlich barrierefrei und somit rollstuhlgerecht sein sollen – doch nun ist er erhöht und nur über eine Stufe erreichbar. Dem Ehepaar wurden zudem noch diverse bürokratische Lasten aufgebürdet, so sollte etwa ein Sachverständiger bestätigen, dass alle Maßnahmen umgesetzt wurden.

Informiert wurden die Lindners offiziell nicht. Besonders absurd: Sie müssen jetzt beantragen, dass sie dem Landratsamt die Bestätigung des Sachverständigen doch nicht vorlegen müssen. Die Lindners denken darüber nach, rechtliche Schritte einzuleiten – haben sich aber noch nicht entschieden.

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