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Bei der SPD-Veranstaltung „Menschen treffen Menschen – Begegnung mit Asylbewerbern“ sollen die Teilnehmer ganz ungezwungen miteinander sprechen. Eine starre Sitzordnung fehlt. Man wechselt die Plätze.

Interkulturelle Woche

Grammatik schwierig, Deutschland okay

Distanz abbauen, sich begegnen, das Gespräch suchen – im Rahmen der zweiten Interkulturellen Woche haben die Germeringer Sozialdemokraten versucht, Flüchtlinge und alteingesessene Germeringer an einen Tisch zu bringen. Über Gespräche auf Augenhöhe.

Germering – „Deutsch ist viel Grammatik und schwer zu lernen.“ Ghoalam Mousavi achtet darauf, die Worte deutlich und korrekt auszusprechen. Er nimmt viermal in der Woche Deutschunterricht. „Ich komme aber schon ganz gut zurecht“, sagt er. Der 38-jährige Afghane will verstanden werden, das merkt man – und er will verstehen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Najib Abdul findet viele Gesprächspartner.

Rund 30 Germeringer und zehn Flüchtlinge haben im Nachtasyl der Stadthalle über das Leben in der Stadt diskutiert. Die Germeringer Sozialdemokraten haben den Abend organisiert. Es geht darum, miteinander statt übereinander zu reden. Die SPD-Integrationsreferentin Fereschteh Erschadi-Zimmermann sagt: „Wissen ist Macht.“ Je mehr man übereinander wisse, umso persönlicher könnten sich Kontakte entwickeln und Integration funktionieren.

Voraussetzung dafür ist freilich die Sprache. Das weiß Ghoalam Mousavi ganz genau. Daher achtet er darauf, dass seine Kinder von Anfang an Deutsch lernen. Er erzählt, die hätten in der Schule und im Kindergarten sehr viel Kontakt zu anderen Kindern und seien dadurch gut integriert. „Das ist mir sehr wichtig“, sagt Mousavi und aus seiner Stimme klingt Zufriedenheit. Mit der finanziellen Unterstützung komme er klar. Nur die beengten Wohnverhältnisse machen ihn nachdenklich. In seiner Heimat besaß er ein großes Haus. Es wurde bei einem Bombenangriff zerstört.

Hier in Deutschland wäre der gelernte Tischler über eine eigene Wohnung sehr glücklich. Zumal er sich beruflich schon ein Standbein geschaffen hat – allerdings nicht in seinem eigentlichen Job.

Zeichen für die Integration

Der 38-Jährige besitzt einen Gabelstapelfahrer-Führerschein, den er den Germeringer Bürgern an diesem Abend immer wieder stolz zeigt. Auch Christian Gruber bekommt das Papier zu Gesicht. Der Vorsitzende der Germeringer SPD hat die Veranstaltung mitorganisiert. Er möchte damit ein Zeichen setzen. Es geht ihm darum, Menschlichkeit in die Beziehung zwischen Einheimischen und Asylbewerbern zu bringen. Das sei in der Stadthalle sehr viel lockerer möglich, sagt er. „Hier sind alle gleichermaßen Gast.“ Das erleichtere das Aufeinander zugehen. In den Asylunterkünften, so die Erfahrung des Germeringers, verlaufe die Kontaktaufnahme doch zurückhaltender, vielleicht sogar gehemmt. „Dort sind die Rollen verteilt, hier Einheimischer, dort Asylbewerber“, sagt Christian Gruber.

SPD-Ortsvorsitzender Christian Gruber (l.) unterhält sich mit Ghoalam Mousavi.

Er kennt auch die Probleme, die es in den Flüchtlingsunterkünften gibt. Davon berichten einige Asylbewerber im Nachtasyl. Es gehe um die Einhaltung der Nachtruhe, Essenzubereitung, Religion. In räumlicher Enge entstünden nun mal leicht Reibereien, heißt es.

Ein weiterer Problem-punkt, der an diesem Abend diskutiert wird, ist das härtere Vorgehen der Staatsregierung bei Menschen mit geringer Bleibeperspektive. Demnach sollen nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia arbeiten dürfen. Bei allen anderen sollen die bayerischen Landratsämter die Arbeitserlaubnis nicht verlängern. Sozialdemokrat Klaus-Dieter Schiffauer sagt: „Es ist unverständlich, warum man Auszubildende wieder abschiebt.“ Damit frustriere man alle Beteiligten. Asylbewerber seien nicht mehr so motiviert, einen Ausbildungsplatz zu suchen. Und Betriebe würden den Aufwand hinterfragen, obwohl sie gewillt, sind auszubilden und die jungen Menschen auch gut gebrauchen könnten. „Man lässt doch die Leute emotional verhungern.“

Dennoch findet Najib Abdul: „Deutschland ist ok. Ich bin hierher gekommen, um gut arbeiten zu können.“ In Afghanistan hat er als Bauer seinen Lebensunterhalt verdient. Hier in Deutschland, das weiß er, muss er erst die Sprache lernen. Der 36-Jährige legt viel Wert darauf, dass das auch seine Familie tut. „Ich tue mich ein wenig leichter als als meine Frau“, sagt er. „Aber wir motivieren uns gegenseitig.“ Bei seiner Tochter, die das letzte Jahr in den Kindergarten geht, geht das mit dem Deutsch lernen. „Die hat dort schon Freunde gefunden.“

Hans Kürzl

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