Olching

90 Jahre Frohsinn bei der Volksbühne

Olching – Wenn die Volksbühne Olching heuer ihr 90-jähriges Bestehen feiert, blickt sie auf eine bewegte Geschichte zurück. Einiges ist zwar seit 1926 gleich geblieben. Vieles hat sich aber seit der Gründung geändert – sogar der Name.

Das Jahr 1926: 15 Laienschauspieler treffen sich in der Gaststätte „Metzgerwirt“ und proben für ihre erste gemeinsame Aufführung. Auf dem Probenplan steht die Duoszene „Baron Schreckenstein und seine Diener“, auch die Sanitätskapelle Olching spielt ihren Part. Ob das alles klappt? Vorstellbar, dass Andreas Sailer etwas aufgeregt war und hoffte, dass sein frisch gegründeter „Dramatischer Club Frohsinn“ das alles schaffen würde.

Der Metzgerwirt ist heute das Restaurant „Cantina“, der Dramatische Club heißt schon lange Volksbühne Olching. Die aktiven Laien sind stolz auf die lange Geschichte, auf die ihre Bühne zurückblicken kann.

Dabei war nicht immer sicher, ob der Club fortbestehen würde. 1933 wurde er verboten, in der Zeit des Dritten Reichs gab es keinen „Frohsinn“. Doch schon ein Jahr nach Kriegsende ging in Olching wieder der Vorhang auf – diesmal auf Initiative der engagierten Olchingerin Brunhilde Singer. 1969 wurde der Dramatische Club zur Volksbühne, 1986 wurde die Jugendtheatergruppe „vis a vis“ ausgegliedert, die seit 2004 Sketche spielt und Workshops anbietet.

Jedes Jahr gibt es zwei Stücke, über 180 waren es seit 1948, zum Beispiel der „Brandner Kaspar“ oder „Magdalena“ von Ludwig Thoma. Eines haben sie dabei gemein: Gespielt wird auf Bairisch. Im Frühling kommt eher etwas Heiteres auf die Bühne, im Herbst stehen Volksstücke, Dramen oder Schauspiele auf dem Plan. Früher kam beides beim Publikum gut an. Doch wie heute viele Laientheater erfahren, sind im Moment die heiteren Stücke eher gefragt. „Die Zuschauer wollen lieber etwas Lustiges sehen, um dem Alltagsstress zu entfliehen“, berichtet Vorsitzender Andreas Popovits. Seit 2009 gehört er zum Volksbühnen-Team, seit heuer ist er Vorsitzender. „Die Schauspieler betrachten die Entwicklung, nur noch Lustspiele und Schwänke aufzuführen, jedoch mit ein paar Wehmutstropfen.“ Denn ein dramatisch angehauchtes Stück stelle für den einzelnen Spieler eine größere Herausforderung seiner Leistungsfähigkeit dar. Dafür freut es die Gruppe, dass seit einigen Jahren immer mehr junge Zuschauer zu den Stücken kommen.

Was aufgeführt wird, stammt oft aus eigener Feder. So auch das Jubiläumsstück „Wenn’s schee macht“ von Ingrid Klameth. Für die Volksbühne hat sie schon einige Stücke verfasst, darunter auch „Die drei Schönen vom Berghof“, das 1989 gezeigt wurde.

Heute hat die Volksbühne rund 60 Mitglieder, Neuzugänge sind dem Team willkommen. Denn nicht nur Schauspieler werden immer gerne aufgenommen, auch Bühnenbildner und Techniker kann die Volksbühne gebrauchen. Das Team eint dabei auch die Liebe zur Mundart. „Uns als Mitglieder und vor allem mir als erstem Vorsitzendem ist es ein wichtiges Anliegen, die Tradition des Vereins weiter zu pflegen, unseren Dialekt zu bewahren und das bayerische Brauchtum zu erhalten“, so Andreas Popovits.

Gefeiert

wird erst im Herbst. Am 29. Oktober begeht die Volksbühne mit allen Mitgliedern und Gästen einen Festabend, außerdem stehen im Oktober acht Aufführungen von „Wenn’s schee macht“ an.

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