+
In der Mitte des Geschehens: Jalal A. (im Rollstuhl) begrüßt syrische Besucher in der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Altenheim Don Bosco. Links im Bild Integrationsbeauftragter Manuel Leupold.

Integrationspolitik

Jalal hilft und vermittelt, wo es geht

Germering -  Seit August 2015 lebt Jalal A. in der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Altenheim Don Bosco. Täglich vermittelt der Mann im Rollstuhl zwischen den Kulturen.

Der 45-jährige Iraker spricht vier Sprachen: Arabisch, Kurdisch, Farsi/Dari und Englisch. Seit April lernt er nun eine fünfte – nämlich Deutsch.

In der Flüchtlingsunterkunft in der Parkstraße sind rund 200 Asylbewerber untergebracht. Jalal A. ist einer von ihnen. Manuel Leupold, Integrationsbeauftragte der Stadt, sagt: „Neben seinen sprachlichen Fähigkeiten ist es enorm wichtig, dass er uns als Bewohner dieser Gemeinschaftsunterkunft die allgemeine Stimmung und die Bedürfnisse der Bewohner untereinander näher bringt.“

Wer tagein, tagaus in so einer schwer nachvollziehbaren Situation, mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen zusammen ist, weiß, wovon die Rede ist, denn: Zahlreiche Nationen mit unterschiedlichsten Kulturen müssen in der Gemeinschaftsunterkunft miteinander auskommen. Der ganz normale Alltag nach der Flucht – genau so sieht es für viele Asylbewerber aus.

Diese tägliche Herausforderung meistert Jalal A. mit Bravour. Er sagt: „Ich bin so dankbar hier sein zu dürfen, hier kann ich wieder ruhig schlafen, muss keine Angst mehr um mein Leben haben.“ Seine Schwester wurde bei einem Terroranschlag getötet, er wurde dabei schwer verletzt, ist seither behindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Mit diesem Handicap hatte Jalal in seiner Heimat trotz Hochschulabschluss keine berufliche Zukunft: „Behinderte Menschen werden im Irak nicht in die Gemeinschaft integriert, sondern eher verspottet, es ist für uns kaum möglich Arbeit zu finden“, berichtet er. Umso dankbarer engagiert er sich als Minijobber für die Stadt: Er hilft bei der Essensausgabe der Tafel mit, bei der Germeringer Insel, in der Kleiderkammer und beim Übersetzen – überall da, wo auch Zwischenmenschlichkeit gefordert ist.

Im täglichen Umgang mit seinen Leidensgenossen klärt er diese auch über das „ganz normale Leben“ in Deutschland auf. Zum Beispiel über die Regeln, die in deutschen Hallen- oder Freibädern gelten, oder warum Behörden komisch reagieren, wenn gemeldete Flüchtlingskinder die Schule nicht besuchen – wenn keiner weiß, warum sie beim Unterricht fehlten. Jalal Abdallah ist ein Bindeglied: „Er ist ein wichtiger Mittler zwischen den Kulturen und er ist uns, der Stadt Germering, eine große Hilfe“, betont Leupold. Durch seinen täglichen Einsatz hilft Jalal mit, dass die Gräben zwischen den Kulturen kleiner und überwindbarer werden. Er trägt ganz direkt mit dazu bei, dass man sich besser versteht.

"Danke. Danke Deutschland."

 Für das was er leistet, bekommt er eine Ehrenamtspauschale. „Dafür benötigten wir die Zustimmung der Arbeitsagentur“, sagt Manuel Leupold. Das Geld, das er für seinen Einsatz bei der Tafel oder in der Germeringer Insel erhält, sollte ihm schließlich nicht wieder von der Sozialhilfe abgezogen werden. Jalal blüht auf, wenn er davon erzählt, wie er Flüchtlingen hilft: Als Dolmetscher bei den Ämtern oder beim Arztbesuch oder eben auch dort, wo er selbst sein Zimmer bezogen hat, in Don Bosco: „Da kommt es schon auch vor, dass um drei Uhr nachts jemand bei mir klopft, weil er mich braucht, aber ich helfe gerne“, sagt er stolz. Bisher vermittelte die Stadt fünf Minijobber und vier Praktikumsplätze für Menschen mit Migrationshintergrund. „Bei zwei Praktikumsplätzen gibt es noch Gespräche, aber es sieht gut aus“, freut sich der Integrationsbeauftragte Leupold. Manche Bewerber bräuchten noch Unterstützung, damit ihre Bewerbung möglichst erfolgversprechend wird.

Jalal A. musste aus seiner Heimat fliehen. Trotz oder wegen dieses Schicksals hilft er heute mit, dass es Menschen wie ihm in ihrer neuen Heimat besser geht. Eines ist ihm ganz wichtig, bevor er sich verabschiedet: „Ich möchte ganz dringend Danke sagen: Danke Deutschland, Danke Germering, dass ich hier eine offene Tür fand; ich werde mein Bestes tun für dieses Land, das zu meiner neuen Familie geworden ist." (akk)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Senivita-Altenheim: Beirat passt auf
 Der Sparkurs des Seniorenheim-Betreibers Senivita hatte im Mai hohe Wellen im Landkreis geschlagen.
Senivita-Altenheim: Beirat passt auf
Das wird Maisachs Fußgängerzone
Das Maisacher Ortszentrum hat sich neu erfunden. Zwischen Bahnhof- und Riedlstraße ist ein großer Komplex in die Höhe gewachsen. 
Das wird Maisachs Fußgängerzone
Kran schüttet Beton in Wohnung
Ungewöhnlicher Unfall am Donnerstag um 14 Uhr in Germering: ein Baukran hat Beton in die Wohnung einer 53-Jährigen gekippt.
Kran schüttet Beton in Wohnung
Der kleine Stachus ist abgerechnet
Die Umgestaltung des Kleinen Stachus ist finanziell fast punktgenau abgeschlossen worden. Das 2,7 Millionen Euro teure Projekt ist nur um rund 32 000 Euro kostspieliger …
Der kleine Stachus ist abgerechnet

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion