1860 trauert um „Atom-Otto“

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Der Jesenwanger Männergesangverein beim Konzert zum 140-jährigen Bestehen.

Langjährige Tradition droht auszusterben

Männerchöre kämpfen um ihre Existenz

Jesenwang/Kottgeisering - Es gibt über zehn Männerchöre im Kreis – noch.

Das Durchschnittsalter der Sängergruppen steigt und steigt, die Mitgliederzahlen fallen. Der Nachwuchs fehlt. Deshalb schlagen die Vorsitzenden der Vereine nun Alarm. Sie haben Angst, dass der Männergesang bald ausstirbt. 

Männergesang hat etwas behutsames, etwas leichtes, etwas unaufdringliches. Wenn sich die Stimmlagen Bass, Bariton und Tenor verbinden, dann hat das meist einen beruhigenden Klang – ganz anders als beim gemischten Chor, bei dem Frauen mit hohen, lauten und durchdringenden Alt und Sopranstimmen mitsingen. Männergesang ist eben etwas Besonderes. Doch er wird auch immer seltener. Denn den Chören fehlt der Nachwuchs.

„Mittlerweile sind wir nur noch 15 Sänger. Wenn alle da sind“, sagt Heinrich Winkler, zweiter Vorsitzender des Männergesangvereins (MGV) Jesenwang. „So wenige waren wir noch nie!“ Der jüngste Sänger ist zwar erst 40. „Aber dann kommt lange nichts.“ Die nächsten aktiven Mitglieder seien bereits 60 Jahre und älter. „Junge Männer können wir einfach nicht begeistern“, stellt Winkler resigniert fest. Und das, obwohl der Chor mittlerweile auch modernere Stücke unter der Leitung von Dirigent Simon Zeitler einstudiert. „Die jungen Leute wollen sich einfach nicht mehr an einen Verein binden“, vermutet Winkler. Vielleicht habe das mangelnde Interesse am Singen auch damit zu tun, dass zum Beispiel der Sportverein so viele, spannende Angebote habe. Für mehrere Hobbys habe heute einfach keiner mehr Zeit.

Langsam wird das Desinteresse ein echtes Problem. Der MGV Jesenwang findet zum Beispiel keine Freiwilligen für die Vorstandschaft. Seit zwei Jahren konnte das Amt des ersten Vorsitzenden nicht mehr besetzt werden. „Der damalige Amtsinhaber hat aufgehört“, erzählt Winkler. Dann sei er selbst als zweiter Vorsitzender dazu gedrängt worden, nachzurücken. Aber Winkler will nicht. „Erstens bin ich auch schon 62 und zweitens finde ich, sollte die Vereinsführung langsam mal in andere Hände gegeben werden.“ Das bringe frischen Wind und neue Ideen. Doch auch bei der jüngsten Jahreshauptversammlung Anfang Januar fand sich kein Kandidat. Nicht einmal auf Drängen von Bürgermeister Erwin Fraunhofer.

Um den zweitältesten Verein des Landkreises – vergangenes Jahr feierte der MGV 140-jähriges Jubiläum – zu erhalten, hat sich Winkler nun eine letzte Rettungsaktion überlegt: Der Männerchor soll sich mit den verschiedenen Instrumentalgruppen und mit den Theaterfreunden der Gemeinde zusammentun. „Wir könnten die Satzung ändern und einen Musik- und Gesangverein gründen“, so Winkler. Mit der Fusion könne der Verein die personelle Basis stärken und eventuell neue Mitglieder finden. Bald soll es deshalb eine weitere Mitgliederversammlung geben, um über diesen Schritt zu beraten. „Ich bin fest überzeugt, dass das der richtige Weg ist“, so Winkler.

Ein bisserl neidisch schaut der Jesenwanger Sänger in Richtung Maisach und Landsberied. „Die Chöre sind wahnsinnig gut aufgestellt.“ Das liege ganz sicher daran, dass es in den Gemeinden mehrere Kinder- und Jugendchöre gebe. „Da wird der Nachwuchs herangezogen. Das haben wir einfach verpasst“, so Winkler.

In Kottgeisering ist es kaum anders. Dort haben die Sänger die gleichen Sorgen. Es gibt zwar immerhin 24 Aktive. Doch altersmäßig ist es ähnlich wie in Jesenwang. „Unser Jüngster ist 46, viele sind um die 60, aber auch einige bereits jenseits der 80 Jahre“, berichtet der Vorsitzende Johann Wörl. Die Schwierigkeit sei: „Die jungen wollen moderne Stücke singen, die älteren nur Klassik. Das bringt man kaum unter einen Hut.“ 105 Jahre gibt es den Männergesangverein Kottgeisering bereits. Doch wenn es so weitergeht, wird der Verein nicht mehr viele Jubiläen feiern können.

Doch Wörl hat nach mehreren erfolglosen Versuchen, neue und vor allem junge Mitglieder zu finden, keine Motivation mehr. „Wir machen jetzt einfach so weiter. Denen, die dabei sind, macht es Spaß.“ Aber vielleicht findet sich ja noch der ein oder andere Sänger.

Die Proben

VON CAROLIN NUSCHELER

Kottgeisering: donnerstags, 20 Uhr, im Sportheim. Jesenwang: Jeden zweiten Montag, 19.30 Uhr, im Bürgerforum. Nächster Termin ist Montag, 15. Februar.

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