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Das Gerät ist aufgebaut, jetzt geht’s los: Techniker Arno Patzelt, Fritz Aneder vom Historischen Verein, Germerings Stadtarchäologe Marcus Guckenbiehl und Chris Schäfer vom Historischen Verein.

Mit moderner Wissenschaft

Auf den Spuren der Steinzeit in Jesenwang

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Steinzeit trifft auf moderne Wissenschaft: So geschehen am Freitag in Jesenwang. Mit hoch technisierten Geräten begab sich der Historische Verein Fürstenfeldbruck (HVF) dort auf Spurensuche nach einer jahrtausendealten Kultur.

JesenwangFunde von Steinbeilen und Scherben auf einer Anhöhe westlich von Jesenwang weisen darauf hin, dass dort einmal Menschen aus der sogenannten Chamer Kultur (siehe Kasten) waren. Die archäologische Arbeitsgruppe des HVF um Chris Schäfer will nun herausfinden, ob es dort sogar eine komplette Siedlung gab.

Da das Landesamt für Archäologie einer Grabung nicht zustimmt, müssen andere Methoden angewandt werden. Magnetometer Messung heißt das Verfahren, das den Forschern einen Blick unter die Erde und damit in die Vergangenheit gewährt. Der HVF hat die Tübinger Firma Terrana Geophysik mit den Messungen beauftragt. Finanziert wird die Spurensuche vom Verein, der dafür einen Zuschuss vom Landesamt erhält.

Arno Patzelt von der beauftragten Firma legt sich für die Messungen ein seltsam aussehendes Stangen-Konstrukt über die Schultern. „Daran sind vier Sensoren angebracht“, erklärt er. Diese messen das Magnetfeld in ein bis zwei Metern Tiefe. Um die Sensoren nicht zu beeinflussen, muss Patzelt metallfreie Kleidung tragen. „Schon ein Reißverschluss kann das Ergebnis verfälschen“, sagt er.

Doch wie können die Archäologen aus diesen Ergebnissen Schlüsse ziehen? „Das Magnetfeld der Erde ist weitgehend homogen“, sagt Patzelt. Doch die empfindlichen Sensoren können feinste Abweichungen registrieren. Und diese weisen auf mögliche Strukturen einer Siedlung hin. Fritz Aneder vom HVF erklärt: „Wenn Holz verfault, entstehen eisenhaltige Bakterien, die das Magnetfeld beeinflussen.“ Aber auch Überreste von Feuerstellen können das Messgerät zum Ausschlagen bringen. Abfallgruben oder Holzpfosten von möglichen Häusern können so entdeckt werden.

Rund einen Tag brauchte Patzelt, um die 1,2 Hektar große Fläche zu vermessen. Aus den Messungen wird nun innerhalb von etwa zehn Tagen ein Bild ähnlich einem Luftbild erstellt. Dieses müssen dann die Experten vom HVF interpretieren. Und dann wird man wissen, ob Steinzeitmenschen dort vor rund 5000 Jahren eine Siedlung errichtet hatten.

Andreas Daschner

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