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Bei kleinen Maschinen kommt das Fliegerische mehr zum Tragen: Josef Woerl in Jesenwang. Hier begann seine Karriere als Pilot. Heute arbeitet er für die Flugschule .

Berufs-Pilot

Aus Jesenwang in die Welt: Fliegen ist seine Leidenschaft

Das Fliegen liegt ihm im Blut: Vor 40 Jahren ging der Jesenwanger Josef Woerl zum ersten Mal in die Luft. Jahrelang steuerte große Passagiermaschinen, heute lehrt er das Pilotenhandwerk am örtlichen Flugplatz. Jetzt hat es der 62-Jährige bei der Deutschen Meisterschaft im Ultraleichtfliegen aufs Stockerl geschafft.

Jesenwang – Von Jesenwang in die Welt und wieder zurück. Müsste man das Leben von Josef Woerl in einem Satz zusammenfassen – das wäre er. Aber wie das so ist mit starken Vereinfachungen: Das Beste entgeht einem. Etwa die 18 000 Stunden, die Woerl in den Cockpits der größten Flugzeuge zugebracht hat. Oder die vielen Orte auf fast allen Kontinenten, die der Sohn eines Landwirts kennengelernt hat. Und auch den Zitterstart samt anschließender Notlandung mit nur einem Triebwerk würde man nicht mitbekommen.

Josef Woerl ist Pilot – mit jeder Zelle seines Körpers. „Ein Virus, das man nicht mehr los wird“, sagt der 62-Jährige. Angesteckt hat er sich bereits früh. Schon in frühester Jugend zieht es den Jesenwanger zum nahe gelegenen Flugplatz.

Das dumpfe Brummen der Motoren, der Geruch des Flugbenzins und diese coolen Typen in den Cockpits – Woerl will unbedingt einer von ihnen werden.

Wenn es andere zum Fußball zieht, geht es für den jungen Burschen auf den Flugplatz. „Ich habe Flugzeuge geputzt oder mal beim Tanken geholfen“, erinnert sich Woerl. Immer mal wieder darf er deshalb auch mitfliegen. Schnell steht für ihn fest: „Ich werde Pilot.“

Josef Woerl macht seinen Traum wahr. Als junger Mann sitzt er am Steuer der dicken Brummer der Lüfte. Ob Boeing oder Airbus – der Jesenwanger navigiert seine Jets zu Destinationen rund um den Globus. „Nur in Australien war ich nicht“, sagt er.

Am Steuer eines Passagierjets wird er dort auch nicht mehr hinkommen. Anfang des Jahrtausends bekommt Woerl eine niederschmetternde Diagnose. Ein kleiner Fehler an der Netzhaut kostet ihn seine Lizenz für die großen Maschinen. „Dieser Abschied ist mir sehr schwer gefallen“, sagt Woerl heute.

Ausbildungsleiter der Flugschule Jesenwang

Doch das Fliegen gibt er nicht auf. Seinen Traum kann er schließlich auch vor der eigenen Haustür leben. Heute ist Josef Woerl Ausbildungsleiter der Flugschule Jesenwang für Ultraleichtflugzeuge. Die sind – wie der Name schon sagt – zwar bei Weitem nicht so groß wie seine früheren Arbeitsplätze. „Dafür kommt das Fliegerische viel mehr zum Tragen“, sagt Josef Woerl. War er als Berufspilot in ein enges Korsett aus Vorschriften, Flugplan, Strecke und Terminen gepresst, genießt der 62-Jährige heute die Freiheit, die die kleinen Flieger bieten.

Jetzt hat er seine fliegerischen Fähigkeiten erstmals mit anderen gemessen. Bei der Deutschen Meisterschaft im Ultraleichtfliegen in Jena Anfang Mai galt es, einen Kurzstart nach 100 Metern hinzulegen, eine simulierte Notlandung ohne Motor zu meistern sowie Navigationsflüge zu absolvieren. Für den Jesenwanger lief es überaus gut. Am Ende stand der dritte Platz zu Buche. Fliegen liegt ihm eben im Blut. (Tobias Gehre)

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