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Gesellenstück: Franziska Woerl mit ihrem modernen Schreibtisch. 

Porträt

Die beste Schreinerin und ihre Berufung

Jesenwang – Sie wusste schon in der 9. Klasse, was sie einmal werden will: Schreinerin. Mittlerweile hat sie ihren Gesellenbrief in der Tasche, aber nicht irgendeinen: Franziska Woerl aus Jesenwang schloss als Brucker Innungsbeste mit einem Notendurchschnitt von 2,0 ab.

 Woerls Gesellenstück ist ein moderner Schreibtisch mit Aufsatz, gefertigt in Walnussfurnier und massivem Ahornholz. Die Prüflinge hatten dafür 80 Arbeitsstunden (plus 40 Stunden Vorbereitung) zur Verfügung. Innerhalb von zwei Wochen musste das Gesellenstück fertig sein. Das Ergebnis hat die Jury doppelt überzeugt: Woerl wurde nicht nur Innungsbeste, sie gewann auch den ersten Preis beim Innungs-Wettbewerb „Die gute Form“.

„Schon als Kind durften mein Bruder und ich in der Bastler-Werkstatt meines Papas mithelfen und rumwerkeln – er hatte keine Angst um sein Werkzeug und er hat uns immer machen lassen“, erzählt die 21-Jährige. Damit hat der Vater beste Voraussetzungen für deren berufliche Zukunft geschaffen: Der Sohn wurde Zimmerer, die Tochter Schreinerin. Man sieht es der Schreinergesellin an: Zwischen Band-, Dekupier- und Kappsäge, am Rutscherl, beim Hobeln oder an der Drechselbank – inmitten von unzähligen Raspeln, Feilen und Stemmeisen – fühlt sich Franziska Woerl richtig wohl.

Als Schülerin an der Brucker Realschule entschied sie sich für den Werken-Zweig. Schon beim ersten Praktikum in der 9. Klasse lernte sie ihren zukünftigen Lehrmeister, Richard Gebhardt, kennen, der in Merching einen Schreinereibetrieb führt. „Nach dem Realschulabschluss habe ich die Gestaltungs-FOS besucht und ein weiteres halbjähriges Praktikum bei ihm gemacht“, erzählt Franziska Woerl. Weil die Chemie stimmte, bewarb sie sich nach der FOS für eine Lehrstelle in der kleinen Merchinger Schreinerei. „Natürlich ganz offiziell mit Lebenslauf und schriftlicher Bewerbung“, erinnert sie sich. „Das hättest Du Dir sparen können, ich hätte Dich eh genommen“, sagte Richard Gebhard damals und unterzeichnete den Lehrvertrag.

Die dreijährige Lehre ist nun vorüber, der Chef hat die beste Gesellin aus dem Nachbarlandkreis übernommen. Jetzt will Franziska Woerl erst einmal Geld verdienen und weitere Erfahrungen sammeln. „Vielleicht versuche ich später, an der Münchner Fachakademie für Restauration einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, wagt die 21-Jährige einen Blick in die Zukunft. Aber: „Ich fühle mich in dem Zwei-Mann-Betrieb meines Chefs wohl. Ich habe jeden Handgriff von ihm gelernt, dafür bin ich dankbar.“

Nach Dienstschluss bleibt die junge Frau oft länger in der Werkstatt: „Ich schreinere gerade an einem Bett aus Zirbelholz“, verrät sie. Ein altes Sprichwort sagt: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Aber selbst dafür findet Franziska Woerl Verwendung: „Zirbelholz duftet ganz wunderbar; die Späne hebe ich auf und nähe daraus kleine Kissen, die ich zu verschenke.“ (akk)

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