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Am geplanten Standort (v.l.): die BN-Vize-Kreisvorsitzenden Claus Ehrenberg und Hans-Jürgen Gulder sowie Kreisvorsitzende Eugenie Scherb.

Vor-Ort-Termin 

Bund Naturschutz stimmt Windrad im Wald zu

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) spricht sich für den Bau des geplanten Windrads südlich von Jesenwang aus. Das Projekt ist umstritten. 

Jesenwang - Zwar sei man als BN vor allem bei einem Standort im Wald hinsichtlich des Umweltschutzes in der Klemme, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende Claus Ehrenberg. Man müsse den Wald aber im Einzelfall anschauen.

„Der BN hat sich die regenerativen Energien auf die Fahne geschrieben“, sagte die Kreisvorsitzende Eugenie Scherb bei einem Pressetermin am geplanten Standort. Da Wasserkraft oft die Natur sehr stark zerstöre und Biogas ausgereizt sei, blieben nur noch die Sonnen- und die Windkraft. „Wir betrachten dabei mögliche Standorte sehr kritisch“, betonte Scherb.

Im Zuge dieser Betrachtung kommt der BN zu dem Schluss, dass der sogenannte Hofer Wald bei Jesenwang für die von der Freisinger Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) geplante Windkraftanlage geeignet ist. Hans-Jürgen Gulder, ebenfalls stellvertretender Kreisvorsitzender und früherer Forstamtsleiter, sieht den Wald am geplanten Standort aus naturschutzfachlicher Sicht jedenfalls nicht als besonders schützenswert an. „Wir haben einen fast reinen Fichtenbestand bei den Altbäumen“, sagte er bei dem Pressetermin. Die vorhandenen Laubbäume seien in der großen Mehrzahl zu jung, um dem Wald eine ökologisch hohe Wertigkeit zu geben.

„Außerdem fehlen Biotopbäume und Totholz“, sagte Gulder. Diese dienen oft dem Artenreichtum, über das im Bereich des Hofer Waldes bislang nur wenig aussagekräftige Daten vorlägen. „Das wird natürlich im Zuge des Verfahrens noch geprüft“, betonte Gulder. Ehrliche Aussagen seien zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht möglich.

Die von den Windrad-Gegenern negativ bewerteten Rodungen sieht Gulder im Vergleich zur Größe des Waldes als minimal an – zumal ein Teil der Baumfällungen nur temporär sei. Etwa 8000 Quadratmeter müssten für das Windrad gefällt werden, wie die ebenfalls anwesenden Andreas Henze und Werner Hillebrand-Hansen, Geschäftsführer der BEG, erklärten. Etwa die Hälfte davon diene der Baustelle und Erschließung und werde nach dem Bau wieder aufgeforstet, so Gulder. „Für den dauerhaft gefällten Teil würden Ersatzpflanzungen möglichst in der Nähe gefordert werden.

Auch den Vogelschutz bewertet der BN nicht so kritisch wie zum Beispiel Gerald Kurz aus Grafrath. Der CSU-Politiker und erklärte Windkraftgegner hatte zuletzt auf die Nähe des Ramsar-Schutzgebietes Ammersee verwiesen. Doch sämtliche Schutzgebiete liegen laut Gulder mehr als zwei Kilometer entfernt. „Das ist entscheidend für die Bewertung, ob Tiere in den Hofer Wald überwechseln.“ Laut Ehrenberg fallen Schätzungen zufolge jährlich zwar rund 100 000 bis 300 000 Vögel Windrädern zum Opfer. „Im Straßenverkehr und durch Gebäude und Fensterscheiben sind es mit jeweils sieben Millionen aber ein Vielfaches davon.“

Ein anwesender Jäger erklärte, er habe zwar Rotmilane gesehen. „Aber nicht über dem Wald, sondern über den angrenzenden Feldern.“ Der laut Jäger ebenfalls vorkommende Schwarzspecht fliegt laut Gulder nicht oberhalb der Baumwipfel und sei durch den Rotor des Windrads daher nicht gefährdet. Zu möglichen Auswirkungen auf Fledermäuse erklärte Hillebrand-Hansen:. „Wenn sie vorkommen, muss das Rad zu den Flugzeiten ohnehin stillstehen.“  

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