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Bis über die Reviergrenzen hinaus soll eine Jagdgesellschaft der Münchner Forstverwaltung im Wald bei Jesenwang Rehe gehetzt haben. Eines soll so schwer verletzt gewesen sein, dass es die Jagdpächter mit einem gezielten Schuss von seinen Qualen erlösen mussten.

Konflikt im Unterwald bei Jesenwang

Drückjagd: Jäger zeigen Forstverwaltung an

Zwei Jäger haben Strafanzeige gegen die Münchner Forstverwaltung erstattet – wegen Verstößen gegen das Jagdrecht. Es geht um Überschreiten der Reviergrenzen und um Hunde, die ein Rehkitz gerissen haben sollen.

Jesenwang Der Vorfall, der die Jäger so erzürnt hat, passierte am 12. Januar während einer so genannten Drückjagd. Dabei treiben Hunde das Wild aus dem Dickicht, im Wald verteilte Jäger schießen es ab. Nach Angaben von Bernd Plank, Pressesprecher des Münchner Kommunalreferats, waren an diesem Tag 27 Jäger und sieben Hunde im Jesenwanger Unterwald im Einsatz. Ihr Ziel: möglichst viele Rehe in möglichst kurzer Zeit erlegen.

Das Nachbarrevier haben Alexander Frank und Udo Pospiech aus Fürstenfeldbruck gepachtet. Am fraglichen Vormittag beobachtete Frank, wie zwei Hunde ein Reh samt Rehkitz durch seinen Teil des Waldes hetzten. Dabei sei es ihnen gelungen, das Kitz von der Mutter zu trennen. „Sie rissen es nieder, bissen und würgten es“, beschreibt der Jagdpächter die Szenen. Nachdem er es mit Mühe geschafft hatte, die Hunde wegzuscheuchen, blieb ihm nur, das schwerverletzte Tier mit einem gezielten Schuss zu erlösen.

Der Streit währt schon seit Jahren

Nicht nur aufgrund solcher Vorfälle hält Alexander Frank Drückjagden in dem rund 160 Hektar großen Unterwald grundsätzlich für zweifelhaft. „Das Gebiet ist viel zu klein, um dort solche Jagden durchzuführen.“ Dass dabei die Reviergrenzen überschritten werden, lasse sich kaum vermeiden. Im übrigen würden Hunde eingesetzt, die nicht tauglich seien. „Da läuft so viel schief“, sagt Frank. Es sei eine echte Katastrophe.

Bereits seit Jahren liegt der Brucker deshalb mit den Münchnern im Clinch – erst recht, seitdem die dortige Forstverwaltung auch noch die Abschussquote erhöht hat. Doch für die Förster gilt der Grundsatz „Wald vor Wild“. Nachgepflanzte junge Bäume sollen nicht von den Tieren abgefressen werden, deshalb werden die Wildbestände kontrolliert.

Zwar wisse man, dass Drückjagden bei Tierschützern und Jagdnachbarn nicht gern gesehen werden. „Aber den Luxus, ein Wochenende lang auf dem Hochsitz zu warten, können sich unsere Jäger nicht erlauben“, sagt Pressesprecher Bernd Plank. Schützenhilfe bekommen die Förster vom Bund Naturschutz (BN). „Drückjagden sind eine landauf, landab gängige Bejagungsart, die auch funktioniert“, sagt Hans Kornprobst, Sprecher des Landesarbeitskreises Wald des Bund Naturschutz. Dass dabei ein gesundes Reh von Hunden gerissen wird, könne praktisch nicht vorkommen. „Sie sind zu schnell und können ausweichen.“

Hoffnung auf Verbot der Drückjagd

Das Reh in Jesenwang soll laut Bernd Plank bereits angeschossen gewesen sein, was „trotz sorgfältigster Schussabgabe“ passieren könne. Die Hunde hätten das blutende Tier verfolgt, um es zu erlösen. „Im Prinzip haben sie ihren Job gut gemacht.“ Alexander Frank fragt sich derweil, was noch passieren muss, bevor dieser Jagdpraxis Einhalt geboten wird. „Oder müssen derartige Vorfälle von uns geduldet werden, weil es sich um eine von kommunaler Hand durchgeführte Veranstaltung handelt?“ Er hofft, mit seiner Anzeige Bewegung in die Situation zu bringen - damit Drückjagden im Unterwald verboten werden.

von Ulrike Osman

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