Comickünstler malt phantastische Bilderserien

Er gab Fix und Foxi ein Gesicht

Fix und Foxi, Lupo oder Oma Eusebia: Bei einigen dürften die Namen dieser Comicfiguren nostalgische Erinnerungen wachrufen. Der früher in Jesenwang lebende Charilaos Theodorou war lange Chefzeichner der Hefte.

Jesenwang – Ein Spruch von Wilhelm Busch ziert die Tür des Ateliers von Charilaos Theodorou in Hofhegnenberg (Landkreis Aichach-Friedberg), wo der 91-jährige heute mit seiner Frau Lieselotte lebt: „Oft trifft man wen, der Bilder malt, viel seltener wen, der die bezahlt“. Legt man diese Weisheit zugrunde, dann hatte Theodorou eine wahrlich seltene Begegnung. Denn der im griechischen Piräus geborene Künstler stand viele Jahre in Lohn und Brot des Münchner Kauka-Verlags. Dort erschienen die Hefte mit dem Füchseduo Fix und Foxi – quasi der deutsche Gegenentwurf zu Walt Disneys Micky Maus.

Wie so oft im Leben war es ein Zufall, der Theodorou auf den Weg zum Fix und Foxi-Zeichner schubste. Nach dem Malunterricht in Athen, wo er nebenberuflich auch als Bühnenbildner tätig war, wollte Theodorou sich künstlerisch weiterbilden. „Man hat mir geraten, dafür nach Paris oder München zu gehen“, erzählt er. Weil seine Schwester und ihr Mann bereits in Deutschland lebten, fiel die Wahl im Jahr 1957 schließlich auf die bayerische Landeshauptstadt.

Gemeinsam mit einem anderen Griechen habe er ein Zimmer gesucht. Bei der Durchsicht der Wohnungsanzeigen in einer Zeitung stieß er dann aber auf eine ganz andere Annonce. „Der Kauka-Verlag war auf der Suche nach einem Zeichner für einen Trickfilm“, erzählt der Hofhegnenberger. Es kam zum Vorzeichnen. Die Verlagsleute waren begeistert und gaben Theodorou einen Vertrag. Damit war im Prinzip auch der spätere Weg zu den Comic-Heften geebnet.

Zuvor aber war Theodorou viele Jahre als Bühnenbildner tätig. Engagements fand er unter anderem an einer kleinen Kammerspielbühne in Cuxhaven und später sogar an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen. 1973 wurde Theodorou von seinem ehemaligen Cuxhavener Intendanten nach Bad Segeberg geholt, um für die Karl-May-Festspiele das Bühnenbild für die Freiluftaufführung von „Unter Geiern“ zu gestalten.

Ein Schicksalsschlag führte den Griechen schließlich nach München zurück. Seine 1971 geborene Tochter erkrankte schwer, deshalb gab Theodorou seine Arbeit als Bühnenbildner auf. Eine Wohnung fand er damals in Jesenwang. Und auch sein Kontakt zum Kauka-Verlag lebte wieder auf. Von 1973 bis zu seinem Ruhestand 1991 gehen zahlreiche Titelbilder, Schriftzüge und Bilder zu den Geschichten aus der Comicreihe auf sein Konto. Außerdem war der Maler, der auch kleine Skulpturen gestaltet, als Chefzeichner dafür verantwortlich, die Bilder anderer Zeichner zu sichten und gegebenenfalls zu korrigieren.

Fix und Foxi zeichnet Theodorou heute freilich nicht mehr. Die Heftreihe wurde 1994 eingestellt. Ein Wiederbelebungsversuch ohne Theodorou im Jahr 2000 im Ehapa-Verlag dauerte nur zehn Jahre. Stift und Pinsel schwingt der 91-Jährige aber noch heute. Eine Auswahl seiner Werke gibt es derzeit in Jesenwang zu sehen. Dort zeigt Theodorou neben Bildern mit Motiven seines früheren Wohnorts – darunter zum Beispiel die Pestkapelle – auch Illustrationen aus seiner phantastischen Bilderserie „Fabelwesen und Wolpertinger“. (ad)

Ausstellung

Die Werke von Charilaos Theodorou sind noch bis zum 20. September bei Atelier & Galerie Hermine Heinrich, Landsberger Straße 8, in Jesenwang, zu sehen. Besichtigungstermine können jederzeit unter der Telefonnummer (0 81 46) 99 69 03 vereinbart werden. Der Eintritt ist frei.

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