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Für Vogachs Glocken legten alle zusammen

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Von: Ulrike Osman

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Haben alles im Griff: Kirchenpfleger Josef Klaß und Mesner Josef Schneller (r.).	Fotos: Peter Weber (2)
Haben alles im Griff: Kirchenpfleger Josef Klaß und Mesner Josef Schneller (r.). © Weber

Gleich zwei Heilige trägt die Filialkirche Vogach im Namen – Johannes den Täufer und den Erzengel Michael. Auch die zwei Glocken im Turm sind nach den beiden benannt. Die Glockenweihe jährt sich heuer zum 100. Mal.

Vogach – Im Jahr 1921 griffen die Vogacher Bürger tief in die Tasche, um ihrer Kirche neue Glocken zu spendieren. Die alten waren während des Ersten Weltkriegs im Rahmen der sogenannten Metallmobilmachung beschlagnahmt worden. Zwar zahlte man der Pfarrgemeinde eine Entschädigung und versprach für die Zeit nach dem Krieg Metall zur Wiederherstellung der Glocken. Doch als es soweit war, gingen die Vogacher leer aus.

Alte Seile jetzt am Maibaum im Einsatz

„Die inzwischen eingetretenen Verhältnisse gestatten nicht, diese frühere Zusage zu verwirklichen“, heißt es in einem Schreiben des Bezirksamts Fürstenfeldbruck aus dem Jahr 1919. Man riet, als günstige Alternative Stahlglocken anfertigen zu lassen.

Die Vogacher wollten jedoch keine Stahlglocken. Bei einer Haussammlung kamen fast 3000 Mark zusammen, den Rest steuerte die Kirchenstiftung bei. So konnte die Ortsgemeinde für 5000 Mark bei einer Augsburger Gießerei zwei Bronzeglocken in Auftrag geben – St. Johannes und St. Michael. Beide tragen entsprechende Inschriften.

Zu leichte Klöppel: Statik war in Gefahr

Heute ertönt täglich um 12 Uhr die größere, schwerere Johannesglocke, die stattliche 140 Kilo auf die Waage bringt. Sie ist es auch, die mit dreiminütigem Läuten den Tod eines Vogachers verkündet und jeden Abend zum Angelusgebet ruft. Lediglich bei den einmal im Monat stattfindenden Messen tritt auch die kleinere, mit 85 Kilo deutlich leichtere Michaelsglocke in Aktion.

Seit 2004 funktioniert das Geläut elektronisch. Die alten Glockenseile lagen lange bei Mesner Josef Schneller daheim, bis eine alternative Verwendung für sie gefunden war – jetzt kommen sie beim Maibaumaufstellen zum Einsatz.

Dass die Glocken sich negativ auf die Statik des Kirchturms auswirkten – darauf kam man erst, als vor dem Einbau der neuen Läutanlage ein Gutachten angefertigt wurde. Es stellte sich unter anderem heraus, dass die alten Klöppel zu leichtgewichtig waren. Damit sie anschlugen und ein Ton zu hören war, mussten die Glocken zu stark schwingen, was wiederum den Kirchturm in Vibration versetzte. Daraufhin wurden die Klöppel durch schwerere, handgeschmiedete Exemplare ersetzt, und auch die Befestigung der Glocken an den Jochen erneuert.

Einen Boden hatte die Glockenstube der Vogacher Kirche übrigens ursprünglich nicht. Er wurde eingebaut, nachdem eines Tages einer der Klöppel abriss und bis ins Erdgeschoss des Turms stürzte. Verletzt wurde damals zum Glück niemand.

Die Serie

In der Serie „Die Glocken von Mittelstetten“ stellt das Tagblatt in Zusammenarbeit mit dem Verein Dorfbelebung die Glocken aller sechs Gotteshäuser und ihre Geschichte vor. Der Verein wird seine Recherchen demnächst als Broschüre veröffentlichen.

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