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Serie: Häusergeschichten – Teil 2 

Er kaufte ein Haus mit sehr seltsamem Namen - und zog aus München hin

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Aus München nach Jesenwang: Diesen Umzug nahm Bernd Neumann vor einigen Jahren vor - in ein Haus mit kuriosem Namen.

Jesenwang – Wer in Jesenwang über „dem Semer Toni Hansl sein Haus“ spricht, weiß sofort, was gemeint ist. 90 Jahre hat das Gebäude mit dem kuriosen Hausnamen bereits auf dem Buckel. Dass man ihm das Alter nicht ansieht, dafür hat Bernd Neumann gesorgt.

Der Hausname war freilich nicht der Grund, dass der damals in München wohnende Neumann das Haus an der Kapellenstraße gekauft hat. Davon hat er erst im Nachhinein erfahren. Was er darüber herausgefunden hat: „Das Haus wurde 1928 vom Maurer Anton Schmid gebaut, von dem der Hausname abgeleitet ist.“ Recht viel mehr wisse er aber auch nicht.

Ein Blick in die Geschichte des Anwesens bringt Aufklärung. Semer war der alte Hausname der Familie Schmid. Hausnamen stammen aus einer Zeit, als es noch keine Straßennamen und Hausnummern gab. Meist beziehen sie sich auf die Erbauer oder frühere Besitzer des Anwesens. Vor allem bei alteingesessenen Jesenwangern sind Hausnamen noch heute rege in Gebrauch – so auch bei dem Haus in der Kapellenstraße. Der Semer Toni war also der Erbauer. Später wohnte auch sein Sohn Hans dort. Und so war es dann irgendwann dem Semer Toni Hansl sein Haus.

Gekauft hat Neumann das alte Haus vor mittlerweile zwölf Jahren. Über die Immobilienabteilung eines Kreditinstituts wurde er darauf aufmerksam. Speziell in der Region hatte er dabei nicht gesucht. „Die preislichen Unterschiede zu den anderen Regionen rund um München haben den Ausschlag gegeben“, erzählt der 56-Jährige.

Dass er ein 90 Jahre altes Haus gekauft hat, war dagegen kein Zufall. „Das hat mich gereizt“, sagt Neumann. Und da kam ihm das Semer-Anwesen gerade recht. „Die erste Besichtigung war ein Wow-Erlebnis.“ Optik und Flair des Hauses hätten ihm sofort gefallen. „Die Größe, der Garten, das Grundstück – es hat einfach alles gepasst.“

Dass in alte Gemäuer viel Arbeit gesteckt werden muss, war weniger Abschreckung als vielmehr Herausforderung – auch wenn Neumann sagt: „Erst wenn man anfängt, etwas zu restaurieren, merkt man, was auf einen zukommt.“ Unter anderem kamen erst im Verlauf der Renovierung verfaulte Dachbalken zum Vorschein. Doch das war nur ein kleiner Teil der nötigen Arbeiten. „Keller in alten Häusern sind meistens feucht“, erzählt der Jesenwanger. So war es auch in der Kapellenstraße. Die Kellerräume wurden trocken gelegt und isoliert. Die alten Holzfenster hatte Neumann erst gestrichen, sie später aber dann gegen neue, besser isolierte Fenster ausgetauscht. Erneuert wurden ebenso Haustür und Heizung. Viel Zeit investierte der Jesenwanger zudem in den Garten.

Und selbst nach zwölf Jahren ist immer noch genug zu tun. „Aktuell wird eine neue Küche eingebaut.“ Und auch die Fußböden im Wohnzimmer sollen noch erneuert werden. „Was ich kann, mache ich dabei selbst.“ Und was er nicht selbst machen kann, lässt Neumann durch Handwerker aus der Region erledigen. Für die Elektroarbeiten und die Renovierung der Außenfassade holte er sich Profis an Bord. Selbst verputzt hat er dagegen die Garage.

Aber nicht nur deshalb ist die kleine Terrasse zwischen dem Neben- und dem Hauptgebäude das Lieblingsfleckerl des Jesenwangers in seinem alten Haus. Auch die Ruhe dort genießt er sehr. „Im Vergleich zu meiner Zeit in München herrscht hier praktisch Totenstille“, sagt er. Bereut hat er den Kauf des alten Hauses trotz der vielen Arbeit deshalb nie. Und heute weiß er auch, dass von seinem Heim die Rede ist, wenn ein Jesenwanger vom Semer Toni Hansl seinem Haus spricht.

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