Essen gibt es bei Gitti Walch am Flugplatz Jesenwang momentan nur zum Abholen.
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Essen gibt es bei Gitti Walch am Flugplatz Jesenwang momentan nur zum Abholen.

Corona-Zeiten

Hol-Service als Lebenszeichen der Wirte im Lockdown

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Für Gastwirte sind Hol- und Lieferservice die einzige Möglichkeit, im Lockdown ihre Speisen an den Mann zu bringen. Doch das „Essen to go“ rechnet sich in den meisten Fällen kaum.

Landkreis – Eigentlich heißt die Gaststätte am Jesenwanger Flugplatz „Fly-in“. Derzeit steht auf der online einsehbaren Karte aber groß „Drive-in“ zu lesen. Wie andere Gastwirte auch, bietet Inhaberin Brigitte Walch ihren Gästen im Lockdown Essen zum Abholen an. Obwohl das Angebot gut angenommen wird, ist es finanziell für Walch eine Nullrechnung. „Der Getränkeverkauf fehlt einfach sehr“, sagt die Jesenwangerin.

Die Gewinnspanne bei den Speisen sei im Vergleich durch den höheren Aufwand deutlich kleiner. Warum sie ihr „Drive-in“-Angebot trotzdem durchzieht? Zum einen wäre die finanzielle Situation noch schlimmer, wenn Walch und ihr Team gar nichts anbieten würden. „Außerdem können wir den Kontakt zu den Kunden halten und unser Personal hat wenigstens ein bisschen was zu tun.“

Ähnlich geht es Magdalena Stürzer in ihrem Zillerhof in Gröbenzell. „Wir sind beschäftigt und die Leute nutzen es“, sagt die Gastwirtin. Aber auch sie will damit eher im Gespräch bleiben, als dass sie viel verdienen kann. „Der Umsatz ist nicht so hoch wie bei Normalbetrieb, es rechnet sich nicht.“

Abholungen machen beim Fürstenfeldbrucker Klubhouse von Florian Weber nur zehn bis 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Er setzt eher auf seinen Lieferservice. „Obwohl der echt gut angenommen wird, rechnet es sich überhaupt nicht“, sagt er. Vielmehr sei es sogar ein kleines Minusgeschäft, da das Klubhouse trotz Lieferung die Preise nicht erhöht habe. Auch Weber geht zudem das Geschäft aus dem Getränkeverkauf ab.

Lediglich einen Bruchteil des Vorjahresumsatzes macht Harry Faul in einem Bräustüberl in Maisach mit seinem „To go“-Angebot. Hilfen das Staates kommen oft nur zäh. „Ich habe im November eine Abschlagszahlung bekommen“, berichtet der Gastronom. Mit dem Rest rechnet er nicht vor Februar. „Das ist viel zu spät, einige werden nicht so lange aushalten“, befürchtet Faul – zumal der Dezember mit den Weihnachtsfeiern der Monat ist, in dem sich viele Wirte einen finanziellen Puffer zulegen.

Auch die Mahavi Group aus Fürstenfeldbruck bietet im „Bottles’n’Burgers“ und in der Martha Pizzarei Essen to go an. „Von einem gewinnbringenden Geschäft sind wir aber weit entfernt“, sagt Markus Bauer, einer der drei Geschäftsführer. Auch die Mahavis wollen mit dem Angebot signalisieren: Wir sind noch da. „Außerdem machen wir es für unsere Mitarbeiter, die Beschäftigung brauchen und arbeiten wollen.“

Bauer ist vom Staat enttäuscht. „Wir haben alle Anträge auf Hilfen abgegeben, aber es kommt kaum etwas bei der Gastronomie an“, sagt er und fügt hinzu: „Das Vertrauen in die Regierung ist nicht mehr vorhanden.“ Auch Bauer geht davon aus, dass mancher Gastwirt den Lockdown nicht überlebt und formuliert das vorsichtig: „Es wird wohl unternehmerische Verschiebungen geben.“

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