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„Ich fühle mich immer noch sehr wohl in diesem Haus“, sagt Elvira Zeh. Die Haustüre ist original, wurde aber aufgedoppelt.

Serie: Häusergeschichten (Teil 3)

Aus Abbruchhaus wird Vorzeigeobjekt

Der Metzgerhof in Jesenwang sollte ein Vorzeigeobjekt für alle Skeptiker alter Bausubstanz werden. Alexander Zeh, damaliger Kreisheimatpfleger, hat das zum Abbruch freigegebene Haus 1985 gekauft, saniert und samt seinem Architekturbüro bewohnt.

Jesenwang Das Projekt gelang ihm. Später, als alles fertig war, hat Alexander Zeh busladungsweise Leute durch das Haus geführt. In einem Teil wohnt heute noch seine Witwe Elvira Zeh.

„Das müssen entweder ganz Geldige oder Grüne sein, normale Leut’ kaufen sowas nicht“, hieß es im Dorf über die Familie Zeh, kurz nachdem sie das Bauernhaus an der Mammendorfer Straße gekauft hatte. Architekt Alexander Zeh und seine Frau waren weder Geldige noch Grüne – sondern überzeugt von der Idee, dass man „oids Sach“ nicht immer gleich wegschieben dürfe.

Auch Mobiliar liebevoll restauriert

Freilich stand da auch viel berufliches und amtliches Interesse dahinter, nachdem der Architekt 23 Jahre als Kreisheimatpfleger für den Bereich Denkmäler und Museen im Landkreis zuständig war. Und natürlich dafür gesorgt hat, dass das Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde. „Der frühere Besitzer hatte ausgesiedelt, das Haus stand einige Jahre leer, und eine Abbruchgenehmigung lag bereits vor“, erinnert sich Elvira Zeh.

So sieht die Fassade zur Straße hin aus. Rechts beginnt der ehemalige Stall, am Fenster ablesbar.

Automatisch mitgekauft vom Ehepaar Zeh wurde ein Teil des Mobiliars. Schränke, Vitrinen, eine Kommode und zwei Nachtkastl standen noch im Haus – und stehen, nach liebevoller Restaurierung, auch noch heute da. Teilweise im selben Raum wie einige moderne Möbelstücke, die der Architekt selbst entworfen hatte.

Denkmalpflegerisch wertvoll waren die Bauelemente des 1857 erbauten Hauses: Solnhofer Natursteinplatten, eine Kammerstiege, die zusätzlich zu der Stiege im Flez (Hausgang) eine direkte Verbindung zwischen Stube (Wohnzimmer) und darüberliegender Schlafkammer herstellte, und das in Bauernhäusern übliche Wandkastl in der Stube, in der die Bewohner Gebetbuch, Kerze und Schnaps aufbewahrten.

Blick in die Stube: an der Wand das früher übliche Kastl, in dem Gebetbuch, Kerze und Schnaps aufbewahrt wurden.

Vorhanden sind noch heute die Karton-Schablonen, mit deren Muster Wände oder Friese unter den Zimmerdecken gemalt wurden. Weil in dem so genannten Mittertennhaus Stall und Wohntrakt unter dem gleichen First lagen, war auch der Getreideabwurf des zweigeschossigen Hauses von der Tenne in den Stallbereich noch vorhanden.

Und noch eine Besonderheit fällt auf: die aufwändig gestaltete Haustüre des ursprünglich 45 Meter langen Gebäudes. Bauherr Michael Wex muss ein gut situierte Bauer gewesen sein.

Der größte Teil des Anwesens, das heute durchaus als Reihenhaus durchgehen würde, war nicht mehr zu retten und wurde abgebrochen. Stehen blieb der südliche, etwa 15 Meter lange Teil. „Bei der Sanierung musste die rückwärtige Fassade erneuert und eine Betondecke eingezogen werden“, berichtet Elvira Zeh. Auch das eine oder andere Stallfenster war nicht mehr zu retten und wurde durch eines aus dieser Zeit stammendes ersetzt. Schließlich sollte in einem Teil des Hauses auch das Architekturbüro Platz finden, bevor es dann im Zuge der Vergrößerung an den Brucker Leonhardsplatz verlegt wurde. Gestalterisch ansprechend baute Alexander Zeh etwas vom Bauernhaus abgerückt eine Doppelgarage mit Satteldach.

„Die Sanierung dauerte weniger als ein Jahr. Und danach klingelten immer wieder Leute bei uns, die sich das Haus anschauen und für eigene Sanierungsprojekte Rat holen wollten“, erzählt Elvira Zeh, die bis zum Tod ihres Mannes im Jahr 2007 sein Sekretariat führte. Dass die Sanierung geglückt ist, befand auch das Landesamt für Denkmalpflege und verlieh den Bauherren die Denkmalschutzmedaille.

Nettes Detail: Durch den Kreis im Gitter kann man den Kopf rausstrecken, um zu sehen, wer vor der Türe steht.

Bauen im historischen Bestand, zum Beispiel die Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM), die Schulerweiterung in Türkenfeld und das Pfarrheim Schöngeising, bildete schon immer den Schwerpunkt des architektonischen Schaffens von Alexander Zeh. Neben vielen Kirchensanierungen hatte der Architekt auch maßgeblichen Anteil am Ausbau des Jexhofes zum Bauernhofmuseum.

„Ich fühle mich immer noch sehr wohl in diesem Haus“, stellt seine Witwe Elvira Zeh fest. Dass die Holztreppe knarzt und es wegen der Schilfrohrmatten unter dem Putz gelegentlich Risse gibt, stört sie nicht. „Allenfalls das Putzen der kleinen Sprossenfenster ist etwas lästig. Aber nachdem die alten Glasscheiben von Haus aus etwas schlierig sind, geht es auch nicht so genau.“

von Max-Joseph Kronenbitter

Die Serie: In der Serie „Häusergeschichten“ werden in loser Folge besondere Gebäude vorgestellt. Die Bewohner erzählen von ihrem einzigartigen Zuhause.

Auch interessant:

Teil 1: das Rechamacha-Haus in Alling

Teil 2: „dem Semer Toni Hansl sein Haus“ in Jesenwang

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