+
Exotische Schmankerl: Das serviert Apu’u (14) im Foodtruck ihrer Eltern. Die beiden Jesenwanger Pajitsu und Stefan Fischer bieten bayerisch-indianische Küche an. 

Jesenwang

Bayerisch-indianische Küche auf vier Rädern

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
    schließen

Food Trucks mit exotischen Gerichten gibt es inzwischen zahlreiche. Das Angebot der beiden Jesenwanger Pajitsu und Stefan Fischer dürfte zumindest in der Region aber einzigartig sein. Die beiden verbinden bayerischen Gusto mit indianischen Gerichten.

Jesenwang„Tsou Semme“ heißt eines der Gerichte, das die Fischers an ihrem Food Truck anbieten. Es steht sinnbildlich für die Kombination der beiden Küchen. Tsou ist der Name des Indianerstamms auf Taiwan, dem Pajitsu Fischer entstammt. Die urbayerische „Semme“ erklärt sich von selbst. Auf der „Tsou Semme“ findet sich ein mariniertes Wammerl vom Grill.

Pajitsu Fischer (42) wuchs als Pajitsu Dagiyana in den Bergen von Formosa, dem heutigen Taiwan, auf. Rund 200 000 sogenannte Natives – also die ursprünglichen Einwohner – leben noch auf der Insel vor dem Festland, das heute die Republik China bildet. Zwischen 3000 und 4000 gehören zum Stamm der Tsou-Indianer. Auf mehr als 2000 Metern Höhe leben sie in den Bergen Zentral-Taiwans.

Ähnliche Mentalität wie Bayern

Das gesellschaftliche Leben der Indianer, die nicht mit den später eingewanderten Chinesen verwandt sind und ihre ganz eigenen Sprachen und Bräuche haben, unterscheidet sich von der bayerischen Lebensart gar nicht so sehr: „Sie feiern gerne, sie grillen gerne, sie haben eine ganz ähnliche Mentalität wie wir Bayern.“

Kennen und lieben gelernt hat Stefan Fischer seine Frau im Urlaub. „Sie arbeitete in der Touristikbranche“, erzählt er. Seit Mitte 2018 betreiben die beiden ihre „Aveoveoyu Traditional Kitchen“. Unterstützt werden sie von ihrer Tochter Apu’u (14). Aveoveoyu ist der traditionelle Gruß der Tsou-Indianer und heißt so viel wie „sich aus tiefstem Herzen glücklich fühlen“.

Und glücklich sind die Fischers mit ihrem Geschäftsmodell allemal. Neben dem Food Truck gehört dazu auch, dass das Paar Firmen einen Mittagstisch anbietet. Das Herz der Fischers hängt aber vor allem an ihrem Food Truck – einem umgebauten Airstream-Wohnanhänger, Baujahr 1957.

Der Anhänger ist ein echter Hingucker und hatte schon zuvor eine Art Food-Truck-Vergangenheit: „Ein Hamburger Fischhändler hatte ihn umgebaut, ist dann aber aus dem Geschäft ausgestiegen“, erzählt Stefan Fischer. Der Jesenwanger sah die Verkaufsannonce in einer Zeitung und schlug zu.

Gewürze ausTaiwan importiert

Während die Tsou-Indianer ihre Gerichte oft auf einem heißen Stein oder über offenem Feuer zubereiten, ist das in dem Food Truck freilich nicht möglich. Dort kommen stattdessen ein Gasherd und ein Grill zum Einsatz.

Typisch indianisch sind aber die Gewürzmischungen, die die Fischers entweder selbst zubereiten oder aus Taiwan importieren. Neben taiwanischen Pfeffersorten gibt es auch Gewürze, die man in Deutschland gar nicht kennt. „Auf Taiwan wächst ein Baum mit nelkenähnlichen Blüten“, erzählt Pajitsu Fischer. Mit dem in Deutschland gebräuchlichen Gewürz haben diese aber nur die Optik gemein. „Schmecken tut es ganz anders“, sagt Stefan Fischer. Einige Soßen werden außerdem mit Kaffee oder Tee zubereitet.

Eine der Hauptzutaten bei den Gerichten der Tsou-Indianer ist gegrilltes Schweinefleisch – in deren Sprache Fuzu’u genannt. Und weil das so typisch ist, finden sich rund um den Food Truck diverse Deko-Schweinderl. „Der Spitzname unseres Food Trucks ist ebenfalls Fuzu’u“, erzählt Stefan Fischer. Die Jesenwanger bieten aber auch Geflügel an – zum Beispiel eine Chicken Box mit süß-saurer Soße und mit Süßkartoffeln panierter Hühnerbrust.

Exotische Gerichte kommen an

Mit ihrem exotischen Geschäftsmodell haben die Fischers den Nerv der Kunden getroffen. „Das Geschäft lief im vergangenen Jahr gut“, erzählt der 50-Jährige. Viele der Kunden holten sich nicht nur ihr Essen am Food Truck ab, sondern machten es sich an Stehtischen davor bequem und blieben auf einen Ratsch.

„Doch dann kam Corona“, sagt Stefan Fischer. Sämtliche Events, auf denen die Fischers dabei waren, sind heuer weggebrochen. Und auch beim Firmen-Mittagstisch herrschte in Folge des Lockdowns lange völlige Flaute.

Pajitsu und Stefan tingeln deshalb derzeit von Standort zu Standort. Montags sind Pajitsu und Apu’u Fischer zum Beispiel von 12 bis 19 Uhr am Kirchvorplatz an der Münchner Straße in Mammendorf. Weitere Standorte sind im Würmtal in den Planegger Ortsteilen Steinkirchen und Martinsried. „Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Standorten“, sagt Stefan Fischer. Damit sie ihren Traum von der bayerisch-indianischen Küche weiterleben können.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Blaulicht-Ticker für die Region FFB: Rätsel um einen Unfall
Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Landkreis Fürstenfeldbruck einsatzbereit. Wohin sie unterwegs sind und warum, erfahren Sie im Blaulicht-Ticker.
Blaulicht-Ticker für die Region FFB: Rätsel um einen Unfall
Polizei zieht zwei getunte Autos aus dem Verkehr
Sie machen Lärm und basteln  teils verbotenerweise an ihren Autos: Aufgrund von Beschwerden über  die Auto-Poser-Szene führte die Polizeiinspektion Olching am …
Polizei zieht zwei getunte Autos aus dem Verkehr
Bagger durchtrennt Gasleitung - Olching fünf Stunden vom Netz abgeschnitten
Ein Bagger hat am Freitagmittag auf einer Baustelle an der Feursstraße eine Gasleitung durchtrennt. Die gesamte Stadt war fünf Stunden lang vom Versorgungsnetz …
Bagger durchtrennt Gasleitung - Olching fünf Stunden vom Netz abgeschnitten
Auto prallt gegen Baum: Seniorin leicht verletzt
Eine Seniorin ist am Samstag gegen 11 Uhr auf der Staatsstraße 2054 zwischen Moorenweis und Jesenwang mit ihrem Auto von der Straße abgekommen und gegen einen Baum …
Auto prallt gegen Baum: Seniorin leicht verletzt

Kommentare