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Klopft er auch schon im Landkreis an? Der Waschbär breitet sich aus.

Invasion aus Nordamerika

Waschbär stibitzt Igel-Kind das Futter

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Ihre Heimat ist Nordamerika. Doch auch in Europa breiten sich Waschbären immer weiter aus. Jetzt wurde ein Exemplar im Jesenwanger Ortsteil Pfaffenhofen gesichtet. Der Waschbär bedient sich an Futter, das eigentlich für einen Igel gedacht ist. Sollte das Tier einen Partner finden, könnte die Population schnell wachsen.

Pfaffenhofen – Die Gerüchteküche brodelte schon länger. Ein Jäger will auf der Pirsch einen Waschbären entdeckt haben. So recht geglaubt wurde ihm das nicht. Jägerlatein eben, dachte man im Dorf. Auch Matthias Dioschi war skeptisch – bis zu jenem Abend im September.

Der 70-Jährige sitzt in seinem Wohnzimmer. Gegen 22 Uhr wirft er einen Blick auf seine Terrasse. Eigentlich will er nach einem kleinen Igel schauen, der öfter vor dem Haus Station macht. Dort gibt es Futter für ihn, das weiß er. Denn Matthias Dioschi und seine Frau Karin kümmern sich mit großer Hingabe um die Tiere in ihrem Garten. Der kleine Igel ist ihr Sorgenkind. Für seinen Winterschlaf hat er noch nicht genügend Speck auf den Rippen. Doch an diesem Abend ist von dem kleinen Stacheltier nichts zu sehen.

Die Dioschis haben den Waschbär in ihrem Garten gesehen

Beim Blick aus dem Fenster entdeckt der Fahrlehrer im Ruhestand aber einen anderen Vierbeiner. Dunkle Nase, helle Schnurrhaare, kleine Ohren, gestreifter Schwanz und eine charakteristische schwarze „Maske“ um die Augen – ein waschechter Waschbär. „Ich dachte, ich sehe nicht richtig“, sagt Matthias Dioschi.

Auf Waschbären-Pirsch: Matthias Dioschi hat in seinem Garten eine Wildkamera installiert.

Dass Tiere zu Besuch kommen, ist für die Dioschis nichts Neues. Füchse und Rehe waren bereits da, 21 Vogelarten hat Karin Dioschi gezählt. „Der Blick aus dem Fenster ist für uns wie Fernsehen“, sagt die 73-Jährige. Doch was sie vom „Programm“ mit dem Waschbären halten sollen, wissen Matthias und Karin Dioschi nicht so recht.

Der Waschbär soll nicht für Nachwuchs sorgen

Einerseits ist dem Paar jeder vierbeinige Besucher willkommen. Andererseits haben die beiden gehörigen Respekt vor dem Kleinbären. Der dringt nämlich auch mal gerne in Häuser ein, wenn sich ihm die Chance bietet. Und vor fremdem Eigentum hat der Allesfresser wenig Respekt. Schon oft mussten Hausbesitzer zerfetzte Isolierungen erneuern oder übelriechende Hinterlassenschaften entfernen.

Deshalb hat Matthias Dioschi sein Haus bereits auf mögliche Zugangswege für den Waschbär untersucht und gesichert. Das Tier soll sich auf dem Grundstück nicht zu wohl fühlen – und keinesfalls auch noch für Nachwuchs sorgen.

Es wird eine Waschbär-Population im Landkreis geben - die Frage ist wann

Dabei ist das gar nicht so abwegig, sagt Michael Pöllmann, Sprecher der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck im Bayerischen Jagdverband (BJV). „Wenn sich ein Paar gefunden hat, vermehren sich die Tiere recht schnell.“ Bisher sei der Waschbär aber kaum ein Thema unter den örtlichen Jägern gewesen. Es habe lediglich hin und wieder Gerüchte über eine Sichtung gegeben. Erlegt worden sei noch kein Exemplar im Landkreis.

Doch Pöllmann ist sicher, dass sich das ändern wird. Früher oder später werde der Waschbär auch in der Region um Fürstenfeldbruck zum Alltag gehören. „Die Frage ist nicht ob, sondern wann.“ Der Lebensraum sei gut für das Tier geeignet. Es gilt als anpassungsfähig und ist nachtaktiv. Deshalb ist es für die Jäger schwierig, ihnen nachzustellen. Versuchen werde man es aber auf jeden Fall. Denn der Waschbär gilt als Eindringling ohne natürliche Feinde und somit als Gefahr für die heimische Tierwelt.

Auf die Lauer haben sich auch Karin und Matthias Dioschi gelegt. Kamera und Fernglas liegen jetzt stets bereit. Und im Garten hat der Hausherr eine Wildkamera installiert. Sie soll den letzten Beweis für die Anwesenheit des putzigen Tieres bringen. Denn Jägerlatein wollen sich die Dioschis nicht nachsagen lassen.

Aus Pelzfarmen und Gehegen

Der Waschbär ist kein heimisches Tier. Ursprünglich stammt der Kleinbär aus Nordamerika. Im vergangenen Jahrhundert sind aber ein paar Exemplare aus Pelztierfarmen und Gehegen in Europa entkommen. Andere wurden ausgesetzt. Seitdem vermehren sie sich auch hier. 

Waschbären haben in Deutschland keine natürlichen Feinde. Deshalb sind die Jäger laut Michael Pöllmann von der Kreisjägerschaft angehalten, die Säugetiere ins Visier zu nehmen. 

Zur Nahrung des Waschbären gehören Früchte, Obst, Beeren, Getreide, Vögel und deren Eier, Regenwürmern, Wirbellose und kleine Wirbeltiere (vor allem Mäuse) – und menschliche Abfälle.

Auch für Hunde und Katzen ist es zur Zeit nicht einfach. Immer mehr Fälle von Hasenpest werden im Landkreis gemeldet. Hier finden Sie noch Tipps, wie sie den Igeln ein ordentliches Winterquartier im Garten anlegen können. 

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