Werner Brandlhuber ist im Alter von 73 Jahren gestorben.
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Werner Brandlhuber ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Nachruf

Der Hippie, der Heimatklänge liebte - Jesenwanger setzte sich für den Erhalt des Bairischen ein

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Werner Brandlhuber ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Er verstand es, scheinbare Gegensätze zu vereinen.

Jesenwang – Als überzeugter 68er demonstrierte er in seiner Jugend gegen politische Missstände und den Vietnamkrieg, ließ sich als einer der ersten an seiner Schule die Haare lang wachsen, verweigerte den Wehrdienst, diskutierte die Nächte durch und ging begeistert auf die Konzerte der neuen Rockbands jener Ära.

Doch der langhaarige Hippie liebte auch Heimatklänge. Ob er schräg angeschaut wurde, wenn er Volksmusiktage in den Alpen besuchte, wie er es gerne tat? Sicher nicht mehr, nachdem er sich eine Lederhose zugelegt hatte, aus der er Zeit seines Lebens nicht mehr herauswachsen sollte.

Gegensätze prägten auch die Kindheit des 1946 geborenen Münchners. Mit seinen Eltern und dem zehn Jahre älteren Bruder lebte er in einer kleinen Dachgeschosswohnung in Laim, doch die Ferien verbrachte die Familie stets auf dem großelterlichen Bauernhof in Kirchstetten bei Dorfen (Landkreis Erding). Aus dieser Zeit rührte Brandlhubers Liebe zum Landleben.

Restaurierung eines alten Bauernhofs war sein Lebenstraum

Dass er sich später mit seiner Frau Regina einen 100 Jahre alten Bauernhof in Jesenwang kaufte und diesen über Jahrzehnte liebevoll restaurierte, war für beide die Erfüllung eines Lebenstraums. Ihre drei Kinder wuchsen hier glücklich auf. Für Freunde stand die Tür immer offen.

Brandlhuber studierte Elektrotechnik und Kybernetik, später arbeitete er bei Siemens. Privat war er passionierter Tontechniker und Volksmusiker mit eigener Gruppe, der Keaschbammusi. In seinem fahrbaren Studio entstanden Hunderte von Tonbändern, Kassetten, Platten und CDs, alle versehen mit dem Kürzel „WRB“ – das R stand für seinen zweiten Vornamen Roland.

Als großer Bewunderer des Musikers und Volksliedsammlers Wastl Fanderl engagierte sich Brandlhuber seit 1981 im von diesem mitgegründeten Verein für Volkslied und Volksmusik (VVV). Kaum einer kannte sich in der oberbayerischen Voksmusik so gut aus wie er. Ein großes Anliegen war dem Mann mit dem Rauschebart und dem Stopselhut der Erhalt des Bairischen als Kulturgut. Mundart sah er als Bereicherung, nicht als Manko.

Sechs Enkelkinder vermissen ihren Opa

Vermisst wird Werner Brandlhuber in diesen Tagen von vielen Menschen – nicht nur von seiner großen Familie, zu der inzwischen sechs Enkelkinder gehören. Das siebte ist unterwegs und wird seinen Großvater nicht mehr kennenlernen.

Auch im Männergesangverein Jesenwang und in der Pfarrgemeinde fehlt er. Denn wenn man ihn brauchte, war er immer ganz selbstverständlich da, ohne sich je in den Vordergrund zu spielen.

Trotz einer Krebserkrankung konnte Werner Brandlhuber bis wenige Tage vor seinem friedlichen Tod seinen Interessen nachgehen. Selbst in der schwersten Zeit nahm er an Musikproben teil, grub alte Noten aus, setzte sie neu – und bewahrte viele Lieder vor dem Vergessenwerden. Werner Brandlhuber wurde 73 Jahre alt.

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