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Carsten Witt aus Pfaffenhofen hat das Projekt „Go Europe!“ gegründet. Vom Jesenwanger Ortsteil aus möchte er dafür sorgen, dass viele die Europa-Bewegung unterstützen.

Rundreise durch Kontinent geplant

Ein Dorf als Zentrum der Europa-Bewegung

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Europa braucht wieder mehr Stabilität. Das sagt Carsten Witt (76), Gründer des Projekts „Go Europe!“, angesichts erstarkender Rechtspopulisten. Der 76-jährige Pfaffenhofener wünscht sich deshalb ein Begegnungszentrum für Europa – und will dafür 4500 Kilometer quer durch den Kontinent marschieren.

Jesenwang – Witt aus dem kleinen Jesenwanger Ortsteil Pfaffenhofen hat große Pläne: Das Begegnungszentrum soll in Estlands Hauptstadt Tallinn, genauer gesagt im ehemaligen Gefängnis Patarei, entstehen – für den Pfaffenhofener ein Ort mit Symbolkraft. Nicht nur dass Estland das Tor zu Russland ist. Noch 1991 wurde in dem Gefängnis ein letztes Todesurteil vollstreckt. „Dieser Ort schreit geradezu nach der Respektierung der europäischen Werte“, glaubt Witt.

„Enge Horizonte, kleine Karos – das war noch nie mein Ding“, sagt der Bauingenieur und Sportpsychologe. Richtiggehend sauer wird er deshalb, wenn er hört, dass es den Menschen ohne die EU besser ginge. „Ich kann dieses populistische Geschwätz nicht mehr hören.“ Friede und Wohlstand seien keine Selbstverständlichkeit und der Stabilität geschuldet, die die EU mit sich bringt. Doch die sieht Witt angesichts marschierender Rechtspopulisten und lauter Parolen gegen Minderheiten gefährdet.

Der Gedanke „Go Europe!“ gärt schon länger in dem Pfaffenhofener. Bestärkt wurde er durch die Entwicklungen der jüngsten Zeit: der Brexit und die Wahl Trumps.

Dass das Begegnungszentrum in Patarei entstehen soll, ist einem Zufall geschuldet. Als er geschäftlich in der estnischen Hauptstadt war, sei er durch das ehemalige Gefängnis geführt worden. Dieses steht zum Verkauf, doch Investoren schrecken vor den hohen Kosten zurück. „Für den Erwerb und die Restaurierung braucht man richtig Kohle“, weiß auch Witt. Deshalb wollte er zunächst einen Spendenmarathon ins Leben rufen. Die Idee: „Ich gehe von Lissabon nach Tallinn und verkaufe jeden gelaufenen Meter für zehn Euro an Sponsoren.“ Bei einer Strecke von rund 4500 Kilometern kämen auf diese Weise 45 Millionen Euro zusammen. „Ein gutes Startkapital für das Projekt.“

Mit der Zeit engagierten sich auch Witts Söhne für „Go Europe!“, wodurch der Marsch ein Eigenleben bekam. Angelehnt an US-Präsident Donald Trump („Make America great again“) rufen Witt und seine Söhne zur „Make Europe greater“-Tour auf. Mitmachen kann jeder – egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit einer Kutsche oder per Boot, egal, ob eine längere Strecke oder auch nur eine kurze Etappe.

Alle sollen am 29. Oktober in Lissabon mit einer großen Demo für Europa starten. Genau ein Jahr lang will Witt dann quer durch den Kontinent marschieren und am 28. Oktober 2018 in Tallinn ankommen. „Wir wollen jede europäische Hauptstadt bei der Tour besuchen.“ Eine Pferdekutsche soll beispielsweise an der Küste entlang bis rauf zu den britischen Inseln fahren. Per Boot geht es ebenfalls an der Atlantikküste entlang. Fußgänger und Radfahrer sollen auf verschiedenen Routen die Städte im Inneren des Kontinents besuchen. „Die Routen werden derzeit exakt geplant“, berichtet Witt.

Sponsorensuche für 4500-Kilometer-Tour

Wichtig ist ihm, dass es sich nicht um ein elitäres Projekt handelt. Jeder soll daran teilnehmen können – im Speziellen sogar die ärmeren Schichten, „die sonst zuhause nicht rauskommen“, sagt Witt. Dafür sucht er derzeit Sponsoren. Mit der Tour durch Europa will er die größten Errungenschaften des europäischen Einheitsprozesses betonen: beispielsweise das freie Reisen ohne Grenzen oder Geldwechsel. Am Ende soll am 28. Oktober 2018 die symbolische Übergabe des Begegnungszentrums in Patarei stehen. Und möglichst genug Geld, um das ehemalige Gefängnis zu kaufen und wieder herzurichten – für Europa und gegen den Abbau von Vorurteilen. Witt: „Begegnung ist unser Ziel.“

Weitere Infos auf go-europe.eu.

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