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Pfarrer Wolfgang Huber (l.) ist zum 16. Mal beim Willibaldritt dabei. Inzwischen hat er sich mit dem Reiten angefreundet. Er ist aber froh, dass die Pferde geführt werden.

247. Auflage einer Traditionsveranstaltung

Schon 16 Mal dabei - Jesenwangs Pfarrer erzählt von den Tücken des Willibaldritts

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Eine besondere Affinität zu Pferden hat Wolfgang Huber nicht. Trotzdem war er beim Willibaldritt bereits zum 16. Mal am Start. Als Pfarrer segnet er jedes Jahr die Pferde.

JesenwangSeinen Bezug zu Pferden beziffert Wolfgang Huber auf „gleich Null“. Es war einfach die Zuständigkeit, die ihn 2004 erstmals die Segnung der Reittiere übernehmen ließ. „Mein Vorgänger sagte, dass der Pfarrer üblicherweise mitreitet, also hab ich das übernommen“, erzählt der Geistliche des Pfarrverbandes Mammendorf. Dabei sei er zuvor noch nie auf einem Pferd gesessen.

Alleine gelassen wird Huber freilich nicht. „Es sind geführte Pferde. Selbst zu reiten wäre schon etwas anderes.“ Und so bleibt Huber meist recht gelassen, selbst wenn die Tiere im ganzen Trubel mit Zuschauern und Blasmusik manchmal etwas unruhig gewesen seien. Das Schwierigste sei das Aufsteigen im Priestergewand. „Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einen Stuhl zu Hilfe nehme“, sagt er und lacht.

Der Tag für Pfarrer Wolfgang Huber begann schon vor dem Ritt

Der Tag des Willibaldritts begann für Huber aber auch heuer nicht erst, als er mittags auf seinem Pferd saß. Zuvor fanden bereits zwei Gottesdienste statt: Um 8 Uhr ein Gottesdienst für die Wallfahrer, die aus der Umgebung zum Umritt kommen. Um 10 Uhr folgte ein Votivamt in der Willibaldkirche, wo die Teilnehmer den Heiligen auf dem frisch restaurierten Votivbild bestaunen konnten. In den Mittelpunkt der Gottesdienste stellt Huber die Bedeutung des Ritts als Dank der Bevölkerung, der der Heilige Willibald nach seiner Anrufung vor mehr als 300 Jahren bei einer Tierseuche zur Seite gestanden haben soll.

Gegen 13 Uhr kommt Huber zur Aufstellung des Umritts. Der morgendliche Regen hat sich inzwischen verzogen, es ist trocken, sogar die Sonne schaut hin und wieder raus. Huber zieht sein kirchliches Gewand an und steigt auf sein Pferd. Ob es jedes Jahr dasselbe ist, weiß er nicht: „Ich erkenne das Tier ehrlich gesagt nicht wieder.“ Dann geht es los.

Prominenter Gast reiht sich in den Zug ein

Hinter Huber reiht sich heuer ein prominenter Teilnehmer ein: In einer der Kutschen sitzt Regisseur Joseph Vilsmaier. Jesenwangs Kulturreferent Rainer Schmid hatte den Filmemacher kurz zuvor bei einem Termin kennengelernt und ihn kurzerhand eingeladen.

Der Ritt zur Kirche führt diesmal wegen der Baustelle auf der Landsberger Straße über eine Ausweichroute. Am Straßenrand bestaunen wieder zahlreiche Zuschauer das Spektakel. Alles läuft problemlos, die Reiter treffen beim Kastanienhain ein.

Prominenter Gast: Zum ersten Mal ist Regisseur Joseph Vilsmaier mit dabei.

Pfarrer Huber: „Ich ziele immer auf die Mitte der Pferde“

Dann der große Moment: Der Durchritt durch die Kirche, bei der Huber die Pferde von einer Kanzel am Portal aus segnet. „Man muss darauf achten, dass man den Tieren kein Weihwasser in die Augen spritzt.“ Er ziele immer auf die Mitte des Pferdes. Soll heißen: „Der Reiter kriegt es meistens voll ab.“ Bei der Segnung wechselt sich Huber mit Diakon Tomislav Rukavina und Gemeindereferentin Marina Ebner ab. Einmal durfte auch Weihbischof Bernhard Haßlberger mitwirken, der für einen Gottesdienst zu Gast in Jesenwang war. Huber erinnert sich: „Wir haben ihm gesagt, dass wir uns abwechseln, aber dann wollte er gar nicht mehr von der Kanzel runter.“ Auch Huber macht die Segnung viel Spaß. „Man kann auch mal ein paar Worte mit den Reitern wechseln.“

Die Reiter holten sich traditionell in der Wallfahrtskirche St. Willibald von Pfarrer Huber ihren Segen ab.

Bald sind alle Pferde und Gespanne gesegnet und für Huber ist der 16. Umritt damit um 16 Uhr Geschichte. Während Zuschauer und Reiter unter dem Kastanienhain feiern, geht der Geistliche zurück ins Pfarrheim – zum Duschen. „Unter dem Gewand ist es sehr warm – auch wenn die Sonne nicht scheint.“

Das war der Heilige Willibald: Der Bischof von Eichstätt als Kosmopolit und Missionar

Ein Votivbild in der Kirche zeigt den Heiligen Willibald bei einer Segnung von Tieren. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts hängt das Bild an dieser Stelle und hatte unter Umwelteinflüssen arg gelitten. Der Freundeskreis ließ das Bild nun aufwendig restaurieren. Die Kosten von 20 000 Euro trägt die Bauer’sche Barockstiftung. Doch wer genau ist eigentlich dieser Willibald, den es zeigt? „Willibald war im wilden Mittelalter ein echter Kosmopolit“, sagt Pfarrer Wolfgang Huber über den Bischof von Eichstätt, der 700 in Südengland geboren wurde und am 7. Juli 787 – also auf den Tag genau 1232 Jahre vor dem diesjährigen Willibaldritt – gestorben sein soll.

Seine missionarischen Reisen führten ihn bis nach Rom, Palästina und Byzanz. Anschließend wurde er Mönch in Monte Casino, ehe er 740 in Eichstätt zum Priester und 741 bei Erfurt zum Bischof geweiht wurde. Reisen waren auf den schlechten Straßen des Mittelalters beschwerlich. „Missionare waren sicher keine Softies, sondern eher der raue Typ“, sagt Pfarrer Wolfgang Huber. Deshalb schreibt er dem Namensgeber der Jesenwanger Kirche auch ein gehöriges Maß Abenteuerlust zu.

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