Lisa Fischer testet die Fahrt mit dem Lastwagen auf dem Flugplatz in Jesenwang.
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Lisa Fischer testet die Fahrt mit dem Lastwagen auf dem Flugplatz in Jesenwang.

Auf dem Flugplatz in Jesenwang

Selbstversuch: Am Steuer eines Brummis

  • Lisa Fischer
    vonLisa Fischer
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Auf dem Flugplatz in Jesenwang können Prüf-Sachverständige und die, die es werden wollen, das Fahren mit dem Lkw lernen. Ein Selbstversuch.

  • Autofahren ist die eines Sache, ein 40-Tonner noch einmal eine ganz andere. Das können Prüf-Sachverständige auf dem Flugplatz in Jesenwang ausprobieren.
  • Tagblatt-Reporterin Lisa Fischer hat den Versuch gewagt.
  • Die erste Aktion lautete gleich: rückwärts fahren.

Jesenwang – Um auf den Fahrersitz eines Lkw zu gelangen, muss man erst einmal ein paar Stufen hochklettern. Gut zwei Meter geht es in die Höhe. Kein Problem, selbst wenn man nicht ganz schwindelfrei ist – denn: „Man muss sich links und rechts an den Griffen festhalten und vorwärts hochgehen“, erklärt Frank Jelinski, Rennfahrer und Geschäftsführer der Part-2-GmbH. Die Firma bildet die Prüf-Sachverständigen in Jesenwang aus.

Also geht es los, mutig die Stufen rauf in den gelben Riesen. Der 40-Tonner ist einer von zwei Fahrschul-Lkw im großen Fuhrpark des Unternehmens. Hinzu kommen drei Busse, 20 Motorräder und mehrere Autos, zählt Thomas Rieth auf. Er ist Prokurist und Fahrlehrer bei der Part-2-GmbH.

So steigt man ein: Frank Jelinski erklärt, wie man am Besten in den Lkw klettert. 

Die Firma arbeitet für den Technischen Überwachungsverein (TÜV) Süd. „Wir sind ein Institut für die Aus- und Weiterbildung von TÜV-Sachverständigen“, erklärt Rieth (63). Mindestens zweimal im Jahr stehen je vier Wochen Ausbildung bei Rieth und seinen Kollegen – sie alle sind ausgebildete Fahrlehrer – auf dem Plan. Dann sind sie beispielsweise auf dem Flugplatz in Jesenwang, aber auch in Regen oder Ulm.

Die Fahrbahn in Jesenwang ist bunt gespickt mit unzähligen Hütchen und Pylonen. Im Lkw auf dem Fahrersitz lautet die erste Aktion: „Rückwärts fahren.“ Fahrlehrer Götz Duda sitzt nebendran, bereit im Notfall einzuspringen. „Langsam Gas geben und das Lenkrad komplett einschlagen“, lauten seine Ratschläge, als sich der Sattelschlepper Schritt für Schritt fortbewegt.

Fährt man um eine der Markierungen herum, muss man immer an den langen Hänger denken, den man hinter sich herzieht, erklärt Fahrlehrer Duda. Über die Seitenspiegel kann dies gut kontrolliert werden, während es im großen Bogen rechts herum geht.

Rangieren mit dem Lkw will geübt werden.

Nebenan fahren Motorradfahrer um die Pylonen. Angeleitet werden sie von Annette Porkristl, ebenfalls Geschäftsführerin der Part-2-GmbH. TÜV-Sachverständige, die schon fertig ausgebildet und berufstätig sind, müssen einmal im Jahr an einer Weiterbildung teilnehmen, erklärt sie. „Das ist Pflicht. Wir haben zirka 60 bis 70 Weiterbildungen von Frühjahr bis Herbst“, berichtet die 53-Jährige.

Die Prüflinge können dabei eine der verschiedenen Fahrzeugklassen wählen: Auto, Lkw, Motorrad oder Bus. „Je nachdem, welche Klasse sie im Berufsalltag prüfen“, sagt Thomas Rieth.

Einer der Sachverständigen, der in Jesenwang die Weiterbildung macht, ist Christian Wölfl. Privat fährt der 47-Jährige nicht Motorrad. Doch für die Weiterbildung schwingt er sich unter den Augen von Annette Porkristl auf die Maschine. Wölfl ist dafür extra aus Niederbayern angereist.

Motorrad-Schulung (v.l): Annette Porkristl, Karl Liebl und Christian Wölfl. 

Auch Karl Liebl kommt aus Niederbayern. Seit 1995 ist der 54-Jährige aus Zwiesel Sachverständiger beim TÜV Süd. Die jährlichen Weiterbildungen kennt er also schon sehr gut. Fahrlehrer Thomas Rieth erklärt: „Die verpflichtenden Praxisstunden pro Fahrzeugklasse sind wichtig, damit man nachweisen kann, dass man das Fahrzeug, welches man prüft, generell auch fahren kann.“ Im nächsten Jahr müssen die beiden Sachverständigen also Fahrprüfungen im Auto oder Bus ablegen.

Vielleicht aber auch im großen gelben Fahrschul-Lkw. Während die Flugzeuge auf der Startbahn nebenan beschleunigen und abheben, dreht der 40-Tonner mit einem letzten kräftigen Lenkradschwung nach rechts in die Parklücke. „Beim Aussteigen nicht herunterspringen“, ruft Chef Frank Jelinski. Es geht also dem Fahrzeug zugewandt die Stufen hinunter – Richtung Asphalt. Den Boden wieder unter den Füßen ist klar: Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen – einmal einen Lkw fahren.

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