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Die drei Metzgermeister in der Familie der Landmetzgerei Huber in Jesenwang. Sie alle heißen Bernhard mit Vornamen.

Metzgerei in Jesenwang

In dritter Generation in Familienhand

Das Metzger-Handwerk besitzt in der Familie Huber aus Jesenwang eine langjährige und große Tradition. Zurzeit wird die bekannte Landmetzgerei in der dritten Generation geführt. Doch der Familienbetrieb, der seit 1935 existiert, weist eine ganz spezielle Kuriosität auf: alle männlichen Nachkommen haben den gleichen Vornamen, nämlich Bernhard.

Jesenwang – „Begonnen hat es mit meinem Vater Bernhard, der 1935 die Metzgerei mit seiner Frau Maria gründete“, erinnert sich der heutige 76-jährige Senior Bernhard Huber zurück. Vor über 80 Jahren zunächst nur als kleine Zusatzeinkunft neben der Gaststätte gedacht, entwickelte sich die Metzgerei an der Grafrather Straße 2 schon sehr bald zu einem eigenen Unternehmen. Durch die Schlachtung im eigenen Betrieb, die übrigens bis zum heutigen Tag besteht sowie die Weiterverarbeitung und Herstellung von Wurstwaren, konnte sich die Metzgerei Huber im Laufe der Jahre einen großen Kundenstamm aufbauen und bis zum heutigen Tage erhalten.

Der jüngste bekam den Staatspreis der Bayerischen Staatsregierung

Im Jahre 1970 übernahm der 1941 geborene Bernhard Huber mit seiner Frau Theresia den elterlichen Betrieb. Zu der Zeit führte die Metzgerei bereits seit 17 Jahren eine Filiale in Landsberied. Unter der Ägide der zweiten Generation wurde das Geschäft umgebaut und vergrößert. Die Schlacht- und Produktionsräume wurden neugebaut und erweitert.

Der jetzige Chef des Familienbetriebs und stellvertretende Obermeister der Metzger-Innung Fürstenfeldbruck, der 50-jährige Bernhard, übernahm mit seiner Frau Ursula vor 15 Jahren das Familienunternehmen, nachdem er schon 1990 die Meisterprüfung sowie die Prüfung zum Betriebswirt des Handwerks erfolgreich abgelegt hatte.

Unter Bernhard Huber junior wurde der Laden umgebaut und erweitert und im Jahre 2009 zum EU-zugelassenen Betrieb ernannt. Im Jahre 2010 feierte die Metzgerei mit einem „Tag der offenen Tür“ ihr 75-jähriges Bestehen. Und ein Ende des von der Familie Huber geführten Familienunternehmens ist noch lange nicht in Sicht. Denn mit dem 23-jährigen Sohn von Bernhard und Ursula steht bereits der nächste Spross der Familie in den Startlöchern, um eines Tages das Unternehmen weiterzuführen. Der jüngste Bernhard hat vor wenigen Monaten seinen Meisterbrief mit Auszeichnung und dazu den Staatspreis der Bayerischen Staatsregierung erhalten und damit die besten Voraussetzungen geschaffen, den Familienbetrieb erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Zum Tag des Handwerks: Es läuft aktuell gut, doch es gibt auch Probleme

Beim Handwerk läuft es derzeit prächtig. Die Aussichten seien auch für das kommende Jahr gut, sagt Franz Höfelsauer von der Kreishandwerkerschaft. Große Sorgen bereitet der Branche allerdings der zunehmende Fachkräftemangel. Viele Betriebe arbeiteten schon jetzt an ihrer Kapazitätsgrenze. Noch wirke sich das Fehlen von Spezialisten aber nicht so gravierend auf die Umsätze aus, weil er durch gute Betriebsplanungen aufgefangen würde, berichtet Höfelsauer. Seine Prognose für die Zukunft fällt aber nicht gerade beruhigend aus. Durch die Zuwanderung von Flüchtlingen lasse sich der Fachkräftemangel nicht beheben.

„Der anfängliche Gedanke, dass Asylbewerber die Lücke schließen könnten, erfüllt sich nur teilweise“, so Höfelsauer. Als eine große Bremse bezeichnet er dabei die lange Dauer des Anerkennungsverfahrens. Einerseits würden die Betriebe aufgefordert, Asylbewerbern einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen, andererseits gestalte sich die Umsetzung aber sehr mühselig oder scheitere gar völlig. Oft liege es an der Arbeitserlaubnis. Höfelsauer berichtet von einem 20-jährigen Asylbewerber im westlichen Landkreis, der nach seinem Hauptschulabschluss gern eine Bäckerlehre begonnen hätte. „Der Ausbildungsvertrag war schon unterschrieben, durfte aber nicht eingereicht werden.“

Im Kreis Fürstenfeldbruck fehl es an Bäcker- und Metzger-Lehrlingen

Insgesamt traten knapp 70 Auszubildende zum ersten September im Bereich der fünf Brucker Innungen eine Ausbildung an. An der Spitze mit 26 Azubis steht die Friseurinnung, gefolgt von der Schreinerinnung mit 14 Auszubildenden. Nach wie vor herrsche großer Bedarf an Bäcker- und Metzger-Lehrlingen, so Höfelsauer. Nur drei Schulabgänger entschieden sich für den Beruf des Bäckers sowie neun für den eines Bäckereifachverkäufers. Gar nur zwei wollen Metzger werden und zwei Metzgereifachverkäufer.

Die Schuld daran, dass viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, gibt Höfelsauer dem „Akademisierungswahn“. 70 Prozent der Schulabgänger, die eigentlich eine Ausbildung beginnen könnten, wechseln auf eine weiterführende Schule, erklärt Höfelsauer. Dabei gebe es genügend Möglichkeiten nach abgeschlossener Berufsausbildung das Fachabitur oder gar das Abitur auf der BOS abzulegen, und selbst ein Studium ist möglich. „Als Handwerksmeister oder Betriebswirt nach der Handwerksordnung kann man sogar am berufsbegleitenden Bachelorstudiengang BWL und Unternehmensführung teilnehmen“, so Höfelsauer.

Außerdem ein Problem: Die Bereitschaft, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, ist heutzutage nicht mehr sehr groß. „Die Nachkommen sehen ihre Lebens- und Berufsplanung nicht mehr im elterlichen Betrieb“, sagt Höfelsauer. Eine wichtige Rolle bei der Betriebsübernahme spiele die Erbschaft- und Schenkungsteuer. Übernimmt ein Erbe den Betrieb, führt er ihn zehn Jahre lang weiter und erhält die Arbeitsplätze, kann er pro Jahr zehn Prozent von der Erbschaftssteuer absetzen, betont Höfelsauer. „Damit besteht die Chance, doch den Betrieb in der eigenen Familie erfolgreich weiterzuführen.“

von Dieter Metzler

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