Mit Auf- und Absteigen tut sich Magnus Winkler schwer, aber hinter dem Traktorsteuerrad ist er in seinem Metier: Der 84-Jährige hilft mit seinem Fendt-Traktor aus dem Jahr 1967 bei der Altpapiersammlung der Feuerwehr Jesenwang mit, wenn Not am Mann ist. 
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Mit Auf- und Absteigen tut sich Magnus Winkler schwer, aber hinter dem Traktorsteuerrad ist er in seinem Metier: Der 84-Jährige hilft mit seinem Fendt-Traktor aus dem Jahr 1967 bei der Altpapiersammlung der Feuerwehr Jesenwang mit, wenn Not am Mann ist. 

Jesenwang

Mit 84 Jahren Zugpferd der Papiersammlung

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Sechsmal im Jahr starten Mitglieder der Feuerwehr Jesenwang zur Altpapiersammlung. Zuletzt mit dabei: Magnus Winkler. Der 84-Jährige half sozusagen als Zugpferd aus, nämlich als Traktorfahrer. Er findet es wichtig, sich im Ort zu engagieren – auch wenn er sich wünscht, dass verstärkt Jüngere anpacken.

Jesenwang – „Mit dem Gehen und Stehen habe ich ein bisserl Schwierigkeiten“, erzählt Magnus Winkler. Grund ist ein Oberschenkelhalsbruch, den er sich vor einiger Zeit zugezogen hatte. Trotzdem ist der 84-Jährige äußerst rüstig. Und bei der Altpapiersammlung muss er weder gehen noch stehen – sondern nur sitzen. Winkler fährt eines der Fuhrwerke, mit denen das Altpapier eingesammelt wird: einen Traktor mit Kipper-Anhänger.

Zuletzt musste der 84-Jährige Sohn Martin vertreten, der beruflich eingespannt war. „Ich habe meinen Vater gefragt, ob er sich das Fahren für die Altpapiersammlung noch zutraut“, erzählt Martin Winkler. Die Antwort: „Wenn ich beim Traktor nicht dauernd auf- oder absteigen muss, dann ja.“ Und so half der rüstige Senior aus.

Traktorfahren ist sowieso sein Metier. Viele Jahre betrieb er eine Landwirtschaft, die mittlerweile Johannes, der mittlere seiner drei Söhne, übernommen hat. Außerdem war der Senior von 1955 bis 1973 aktives Feuerwehrmitglied. Damals war sein Traktor bei Einsätzen gefragt. Der 84-Jährige erinnert sich in diesem Zusammenhang an ein Feuer Anfang der 1950er-Jahre. „Damals hat es im Wildmoos gebrannt.“ Und es gab Probleme mit der Löschwasserversorgung. Winkler fuhr mit dem Traktor zur Feuerwehr, sammelte Schläuche ein und fuhr damit nach Albertshofen. Von dort wurden die Schläuche verlegt und Löschwasser wurde aus der Maisach mit mehreren Zwischenpumpen zum Einsatzort befördert.

Aktuell ist der Senior mit einem 55-PS-Fendt-Traktor aus dem Jahr 1967 unterwegs. Gekauft hatte er ihn sich fürs Mähdreschen. Sohn Johannes wollte den Traktor nach der Übernahme des Hofs verkaufen. „Aber da bin ich dazwischen gegrätscht“, erzählt Bruder Martin Winkler. Er hat das Fahrzeug erworben. Und so kann es heute noch Dienste bei den Papiersammlungen leisten.

Magnus Winkler, der 30 Jahre lang Ortsobmann des Bauernverbandes in Jesenwang war, ist bescheiden: „Ich will gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen“, sagt er. Für ihn ist wichtig, dass die Feuerwehr durch die Altpapiersammlungen eine Möglichkeit hat, die Vereinskasse zu füllen. „Wegen Corona gibt es ja sonst kaum Einnahmen.“ Deshalb hilft er gerne bei der Sammlung, die seit knapp vier Jahrzehnten eine Institution in Jesenwang ist.

Und so steht er bereit, wenn Not am Mann ist. Wenn um 13 Uhr die Sammlung beginnt, fährt er eines von zwei Fuhrwerken, die sich das Sammelgebiet in der Gemeinde aufteilen. Auch in Pfaffenhofen sammeln die Jesenwanger, obwohl der Ortsteil eine eigene Wehr hat. „Die überlässt uns aber das Altpapier“, sagt Martin Winkler. Rund zwei Stunden war sein Vater zuletzt am Sammeltag im Einsatz. Dabei hatte er drei Helfer an Bord: Auf dem Kipper fuhr Enkel Julian (8) mit, Sohn von Martin Winkler. Er leistete seinem Opa nicht nur Gesellschaft, sondern packte auch mit an: Der Schüler schichtete das verschnürte Altpapier, das ihm zwei weitere Helfer zuwarfen, auf dem Kipper auf.

„Früher habe ich öfter als heute ausgeholfen“, sagt Magnus Winkler. Doch man werde halt nicht jünger. Daher hat er einen Wunsch an die Jesenwanger: „Es wäre schön, wenn sich wieder mehr an der Altpapiersammlung beteiligen und ihre alten Zeitungen und Kataloge rausstellen würden“, sagt er – damit die Kameraden der Feuerwehr etwas einzusammeln haben. Für den 84-Jährigen ist es Ehrensache, auch weiterhin im Notfall mitzuhelfen – jüngere Altpapiereinsammler seien natürlich dennoch erwünscht.

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