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„Jedes Adventsingen hatte seinen Reiz“: Der Jesenwanger Paul Weigl in „seiner“ Willibaldkirche.

Jesenwang

Nach 63 Jahren: Sein letztes Adventsingen

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Wenn heuer das traditionelle Adventsingen in der Jesenwanger Willibaldkirche erklingt, stehen die Zeichen auf Abschied: Organisator Paul Weigl hört auf. Sage und schreibe 63 Jahre lang leitete er die Traditionsveranstaltung.

Jesenwang„Ich hatte den Viergesang, die Stubenmusi und damals auch noch den Landfrauenchor“, erinnert sich der heute 83 Jahre alte frühere Kulturreferent der Gemeinde. Irgendwann sei ihm die Idee gekommen, mit den Gruppierungen etwas Gemeinsames aufzuziehen. Der Gedanke: „Man könnte doch zusammen etwas Mundartliches und Alpenländisches machen“, sagt Weigl. Das war die Geburtsstunde des Adventsingens im Jahr 1956.

Die Willibaldkirche war lange Zeit nicht die Bühne für das Traditionssingen. „Angefangen haben wir zusammen mit der Brucker Metten in der Klosterkirche“, erinnert sich Weigl. Später wechselten die Sänger in den Stadtsaal. Erst seit einigen Jahren bietet die Willibaldkirche die Kulisse für die Veranstaltung des Jesenwangers. Egal wo die Chöre und Musiker auftraten: „Die Singen waren immer gut besucht, die Willibaldkirche ist jedes Jahr voll“, erzählt Weigl. Ein Jahr, das ihm besonders in Erinnerung geblieben ist, gibt es jedoch nicht: „Jedes Adventsingen hatte seinen Reiz.“

Weihnachtsgeschichte in Mundart

Neben diversen Chören und Musikgruppen hat Weigl in das Programm auch eine Kindergruppe integriert. Angeleitet von Tanja Dilger spielen sieben bis acht Kinder die Weihnachtsgeschichte in Mundart nach. Dazu kommen Lesungen von Claus Peter Huber, der den Zuhörern das über 2000 Jahre alte Weihnachtsgeschehen und die darin enthaltene Friedensbotschaft näher bringt.

Weigl kennt Huber aus Etterschlag (Kreis Starnberg), wo er den dortigen Hoagart organisiert. „Wir singen bei ihm, dafür liest er bei uns“, sagt Weigl und schmunzelt.

Insgesamt leitet Weigl zwischen 60 und 70 Mitwirkende beim Adventsingen an. Einer, der seit vielen Jahren immer dabei ist, ist Erwin Fraunhofer senior, zu Beginn mit dem Kirchen-, später mit dem Männerchor. „Ich wirke seit meinem 13. Lebensjahr mit – immer als Tenor“, erzählt der frühere Vizebürgermeister Jesenwangs. Er kennt Weigl als absolut präzisen Chorleiter: „Er nimmt es schon ganz genau, es sind immer sehr intensive Proben.“ Die Lieder wählt der 83-Jährige sorgsam aus, wobei er auch immer wieder ein, zwei neue Werke ins Programm aufnimmt. Dem Anlass entsprechend sind es adventliche und weihnachtliche Lieder, „aber nicht nur die Geläufigen“, sagt Fraunhofer.

„Er kennt einfach vieles“, sagt Fraunhofer. Was den Chorleiter besonders auszeichnet, sei seine Kreativität, mit der er die Konzerte vorbereitet. „Wenn mal was nicht so recht passen will, dann schreibt er auch mal die Melodie oder den Text um“, berichtet Fraunhofer.

Heuer gibt Paul Weigl zum letzten Mal den Takt beim Adventsingen vor. „Ich bin mit meinen 83 Jahren ja nicht mehr der Jüngste.“ Er will kürzertreten – allerdings nicht, ohne das Traditionssingen in gute Hände zu geben. Derzeit müht sich Weigl um die Nachfolge. „Es ist schon jemand in Aussicht“, sagt der Jesenwanger.

Das Adventsingen

findet am Sonntag, 15. Dezember, ab 16 Uhr in der Willibaldkirche statt. Einlass ist ab 15.30 Uhr. Mitwirkende sind der Kirchen-, Frauen- und Männerchor, der Jesenwanger Viergesang, die Jesenwanger Stubenmusi und ein Bläserquartett. Lesungen von Claus Peter Huber runden das Programm ab. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten.

Fünf seiner liebsten Lieder für die Advents- und Weihnachtszeit

1. Rorate: Rorate-Messen gehören zum festen Brauchtum im Advent. Diese besonderen Gottesdienste werden meist früh morgens und meist nur bei Kerzenschein gefeiert. Paul Weigl: „Es ist ein wunderschönes Verkündigungslied, aus dem hervorgeht, dass die Ankunft Gottes bevorsteht.“ 

2. O Wunder, was will dies bedeuten: Dieses Hirtenlied aus der Leipziger Sammlung „Volksthümliche Weihnachtslieder“ aus dem Jahr 1884 wurde in den 1950er-Jahren wieder bekannt. Für Weigl ist es eines der schönsten Lieder, das die Geburt Jesu verkündet. 

3. Der Andachtsjodler: Der Jodler stammt aus Südtirol und soll dem Volkskundler Friedrich Haider zufolge Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Weigl fasziniert daran vor allem die Melodie: „Der schöne Jodler ist sehr getragen und passt damit gut in die Weihnachtszeit.“ 

4. Auf, auf, ihr Hirten in dem Feld: Dieses Adventslied stammt aus Kärnten, über seinen Ursprung ist wenig bekannt. Weigl sagt dazu: „Es ist ein wunderschönes Lied, das vom Zug der Hirten nach Bethlehem erzählt.“ 

5. Dass Gott in unser Dunkel kimmt: Das Mundartlied ist vor allem wegen seiner Textbotschaft aus Weigls Repertoire nicht mehr wegzudenken. „Das Lied soll trösten“, sagt der Jesenwanger. „Mir gefällt besonders die Friedensbotschaft, die in dem Text steckt.“

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