Josef Hörhager ist traurig: Bei einem Unfall hat das fast 50 Jahre alte Auto wirtschaftlichen Totalschaden erlitten. Eine Reparatur lohnt sich nicht mehr.
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Josef Hörhager ist traurig: Bei einem Unfall hat das fast 50 Jahre alte Auto wirtschaftlichen Totalschaden erlitten. Eine Reparatur lohnt sich nicht mehr.
Wichtiges Utensil: Die Tragkraftspritze wird gebraucht, wenn das Auto nicht mehr weiterkommt.
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Wichtiges Utensil: Die Tragkraftspritze wird gebraucht, wenn das Auto nicht mehr weiterkommt.
Muss im Spritzenhaus bleiben: der Benz LF408 G
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Muss im Spritzenhaus bleiben: der Benz LF408 G
Für harte Kerle: Die Bank im Oldtimer ist aus Holz. Sicherheitsgurte gibt es nicht.
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Für harte Kerle: Die Bank im Oldtimer ist aus Holz. Sicherheitsgurte gibt es nicht.
Nachgerüstet: In der einfach ausgestatteten Fahrerkabine gibt es sogar Digitalfunk.
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Nachgerüstet: In der einfach ausgestatteten Fahrerkabine gibt es sogar Digitalfunk.

Ein Jahr vor dem 50. Geburtstag des Oldtimers

Plötzliches Aus für Feuerwehr-Oldtimer

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Das vielleicht älteste Feuerwehrfahrzeug in der Region wurde außer Dienst gestellt – unfreiwillig. Ein Kolonnenspringer hat dem Löschfahrzeug-Veteran den Garaus gemacht.

Jesenwang Josef Hörhager ist geknickt. Eine riesige Delle in der Tür und ein kaputter Tank erinnern an den Unfall, den der Feuerwehrmann im Gemeinderat, dem er als Mitglied der Einigkeit-Fraktion auch angehört, wie folgt schilderte: „Wir waren gerade auf dem Weg zu einem Einsatz, als der Fahrer per Funk zu einem anderen Einsatzort geschickt wurde.“ Der Mann am Lenker wendete das Löschfahrzeug der Marke Benz LF 408 G laut Hörhager ordnungsgemäß mit Blaulicht und Martinshorn.

Die Jesenwanger kauften den Benz 1997 für damals 800 Mark

Dann passierte es. „Ein Kolonnenspringer hat in diesem Moment mehrere Autos überholt und ist dann dem Feuerwehrfahrzeug in die Seite gefahren“, erzählt Hörhager. Was ihn besonders ärgert: Im kommenden Jahr wäre das Auto 50 Jahre alt geworden. „Es war das einzige noch aktive Fahrzeug im Landkreis, das so alt ist.“ Eine Reparatur sei für einen Bastler vielleicht noch möglich. Die Kosten würden den Wert des Autos aber bei weitem übersteigen – wirtschaftlicher Totalschaden eben.

Am 7. August 1968 wurde das Fahrzeug erstmals zugelassen. Es war aber nicht von Anfang an bei der Jesenwanger Wehr im Einsatz. Die Gemeinde kaufte das Auto für ihre Einsatzkräfte am 25. April 1997 von der Aicher Wehr – „für damals 800 Mark“, erinnert sich Hörhager. Und Kommandant Werner Peschke ergänzt: „Eigentlich war es damals nur als Übergangslösung gedacht.“

„Wenn wir jetzt nur mit einem Auto raus fahren, dann fehlt etwas.“

Doch dann kam es wie so oft ganz anders. 20 Jahre lang hegten und pflegten die Jesenwanger ihren Oldie und steckten viel Arbeit rein. „Er war noch gut in Schuss und hat immer gute Dienste geleistet“, sagt Peschke.

Der noch mit Holzbänken ausgestattete Oldtimer ohne Sicherheitsgurte wurde im Laufe der Jahre umgebaut, bekam alles Nötige für die Atemschutzausrüstung und wurde zuletzt auch mit Digitalfunk ausgestattet. „Da steckt viel Herzblut drin“, sagt Peschke. Selbst als die Jesenwanger Wehr ein neues, größeres und moderneres Fahrzeug bekam, blieb der Oldie, der für einen kompletten Löschtrupp ausgerüstet ist, weiter im Einsatz. Meistens rückten die Jesenwanger Kameraden mit beiden Fahrzeugen aus – bis zum Unfall.

„Wenn wir jetzt nur mit einem Auto raus fahren, dann fehlt etwas“, gesteht Peschke. Dass der Oldtimer bis zuletzt zum Teil sogar bessere Dienste leistete, als das neue Fahrzeug, liegt an einer besonderen Ausstattung: einer Tragkraftspritze. Die konnten vier Einsatzkräfte aus dem Heck des Fahrzeugs holen und zum Einsatzort tragen.

Gesucht wird jemand, der den Feuerwehr-Oldtimer kaufen will 

„Damit sind wir an Stellen hingekommen, die wir mit dem großen Fahrzeug gar nicht erreichen können“, berichtet Peschke. Damit das auch künftig wieder möglich ist, sucht die Wehr nun einen kostengünstigen Ersatz. „Ein LF 8 oder LF 8/6 TS soll es sein.“ Vor allem der Zusatz TS sei wichtig, der steht nämlich für die Tragkraftspritze.

Bis zu 25 000 Euro darf das neue Fahrzeug kosten. Diese Obergrenze hat der Jesenwanger Gemeinderat beschlossen. Bitter: Die benachbarte Landsberieder Wehr hatte erst vor kurzem ein passendes Fahrzeug verkauft. Doch das hat bereits einen anderen Besitzer gefunden. Der derzeit noch im Jesenwanger Feuerwehrhaus geparkte Oldie soll trotz des Schadens aber nicht verschrottet werden.

Für ihn sucht die Gemeinde einen Käufer. „Noch läuft der Versicherungsfall“, sagt Bürgermeister Erwin Fraunhofer (CSU). Sobald dieser abgeschlossen ist, will man einen Käufer suchen – etwa einen Sammler, der sich die Reparatur noch etwas kosten lassen will. Dann ist der Oldtimer zumindest im aktiven Dienst in Jesenwang endgültig Geschichte. Peschke: „Da blutet einem das Herz.“

Das Blaulicht der Feuerwehr zählt oft nicht mehr

Das Verhalten vieler Autofahrer kritisierte Josef Hörhager im Zusammenhang mit dem Unfall im Jesenwanger Gemeinderat. „Das Blaulicht zählt bei den meisten heute nichts mehr“, sagte er frustriert.

Bei Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn werde man auf der Landstraße oft noch überholt. Auch Absperrungen durch die Feuerwehr würden nicht mehr ernst genommen.

Im Gegenteil: „Oft wird man auch noch dumm angeredet, warum man hier jetzt die Straße absperrt.“ Sogar von Autofahrern, die Sperren ignorieren und einfach weiterfahren, berichtete der Feuerwehrmann.

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