Einen Geschenkkorb brachte Bürgermeister Erwin Fraunhofer mit, als er Paul und Maria Weigl zur Diamantenen Hochzeit gratulierte.
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Einen Geschenkkorb brachte Bürgermeister Erwin Fraunhofer mit, als er Paul und Maria Weigl zur Diamantenen Hochzeit gratulierte.

Jesenwang

Sechs Jahrzehnte verheiratet: Die Kultur brachte sie zusammen

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Sie spielte Theater, er ist ein kulturelles Multitalent. Es hätte wohl keine bessere Möglichkeit geben können, bei der sich Maria (83) und Paul Weigl (84) hätten kennenlernen können, als eine Theaterprobe. Das war vor etwas mehr als 60 Jahren. Nun feierte das Paar Diamantene Hochzeit.

Jesenwang – Der Keim der Liebe wurde im Jesenwanger Gemeinschaftshaus gelegt. Dort fand eine Theaterprobe statt. „Meine Frau hat dort auf der Bühne gestanden, ich war dabei, weil in dem Stück auch ein paar Lieder vorgesehen waren“, erzählt Paul Weigl, langjähriger Gemeinderat und Kulturreferent von Jesenwang. An diesem Abend kamen die beiden ins Gespräch und machten sich anschließend gemeinsam auf den Heimweg. „Ganz harmlos“, wie Maria Weigl betont. Ihr Mann Paul lacht und ergänzt scherzend: „Ich bin natürlich nicht gleich über sie hergefallen.“ Aber immerhin, so Maria Weigl: „Es gibt einfach so Treffen, bei denen man was spürt.“

Ein solches war es an diesem Abend, denn daraus hat sich die große Liebe entwickelt, die nun schon seit 60 Jahren in einer Ehe hält. Und bis zum Heiratsantrag dauerte es auch gar nicht lange. „Zwei, drei Jahre?“ sagt Paul Weigl und schaut seine Frau an. Die überlegt kurz – und nimmt den goldenen Mittelweg: „Es waren zweieinhalb Jahre.“ Manchmal müsse sie kurz überlegen, sagt sie. „Aber dann kommen die Erinnerungen schon wieder.“

Geheiratet hat das Paar vor 60 Jahren.

Erinnerungen hat das Paar einige zu teilen. Die meisten haben irgendwie mit Kultur zu tun. Dass der in Moorenweis geborene Paul Weigl nach Jesenwang kam, lag an einer Stellenausschreibung. Gesucht wurde ein Lehrer, der auch gleichzeitig als Kirchenmusiker fungieren konnte. Paul Weigl ist bis heute begeisterter Chorleiter und Organist – und Lehrer. Eine Stelle wie geschaffen für ihn.

Und so war der Weg frei, um im neuen Heimatdorf seine Maria kennen und lieben zu lernen. Vielleicht wäre es mit der Hochzeit sogar noch schneller gegangen als zweieinhalb Jahre nach dem Kennenlernen. „Aber ich wollte erst meine Prüfung fürs Lehramt fertig haben. Und dann haben wir geheiratet“, sagt Paul Weigl.

Nicht nur wegen seiner Tätigkeit als Chorleiter und Organist spielte die Kultur bei den Weigls immer eine große Rolle. Unter anderem gründete er beim Ammersee-Amper-Sängerkreis ein Chorprojekt oder brachte gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Eduard Huber zwei Liederbücher in die Kindergärten des Landkreises.

Maria Weigl begleitete ihren Mann bei seinen kulturellen Tätigkeiten, wo immer es möglich war. Ansonsten erfüllte sie die Rolle als Hausfrau und Mutter. Zwei Söhne und eine Tochter hat das Paar. Und inzwischen auch zehn Enkelkinder. An Arbeit zuhause mangelte es Maria also nicht. „Mein Mann war viel unterwegs“, erzählt sie. Und schiebt lachend hinterher: „Aber er kam immer wieder zurück.“ Dass er von seiner Frau gut versorgt wird, darauf kann sich Paul Weigl seit jeher verlassen. Seine Frau habe die Hauswirtschaftsschule besucht. „Darum kann sie auch so gut kochen.“

Heute noch leitet Paul Weigl einen 37-köpfigen Chor und spielt außerdem auch Orgel. „Ich mach’s einfach gerne“, sagt er. Und Maria Weigl meint: „Ein bissl Beschäftigung braucht er. Nur Zeitung und Fernsehen, das reicht nicht.“

Nach dem Rezept für ihre lange Ehe gefragt, sagt Paul Weigl: „Es gibt immer mal Dinge, bei denen man nicht einer Meinung ist, aber dann muss man halt darüber sprechen.“ Und sich einigen. Das gelingt Maria und Paul Weigl nun schon seit 60 Jahren.

Richtig gefeiert wird erst am 11. September – am 85. Geburtstag von Paul Weigl. „Wir feiern das immer zusammen“, sagt der Jesenwanger.

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