Jubiläum in Jesenwang

Seit 70 Jahren ein Zuhause für Senioren

Das Seniorenheim Jesenwang feiert am Samstag sein 70-jähriges Bestehen. Die Einrichtung hat eine bewegte Geschichte, deren Ursprung die Brücke zur heutigen Zeit schlägt: Das Haus hat einst als Heim für Flüchtlinge begonnen.

Jesenwang Entspannt sitzt Franziska Dreßler auf der Terrasse ihrer Wohnung im Seniorenheim. Die 89-Jährige lebt seit April 2013 hier. Ursprünglich stammt sie aus Mühldorf am Inn. Nach Jesenwang kam sie, „weil ich meinen Kindern näher sein wollte“, wie sie erzählt. Dabei lässt sie den Blick über ihre Terrasse schweifen. Dort stehen viele Blumenkübel, aus denen bunte Blüten sprießen. „Ich hatte früher auch einen großen Garten“, sagt sie.

Dass sie ihre Veranda nach diesem Vorbild gestaltet, ist für Heimleiter Thorsten Kopplin kein Problem – ganz im Gegenteil. „Unsere Bewohner dürfen ihre Wohnungen natürlich individuell gestalten, schließlich soll es ein echtes Zuhause sein“, sagt er. 108 Senioren leben heute in dem Heim am Buchenweg. Mehr als 80 Mitarbeiter kümmern sich um sie.

Die Anfänge vor sieben Jahrzehnten sahen freilich deutlich bescheidener aus. Der Ursprung des Heims geht sogar bis in die Jahre 1922 und 1923 zurück. Damals errichtete Johann Winkler ein Wohnhaus. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude von den Nazis erworben und als Reichsarbeitslager für sogenannte landwirtschaftliche Arbeitsmaiden genutzt.

1947 schließlich begann die Geschichte des eigentlichen Seniorenheims. In diesem Jahr nämlich hatte der Landkreis Fürstenfeldbruck das Haus übernommen und für Menschen umgebaut, die aus ihrer ostdeutschen Heimat geflüchtet waren. Das Inventar des „Altersheims für Flüchtlinge“, wie es in der Chronik heißt, waren damals 50 Betten und zwei Herde.

In den 1960er- und 1970er-Jahren lebten im Kreisaltenheim durchschnittlich vierzig ältere Menschen. Doch dabei blieb es nicht. Schon Mitte der 1970er-Jahre stieg der Bedarf. Ein Neubau musste her. Das alte Haus wurde zu einem Personalwohnheim umgebaut. Auf einem Nachbargrundstück entstand das neue Gebäude.

Der Start im Jahr 1987 war mit Nebengeräuschen verbunden. „So ein Riesenkasten“, schimpften die Anwohner damals. Und: „So ein Monster.“ Doch schon damals konnte man die Bürger mit einer Taktik besänftigen, die das Seniorenheim noch heute verfolgt: Es öffnet sich nach außen. „Wir sind bei vielen Festen in der Gemeinde eingebunden“, sagt Kopplin, der die Heimleitung 2012 übernommen hat, nachdem er zuvor sieben Jahre lang Stellvertreter war.

Unter anderem beteiligt sich das Seniorenheim beim gemeindlichen Weinfest und hat immer einen Wagen beim Willibaldritt am Start. Beim Sonntagscafé dürfen sich auch Besucher gegen einen geringen Obolus Kaffee und Kuchen schmecken lassen. Das von Ehrenamtlichen organisierte Weißwurstfrühstück einmal im Monat ist ebenfalls nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Angehörigen angerichtet.

Organisatorisch kann Kopplin auf die Kreisklinik bauen, an die das Heim angeschlossen ist. Die Mahlzeiten kommen von dort, und auch die Haustechniker stehen für Reparaturen in Jesenwang zur Verfügung. „Wir sind praktisch ein Unternehmen“, sagt der Heimleiter über seine Einrichtung und die Klinik.

Daneben sorgen auch ehrenamtliche Helfer dafür, dass sich die Senioren zuhause fühlen können. Hier ist vor allem die Gruppe „Farbtupfer“ hervorzuheben, die unter anderem mit Veranstaltungen und Ausflügen für Abwechslung im Alltag der Senioren sorgen. Dafür wurden die „Farbtupfer“ 2001 sogar mit dem dritten Preis beim Wettbewerb „Nicht allein im Pflegeheim“ vom Sozialministerium ausgezeichnet. (ad)

Die Jubiläumsfeier

am Samstag, 22. Juli, beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst vor dem Seniorenheim, bei Regen im Inneren. Um 11 Uhr folgen die Festreden, ab 12 Uhr gibt es Mittagessen. Alleinunterhalter Walter Vida sorgt für Stimmung. Hauptpreis bei einem Quiz ist ein Rundflug über Jesenwang. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen.

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