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Keramik der Chamer Kultur: In Bayern gibt es bisher nur zwei Grabungsstätten.

Archäologie

Sensationsfunde bei Jesenwang: Bald wird gegraben

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Schon vor mehr als 7500 Jahren war die Gegend um Jesenwang besiedelt. Das belegen archäologische Funde. Der Historische Verein Fürstenfeldbruck (HFV) wird im August Grabungen vornehmen, um dort eine bislang nur kaum erforschte Kultur zu untersuchen.

Jesenwang – Seit 2001 hat Roswitha Spohd vom (HVF) immer wieder Funde in Jesenwang gemacht. Im Fokus steht dabei ein Acker am westlichen Ortsrand. Als kleine archäologische Sensation gelten vor allem Funde, die zur sogenannten Chamer Kultur gehören – benannt nach dem ersten Fundort im oberpfälzischen Cham. Laut Kreisheimatpfleger Markus Wild ist das eine der am schlechtesten erforschten Kulturen in Bayern. Lediglich zwei Grabungsergebnisse liegen vor.

Die geplanten Grabungen auf der Suche nach der Chamer Kultur

Ein drittes wird nun in Jesenwang dazu kommen. Bei einem Vortrag vor 50 Zuhörern im coronabedingt damit voll besetzten Gemeinschaftshaus sprach Wild nun über die archäologische Bedeutung Jesenwangs und die geplanten Grabungen vom 8. bis 16. August. Bürgermeister Erwin Fraunhofer zeigte sich beeindruckt: „Man glaubt nicht, was Jesenwang für Schätze verborgen hält.“ Archäologische Funde im Bereich des Wildmooses bei Jesenwang reichen bis in die Zeit des Mesolithikums, die sogenannte Mittelsteinzeit, zurück und datieren bis um 8000 vor Christus.

Besiedelung auch durch die Römer

Dass die Region überhaupt besiedelt wurde, ist laut Wild zwei Eiszeiten zu verdanken. Denn zwischen den Moränen der Ries- und der Würm-Eiszeit ist das Wildmoos mit seinen feuchten Böden entstanden. Zudem hätten sich Lössböden gebildet. „Das ist mit der wichtigste Boden für frühe Landwirtschaft“, sagte Wild. So fanden die hauptsächlich in Niederbayern lebenden Menschen der Chamer Kultur offenbar den Weg bis nach Jesenwang, das zu den westlichsten Fundorten für diese Kultur zählt.

Aus der Laténezeit stammen diese Glasperlen, die bei Jesenwang gefunden wurden

Das erkannten offenbar auch spätere Kulturen. Neben einer Siedlung aus der Jungsteinzeit (circa 5500 bis 2000 vor Christus), der Chamer Kultur und der Laténezeit (um 300 vor Christus) ist auch eine römische Kultur nachgewiesen. Das überrascht angesichts der Nähe der Römerstraße von Augsburg nach Salzburg zunächst nicht. Ein Bronze-Armreif, den Spohd gefunden hat, verweist laut Wild aber auf eine Besonderheit.

„Er gehört in den Kontext der sogenannten Heimstettener Gruppe“, sagt der selbst archäologisch tätige Kreisheimatpfleger. Diese Gruppe ist ebenfalls nach ihrem Erstfundort benannt und lediglich für die Zeit etwa um 30 bis 60 nach Christus nachgewiesen. Die Besonderheit laut Wild: „Die Heimstettener Gruppe hat ihre Toten entgegen der römischen Grabsitte unverbrannt bestattet.“ Außerdem habe sie sich in Kleidung und Schmuck von der restlichen römischen Bevölkerung abgegrenzt.

Ein Grab wurde angeackert

Laut Wild wird vermutet, dass der Armreif zum Vorschein kam, weil ein Grab angeackert wurde. Weitere archäologische Spuren traten durch Luftbilder und eine geomagnetische Vermessung zu Tage. Es lassen sich zahlreiche Siedlungsspuren wie Pfostengruben von Holzhäusern erkennen.

Weil die Fundstelle durch eine Hanglage von Erosion bedroht ist, darf der HVF jetzt dort graben und sich die Spuren näher ansehen. Unter der Leitung von Fritz Aneder werden die Archäologen des Vereins vom 8. bis 16. August drei Stellen freilegen. Die Arbeit wird mühsam werden, denn die Mitglieder des HVF werden den Boden komplett händisch abtragen, wie die Vorsitzende Anna Ulrike Bergheim erläuterte.

An einem Infostand vor Ort werden interessierte Bürger alles über den Grabungsfortschritt erfahren können. Je nachdem, was gefunden wird, könnte sich Bergheims Ankündigung bewahrheiten: „Ich habe schon vor einiger Zeit Bürgermeister Fraunhofer versprochen, dass wir Jesenwang berühmt machen werden.“

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