Bei der Veranstaltung der Windkraftgegner im Juni war der Begriff Bürgeranlage kritisiert worden.
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Bei der Veranstaltung der Windkraftgegner im Juni war der Begriff Bürgeranlage kritisiert worden.

Betreiber-Genossenschaft informiert Interessenten

So können sich Bürger am geplanten Windrad beteiligen

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Ob das geplante Windrad südlich von Jesenwang jemals gebaut werden kann, müssen noch zahlreiche Gutachten klären. Eines hat die Freisinger Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG), die die Anlage bauen will, aber schon angekündigt:

Jesenwang – Sollte es grünes Licht geben, wird das Windrad eine Bürgeranlage, an der sich nicht nur die Jesenwanger beteiligen können.

Bei einer Veranstaltung der Windkraft-Gegner im Juni war der Begriff Bürgeranlage kritisiert worden, da das Windrad von einer Freisinger Genossenschaft gebaut würde. Wer sich am Jesenwanger Rad beteiligen will, muss in der Tat Mitglied bei der Genossenschaft werden. Dann aber kann man sich gezielt in das Projekt einbringen. Möglich wird dies laut Andreas Henze von der BEG im Rahmen der Finanzierung der Anlage.

Einen Teil der bislang noch nicht bekannten Kosten – ein Kaufvertrag für das Windrad wird laut Henze erst geschlossen, wenn die Baugenehmigung vorliegt – wird aus dem Eigenkapital der BEG aufgebracht. Außerdem soll ein Darlehen von der Bank fließen. „Damit die Bank das Geld gibt, brauchen wir eine gewisse Eigenkapital-Quote“, erklärte Henze jetzt bei einer Infoveranstaltung der BEG.

Hier kommen nun die Bürger ins Spiel. Sie können so genannte Nachrang-Darlehen an die BEG vergeben. Diese sind wie ein gewöhnliches Darlehen konstruiert, unterscheiden sich davon aber im Falle einer Insolvenz. Nachrang-Darlehen werden dann erst nach allen anderen Forderungen bedient. „Daher werden Sie von der Bank bei der Vergabe von Darlehen wie Eigenkapital angesehen“, erklärte Henze.

Nachbar-Orte werden einbezogen

In diesem Zusammenhang verschwieg der BEG-Vertreter auch nicht das Risiko, das die Bürger bei einer etwaigen Beteiligung eingehen würden: „Das Geld wäre bei einer Insolvenz weg.“ Die BEG stehe derzeit aber so gut da, dass davon nicht auszugehen sei, betonte das Vorstandsmitglied der Genossenschaft.

Die Nachrang-Darlehen können die Bürger in unterschiedlicher Höhe geben und werden fest verzinst. Nicht nur für Jesenwanger soll diese Möglichkeit bestehen. „Bei dieser Anlage wird die Beteiligung auch allen Bürgern der angrenzenden Gemeinden vorrangig angeboten“, sagte Henze – also auch den Moorenweisern, Kottgeiseringern und Grafrathern.

Wer sich an der Windkraftanlage beteiligt, bekommt zudem die Möglichkeit, Strom direkt aus dem Windrad zu erhalten – und zwar zu vergünstigten Tarifen. Dieser so genannte Bürgerstrom habe sich bereits in vielen Projekten bewährt, da es die Bürger finanziell teilhaben lasse, heißt es in einem Prospekt der BEG.

Das Verfahren läuft

Ehe das Beteiligungsverfahren aber gestartet werden kann, muss erst einmal geklärt werden, ob das Rad überhaupt errichtet werden darf. Aktuell läuft noch immer das Vorbescheidsverfahren, in dessen Rahmen auch noch einmal geprüft wird, ob der Standort auch tatsächlich die 10H-Regelung einhält. Diese besagt, dass das Rad mindestens das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein muss. Bei der knapp 200 Meter hohen Anlage wären das in diesem Falle knapp zwei Kilometer.

Anschließend sind noch zahlreiche weitere Gutachten nötig, darunter auch die sogenannte spezielle artenschutzrechtliche Prüfung. Diese alleine wird wohl mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Und nicht zuletzt ist damit zu rechnen, dass die Windkraftgegner eine Klage gegen das Projekt anstreben werden.

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