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Josef Schmid hat ein ungewöhnliches Hobby.

Das Tagblatt fragt nach

Was macht Zinngießen so faszinierend?

Jesenwang – Am Silvestertag gießen Menschen geschmolzenes Metall in eine Wasserschale, um in die Zukunft zu sehen. Josef Schmid hantiert das ganze Jahr über mit diesem Material – nicht weil er etwas erfahren, sondern weil er etwas erschaffen will.

Es ist eine ganz spezielle Leidenschaft, der Josef Schmid seit mittlerweile 30 Jahren nachgeht: Er stellt Zinnfiguren her. Unzählige kleine Kunstwerke hat der 66-Jährige in Eigenarbeit gegossen – und auch die dazu passenden Kulissen gefertigt. Ein besonderes Highlight ist die Szenerie, die den bekannten Willibald-Ritt nachstellt, der jedes Jahr in seiner Heimatgemeinde ausgerichtet wird.

Wer die schmalen Stufen in den Speicher von Josef Schmid erklommen hat, dem bietet sich ein nicht alltägliches Bild. Auf einer Fläche von drei auf zwei Metern stehen sich österreichische, preußische und russische Zinnsoldaten auf dem Schlachtfeld sowie auf einer Brücke gegenüber. Im Hintergrund ist eine Burg zu sehen, an deren Eingangsbereich eine Fahne mit den Ortsfarben von Jesenwang hängt.

All das ist das Werk von Josef Schmid. Schon als Kind ist er mit Zinnfiguren in Kontakt gekommen, nachdem ihm seine Tante fünf kleine Soldaten geschenkt hatte. Ende der Siebzigerjahre legte Schmid sich dann sein erstes Zinngieß-Set zu. Das Zinngießen im größeren Stil entdeckte er für sich, als er die Plassenburg im oberfränkischen Kulmbach besuchte.

Dort ist das größte Zinnfigurenmuseum der Welt. „Ich dachte mir: sowas muss ich auch bauen“, erinnert sich der gelernte Maurer, der später bei der Berufsfeuerwehr war. Gesagt, getan. Wie viele Stunden und Tage er seitdem in seiner Werkstatt verbracht hat, weiß er nicht mehr, aber: „Es ist unbezahlbar, was ich da Zeit reingehängt habe.“

Allein die Fertigung eines einzigen Soldaten, vom Zinnguss in eine Aluminium-Form bis hin zum Entgraten, nehme eine halbe Stunde in Anspruch, so Schmid. Ein in seiner Herstellung aufwendigeres Gespann hat den Hobbykünstler auch schon mal zwei Tage gekostet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Zinn in der Form nicht immer wie gewünscht ausläuft. „Dann muss es wieder eingeschmolzen werden.“

Dazu kommt anschließend noch die detaillierte Bemalung der kleinen Figuren mit Modellbaufarben. Noch zeitaufwendiger waren aber die Figuren, bei denen Schmid auf vorgefertigte Formen verzichtete, sich stattdessen selbst welche aus Sperrholz baute, diese mit Formsand befüllte und nach dem Gießen verlötete. Die Kutschen, die in der Inszenierung des Willibald-Ritts Richtung Willibaldkirche fahren, sowie den Willibald-Wagen stellte er beispielsweise auf diese Weise her. Umso verständlicher ist es daher, dass der 66-Jährige mittlerweile kürzer tritt, was das Zinngießen betrifft. Doch als er neulich beim örtlichen Weihnachtsmarkt seine mit Liebe zum Detail gestalteten und bemalten Zinnarbeiten ausstellte, seien die Reaktionen ausschließlich positiv gewesen, so Schmid. „Unserem Wirt habe ich damals zum 50. Geburtstag ein Brauerei-Gespann geschenkt. Der schwärmt heute noch davon.“ Trotzdem habe er nie daran gedacht, seine Zinnfiguren zu verkaufen. Was später einmal aus seinen Figuren - darunter nicht weniger als 130 Rösser - wird, wisse er nicht. „Eventuell stelle ich sie einem Museum zur Verfügung.“

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