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Kunstwerke: Aus manchen Eiern hat sie Teile herausgeschnitten und sie dann wie kleine Türchen mit Scharnieren wieder an der Schale befestigt.

Porträt 

Wie aus Straußeneiern Kunstwerke entstehen

Der Strauß legt die größten Eier der Welt: Sie sind etwa 15 Zentimeter lang und die Schale ist sehr dick – ideal für die Osterbastelei von Ingrid Probst aus Jesenwang.

Lampen aus Straußeneiern: Mit einem Diamantbohrer hat Ingrid Probst winzige Löcher in die Schale gebohrt.

Jesenwang – Die Lampe sieht nicht nur aus wie ein Ei, die Lampe besteht aus einem Ei – aus einem echten Straußenei. Mit viel Fingerspitzengefühl und einem Diamantbohrer hat Ingrid Probst winzige Löcher in die Schale gebohrt. Zusammen ergeben die Löcher ein Schmetterlings- und Blumenmuster, das deutlich hervortritt, wenn man die Lampe einschaltet. Abgesehen von den winzigen Leuchtpunkten fällt das Licht weich und diffus durch die Eierschale.

Die Lampe ist eins von Ingrid Probsts kleinen Kunstwerken – eine der kreativen Ideen, die ihr scheinbar nur so zufliegen. Manchmal sieht sie Dinge auf Kunsthandwerkermärkten und denkt sich: Das müsstest du eigentlich auch können. Probiert’s und stellt meistens fest, dass sie es tatsächlich kann.

20 Euro kostet ein Rohling

„Mir ist noch nie ein Ei kaputt gegangen“, sagt die 71-jährige Ingrid Probst.

Jemand hat ihr mal prophezeit, dass ihr bei den ersten Gehversuchen in Sachen Eier-Kunst etliche Exemplare zerbrechen würden. Von wegen. „Mir ist noch nie ein Ei kaputt gegangen“, sagt die 71-Jährige.

Das ist auch gut, denn Straußeneier sind teuer. Knapp 20 Euro kann man pro Stück loswerden. Günstiger konnte sich Ingrid Probst bei der Straußenfarm in Landsberied versorgen, doch die gibt es nicht mehr. Neulich hat ihre Enkelin ihr zwei Eier von einem Studientrip nach Südafrika mitgebracht. Dort kosten sie nur sieben Euro.

In den Schränken und auf dem Fensterbrett im Wohnzimmer der Rentnerin in Jesenwang stehen ihre ovalen Kunstwerke dicht an dicht – Straußen-, Nandu- und Gänseeier, die mit Glitzerperlen oder Gardinenstoff beklebt sind, mit Ikonen bemalt oder mit Seidenbildern verziert. Aus manchen Eiern hat sie Teile herausgeschnitten und sie dann wie kleine Türchen mit Scharnieren wieder an der Schale befestigt. In einem solchen Ei sitzt eine kleine Elfe. „Ich bin ein Elfen-Fan.“

Die künstlerische Ader liegt bei ihr in der Familie. Der Vater hat gemalt, der Bruder arbeitet mit Holz. Ingrid Probst hatte als Ausgleich zu ihrem Job als Verkäuferin Spaß an Seidenmalerei und am Töpfern. Beides hat sie zurückgestellt, seit sie vor vier Jahren beim Ostermarkt in Bad Wörishofen auf das Ei als Kunstobjekt aufmerksam wurde. Neulich hat sie wieder etwas Neues gesehen – Schmuckstücke aus Eierschalen. Und schon liegen auf ihrem Arbeitstisch die ersten Probestücke. Schwarz bemalte und lackierte Eierscherben, die sie noch verzieren will. Schöne Broschen und Anhänger werden sie abgeben.

Arbeiten wie ein Zahnarzt

Beim Auseinanderschneiden der Schale kann es recht staubig zugehen. Dann trägt die Hobby-Künstlerin einen Mundschutz. Manche Schalen verströmen einen eigentümlichen Geruch und müssen über Nacht eingeweicht werden, damit sich Reste von Eiweiß lösen können.

Ran an das Ei geht es mit schwerem Gerät.

In Ingrid Probsts Werkzeugkasten liegen winzige Schleifer und Diamantschneider, sogar einen Zahnarztbohrer hat sie mal geschenkt bekommen. Damit kann man die Ränder zerschnittener Schalen wunderbar abschleifen.

Was die Vermarktung ihrer Kunstwerke betrifft, ist Ingrid Probst nicht allzu aktiv. Manchmal hat sie einen Stand auf einem Künstlermarkt. Einiges hat sie zu Ostern im Brucker Laden „Marktplatz für Kreatives“ ausgestellt. Dort können Künstler ein Regalfach mieten und Werke präsentieren.

Aber mit dem Verkaufen ihrer Kunst ist das so eine Sache. Die vielen Stunden, die Ingrid Probst in ihre Arbeiten steckt, können sich in den Preisen nicht niederschlagen – das würde viel zu teuer. Was soll’s. Die Freude, die die Rentnerin an ihrer Kreativität hat, ist unbezahlbar. „Ich habe selber nicht gewusst, dass ich so begabt bin“, sagt sie und lacht.

von Ulrike Osman

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