Kritik an der 10-H-Regel

Jetzt drehen sich beide Windräder offiziell

Malching - Das zweite große Windrad der Region dürfte zumindest vorerst auch das letzte bleiben  - dank Seehofers 10-H-Regel.

Bei der offiziellen Einweihung der Malchinger Anlage am Donnerstag Vormittag kam so auch deutliche Kritik an an der 10-H-Regel auf, die neulich vor Gericht bestätigt wurde und die weitere Anlagen praktisch unmöglich macht.

Stadtwerkechef Steffens (Mitte) mit Pastor Monninger und Pfarrer Palliparambil.

Das Malchinger Rad als Zwilling der zuvor schon errichten Mammendorfer Anlage erzeugt seit Oktober 2015 Strom. Bisher sei man mit den Produktionszahlen sehr zufrieden, sagte Enno Steffens von den Brucker Stadtwerken gestern bei einer Feier direkt unterm Rad. Jährlich soll es 6000 Megawattstunden sauberen Strom erzeugen. Die Anlage (Enercon 101) ist 186 Meter hoch, die Rotorblätter haben einen Durchmesser von 101 Metern. Der Abstand bis zum Malchinger Weiler Galgen beträgt 1200 Meter. Dass Seehofers 10-H-Regel, die Abstände von 2000 Metern zur Wohnbebauung fordert, vor Gericht durchkam, habe ihn enttäuscht, sagte Enno Steffens . Diese Regel brauche es nicht, schließlich gebe es Landratsämter und Kommunen, die über Genehmigungen befinden können. Wenn es weiter Ziel des Brucker Landkreises bleibe, bis zum Jahr 2030 energieautark zu sein, dann müssten neben dem Ausbau der Solarenergie 19 weitere Windräder gebaut werden, rechnete Steffens vor. Mit der 10-Regel sei das aber ausgeschlossen.

Maisachs Bürgermeister: 1000 Meter würden reichen

Die Seehofer-Regel fordere zu große Abstände, sagte auch Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU), dessen Gemeinde Gesellschafter beim Windrad ist. Die zuvor im Kreis diskutieren 800 Meter Abstand indes seien vielleicht zu wenig gewesen. Seidl schlug daher 1000 Meter vor. Damit könne man Akzeptanz in der Bevölkerung finden. Seidl forderte ein Ende des Sankt-Florian-Prinzips. „Wir brauchen immer mehr Strom, wollen aber die Anlagen nicht.“ Das Thema Nachhaltigkeit stellte auch Pastor Clemenz Monninger ins Zentrum seiner Ansprache, bevor er die Anlage zusammen mit Pfarrer Terance Palliparambil einweihte. Wenn der Wind die Rotorblätter bewege, dann sei das ein Symbol für die Hoffnung auf die Erhaltung der Erde, sagte Monninger angesichts des Klimawandels. Die Gesellschaft dürfe nicht auf Kosten anderer und auf Kosten der Zukunft leben.

Die Tracht macht es möglich: Nordlicht in kurzer Zeit integriert

Die Anlage sei ein richtiger Schritt der Stadtwerke, merkte auch der katholische Pfarrer Palliparambil an, dessen Pucher Kollegen ein drittes Rad verhindert hatten, worauf auch Stadtwerke-Chef Steffens kurz einging. „Es gibt nicht nur Zustimmung zur Windkraft, das ist mir bewusst. Aber ich höre auch immer wieder: Das dritte Rad fehlt.“ Bei der Feier in einem eigens aufgestellten Zelt, das gestern quasi sturmgebeutelt war, wurde vor dem gemeinsamen Weißwurstfrühstück auch noch gewitzelt: Weil der erst vor zwei Jahren aus dem Norden nach Bruck gekommene Stadtwerke-Chef Steffens in bayerischer Tracht gekommen war, freute sich Bürgermeister Hans Seidl über die große Integrationskraft des Landkreises. (Thomas Steinhardt)

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