Der Jogger, sein Greifarm und der Müll

Fürstenfeldbruck - Der Unrat auf Gehwegen stinkt Richard Wolf aus Bruck. Deshalb hat er beim Joggen immer einen Greifarm dabei, mit dem er den Müll aufsammelt.

Richard Wolf will die Welt ein bisschen sauberer machen. Deshalb hat er beim Joggen und auf dem Weg zur Arbeit oft seinen Greifarm samt Stil dabei. Damit er sich nicht so oft bücken muss.

Alles läuft automatisch. Richard Wolf sieht einen Burger-Karton einer Fastfoodkette auf dem Gehweg liegen. Im Gehen schnappt die Zange zu. Der braungebrannte Mann mit Käppi und Kopfhörern lässt die Pappe in den nächsten Drahteimer fallen. Eine junge Frau mit blonden Locken schaut dem drahtigen Mann im Sportlerdress und Turnschuhen mit großen Augen hinterher. Ob sie sich überlegt, warum sie noch nie den Müll eines anderen weggeräumt hat? Dann hätte Wolf sein Ziel erreicht.

Der 43-Jährige hat eine ganz ungewöhnliche Art, die Welt ein kleines Stück zu verbessern. Wo andere Geld spenden, ehrenamtlich alte Menschen versorgen oder Essen ausfahren, räumt er auf. Der Umgang mit Menschen sei nicht so sein Ding, erzählt er, während er in forschem Schritt durch den Stadtpark geht. Engagieren wolle er sich trotzdem. „So kann ich etwas tun, das unangreifbar ist. Es ist ein bisschen wie Blut spenden. Niemand hat etwas dagegen.“

Auf dem Arbeitsweg nach Olching, beim Spazieren und auf der Joggingrunde hat er seit zehn Jahren die kleine silberne Stange mit schwarzem Griff und schwarzer Zange in einer Hand. Die ist so leicht, dass sie auch im Sauseschritt nicht stört. Damit, dass er Sachbearbeiter beim Entsorgungsunternehmen Remondis ist, habe es nichts zu tun. Es sei eine Lebenseinstellung. „Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, die anderen zu beeinflussen, sondern die Einzige“, zitiert er Albert Schweitzer.

Beim Rundgang mit Wolf fällt auf, wie viel die Leute einfach fallen lassen. Mal greift er eine leere Tempohülle, mal ein Stück Papier, mal einen Coffee-to-Go-Becher. Immer wieder schauen ihm Spaziergänger zu. Mal erstaunt, mal irritiert, mal ein bisschen nachdenklich. Eine Jugendgruppe habe ihm einmal den Müll demonstrativ vor die Nase geschmissen. „Manche denken, ich bin ein städtischer Mitarbeiter.“ Doch keiner spricht ihn an. Und Wolf tut es auch nicht.

Bis auf einmal. Da hat er in Olching einen Buben zur Rede gestellt, der gerade eine Wasserflasche hatte fallen lassen. „Schauen Sie doch, wie es hier aussieht“, habe der sich gerechtfertigt. Ein Fünkchen Wahrheit steckt in den Worten. „Wenn eine Wiese sauber ist, kommt man nicht auf die Idee, seinen Müll liegen zu lassen“, sagt Richard Wolf. „Liegt Müll rum, ist die Hemmschwelle niedriger, seinen Abfall daneben zu werfen.“

Einige Menschen hat der 43-Jährige angesteckt. Eine Nachbarin mit ihrem Hund entdeckt beim gemeinsamen Spaziergang nun haufenweise Weggeworfenes. Sie sammle auch Pfandflaschen, erzählt Wolf. Auch er habe sich als Kind durch aufräumen etwas dazuverdient. „Aber ich kann Abfall auch mal ignorieren und liegen lassen.“ Und er will keineswegs den Eindruck erwecken, dass Bruck ein reiner Saustall ist. Oft liege nicht viel herum. Aber genug, um immer wieder die Müllzange zu packen.

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