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Der Künstler Johann Andreas Gickler in seinem Atelier mitten in Fürstenfeldbruck – hier gibt es zwar weder Internet noch Handy oder gar eine Uhrzeit, dafür aber jede Menge Malereien und Kunstwerke.

Beamter und Künstler sein, geht nicht

"Es war wie im Gefängnis"

Fürstenfeldbruck - Der Brucker Johann Andreas Gickler ist Künstler durch und durch. Er lebt zwischen seinen Bildern, verzichtete fürs Malen auf eine gutsituierte Existenz und schert sich wenig um die Vermarktung seiner Kunst.

Inzwischen ist der Künstler 70 Jahre alt und sagt über sein Leben: „Es war kein leichter Weg, aber ich habe auch Glück gehabt.“ Seine Bilder hängen unter anderem im Landratsamt und im Rathaus. Gickler – schulterlange Locken, Jeans, Sakko, dezenter Schal – hat ein Atelier im Herzen der Stadt mit Zugang zur Amper. Er lebt ohne Computer, Handy und Uhr. Überall hängen, lehnen und liegen seine Bilder. Dazwischen haben ein blank polierter Esstisch mit gepolsterten Stühlen und zwei Sofas gerade noch Platz.

Egal, wo der Hausherr sich niederlässt, von überall schaut er auf seine Werke – großformatige Ölbilder von Himmel und Erde, Akte, vier Selbstporträts. Letztere malte er mit 29 innerhalb eines Jahres. Sie zeigen einen jungen Mann mit Vollbart und großen, suchenden Augen.

Anders als in anderen Familien musste der 1946 in München geborene Maler seine künstlerischen Ambitionen nicht gegen skeptische Eltern verteidigen. „Mein Vater hat mich immer gefördert“, sagt er. Denn Franz Gickler war selbst Künstler, und dazu Ingenieur und Architekt. 1950 zog die Familie nach Bruck. Hier baute Franz Gickler unter anderem das einstige Capitol-Kino an der Pucher Straße und das alte Graf-Rasso-Gymnasium, wo später auch Sohn Johann Andreas zur Schule ging. Zu seiner Kunstlehrerin von damals, inzwischen 98 Jahre alt, hat Gickler heute noch Kontakt.

Sein Weg führte an die Kunstakademie und von dort ins Lehramt. Nach ein paar Zwischenstationen kam Gickler zurück an seine eigene alte Schule. Er war ein freundlicher, unkonventioneller Lehrer, der die Schüler forderte und gleichzeitig kulant war. Wer den anderen beim Porträtmalen freiwillig Modell saß, bekam eine Eins. Gickler war beliebt, doch er wurde nicht froh im Schulbetrieb.

„Den Kindern hat mein Unterricht mehr Spaß gemacht als mir.“ Vier Wochen nach seiner Verbeamtung zog er die Notbremse und schied aus dem Staatsdienst wieder aus. Unkündbarkeit hin, Pensionsanspruch her – den weitgehenden Verzicht auf die eigene künstlerische Tätigkeit konnte beides nicht aufwiegen. Wie sollte bei 30 Stunden Unterricht pro Woche noch Zeit fürs Malen bleiben?

„Es war wie im Gefängnis“, sagt Gickler. „Künstler und Beamter, das ging nicht zusammen.“ Die Entscheidung hat er nie bereut. Fortan unterrichtete er nur noch wenige Stunden in der Woche, blieb dem Rasso-Gymnasium dafür aber 16 Jahre lang treu. Die restliche Zeit malte er was er wollte – ohne sich um die Vorgaben von Galeristen oder den Publikumsgeschmack zu kümmern.

Die Harmonie in seinen Bildern ist kein Zufall. Maßverhältnisse sind Gicklers Thema, er hat ganze Bücher geschrieben über Rechteckgliederungen und die Symbolik von Zahlen, Winkeln und Proportionen. Seine Erkenntnisse lassen sich auch in der Architektur und bei der Gestaltung von Räumen, Möbeln, Fußböden und Wänden anwenden. Er selbst habe daraus kein Kapital geschlagen, berichtet der Vater einer Tochter. Ein paar Geschäftsleute dagegen schon, die seine Ideen geklaut haben sollen. Gickler zuckt mit den Schultern. Wozu sich herumstreiten? „Malen ist doch viel, viel schöner.“

von Ulrike Osman

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