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Das Schulzentrum am Tulpenfeld in Fürstenfeldbruck hat ein Flachdach. Das hat in der Vergangenheit immer wieder zu Wassereinbrüchen geführt.

Kreispolitik

Kampf den Flachdächern

Die SPD hält den Beschluss für reine Show, der Landrat dagegen spricht von einer „richtigen Intention“: Der Landkreis will künftig zumindest in der Regel auf den Bau von Flachdächern verzichten.

Landkreis – Schulen, Verwaltungsgebäude, Sporthallen: Gebäude solcher Art betreibt der Landkreis in den verschiedenen Orten der Region in erklecklicher Anzahl. Immer wieder, das hat die Vergangenheit gezeigt, gibt es hier Probleme mit undichten Dächern und Wassereinbrüchen.

Beispielhaft erinnert sei an die Tropfstellen im neuen Graf-Rasso-Gymnasium, wobei hier sogar eine leichte Neigung des Daches gegeben ist und die Schäden möglicherweise durch unsachgemäße spätere Arbeiten entstanden. Auch im (wesentlich älteren) Brucker Viscardi-Gymnasium aber hatte es schon Diskussionen ums Dach gegeben genauso wie in Olching oder Germering oder am (teils schon reparierten) Sanierungsfall Landratsamt selbst.

Wörle weist auf große Niederschlagsmengen in der Vergangenheit hin

Johann Wörle: Der Kreisrat fordert eine Abkehr von Flachdächern.

Der CSU-Kreisrat Johann Wörle aus Hattenhofen, selbst Spenglermeister, hatte nun einen entsprechenden Antrag eingereicht. Er wollte erreichen, dass künftig bereits bei der Vorplanung von kreiseigenen Gebäuden Flachdächer grundsätzlich ausgeschlossen werden. Außerdem, so Wörle, sollen künftig vorgehängte Dachrinnen außerhalb des Baus platziert werden.

Wörle begründete seinen Antrag unter anderem auch mit den großen Niederschlagsmengen, die seit einiger Zeit immer wieder innerhalb kürzester Zeit auf Gebäude herabprasseln. So komme es zu Rückstauungen in den Ableitungen. „Als langjährigem Spenglermeister zeigt mir die Erfahrung, dass selbst wir Handwerker bei der Dachentwässerung ein Stück weit umdenken müssen“, heißt es in Wörles Antrag.

Innenliegende Gullys seien immer der Gefahr ausgesetzt, bei Hagel oder stürmischem Gewitter zu verstopfen, erklärte er. Wenn Regenwasser erst einmal außerhalb des Baukörpers sei, könne es keinen Schaden am Haus mehr anrichten.

Kreisverwaltung hat einen weicheren Beschluss vorgeschlagen

Tropfstelle im Graf-Rasso-Gymnasiums Fürsenfeldbruck: Warum das Dach im neuen Schulgebäude undicht ist, wird immer wieder untersucht.

Die Kreisverwaltung indes wollte diesen Antrag nicht eins zu eins umsetzen. Sie hatte starke Bedenken gegen eine strikte Auslegung. Die starke Einflussnahme durch ein solches Verbot auf die Architektur sei nicht vertretbar – genau wie die Einschränkungen der Planung, hieß es. Bei Erweiterungsbauten müsse die Art des Erst-Gebäudes berücksichtigt werden, außerdem gebe es Bauwerke, die aufgrund ihrer Eigenart und Spannweite schlicht ein Flachdach erzwängen (Tiefgarage, Parkdeck). Zudem gelte es, bei der Planung die Umgebung zu beachten und die Bauvorschriften der jeweils zuständigen Kommune (Bebauungsplan) zu berücksichtigen.

Die Kreisverwaltung schlug daher einen wesentlich weicheren Beschluss vor. Bei Neubau oder Sanierung solle künftig nur „in der Regel“ auf Flachdächer verzichtet werden. Zudem solle eine außenliegende Entwässerung „angestrebt“ werden. Ausnahmen seien zulässig und sollen im Einzelfall begründet werden. Davon, dass Flachdächer in der Regel billiger sind als andere, wie es früher schon einmal geheißen hatte, war jetzt nicht die Rede.

Peter Falk: Der SPD-Politiker hält das Vorgehen für reine Show.

Peter Falk (SPD) bezeichnete die Formulierung des Beschlussvorschlags als „verquast“. Ziel sei es nur, dem Antragsteller nicht zu weh zu tun. „Der Antrag war nix und der Beschluss ist auch nix“, sagte Falk.

Landrat Thomas Karmasin findet: der Beschluss sensibilisiert

Alfred Streicher (UBV) dagegen verteidigte den Beschluss. In der (nichtöffentlich tagenden) Baukommission des Kreises sei viel über Wörles Vorschlag geredet worden. Sehr häufig seien Flachdächer die Ursache für Wassereindrang gewesen. „Die Schäden treten einfach auf, immer wieder.“ Landrat Thomas Karmasin pflichtete bei. „Immer wieder hat es geheißen, es funktioniert mit Flachdach und dann war doch etwas.“ Eine Sensibilisierung bringe der Beschluss sehr wohl mit sich.

Architekten liebten die innen liegenden Entwässerungen, weil ein Gebäude so schöner aussehe, erklärte Landrat Karmasin. Trotzdem seien sie Mist, schob er schnell noch nach. Der Anti-Flachdach-Beschluss fiel im Ausschuss und dann im Kreistag mehrheitlich gegen Teile von SPD und Grünen. Die Brucker Berufsschule übrigens, die derzeit neu gebaut wird, wäre auch ohne ihn ausgekommen: Hier wurde bereits ohne Flachdach geplant.

von Thomas Steinhardt

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