Teilverlagerung des Unternehmens vom Tisch

Kaputte Straße: Firmenchef sagt Umzug ab

Der Streit um den Ausbau der Bachstraße im Oberschweinbacher Ortsteil Günzlhofen geht weiter. Unternehmer Michael N. Rosenheimer wollte einen Teil seiner Firma von Mammendorf nach Oberschweinbach verlegen. Doch weil die Straße erst einmal Flickwerk bleibt, revidierte er diese Entscheidung.

Günzlhofen Rosenheimer, der seit 35 Jahren an der Bachstraße wohnt, hatte sich für den Erstausbau stark gemacht. Nun, nachdem die Bachstraße so bleibt, wie sie ist, ziehe er Konsequenzen. Er sei so verärgert, dass er seine Einkommensteuer künftig nicht mehr in seiner Heimatgemeinde, sondern als Green-Card-Inhaber in den USA zahlen wolle, bestätigt er im Gespräch mit dem Tagblatt.

Zudem bleibe die Gewerbesteuer seiner Firma (Mammendorfer Institut für Physik und Medizin) komplett in Mammendorf, statt teilweise an die Gemeinde Oberschweinbach zu gehen. Rosenheimer wollte im Oberschweinbacher Gewerbegebiet eine Immobilie kaufen und dorthin einen Teil des Geschäfts verlagern. Doch er sei jetzt – nach der Entscheidung des Gemeinderats, den Straßenausbau zu vertagen – vom Kauf zurückgetreten.

Vor allem wundert sich Rosenheimer über die „ominöse Unterschriftenliste“, die kurz vor der Gemeinderatssitzung an den Bürgermeister übergeben worden war. Anwohner hatten gefordert, dass der Ausbau, den die Grundeigentümer zu 90 Prozent zahlen müssten, verschoben wird – wegen der Preissteigerung. Diese Liste hatte schließlich den Ausschlag gegeben, das Projekt zu kippen.

„Von der Liste weiß niemand, wie sie entstanden ist“, sagt Rosenheimer. Und: „Waren es Mieter oder Besitzer?“ Wie viele Anwohner unterschrieben hatten, wurde in der Sitzung nicht bekannt.

Zudem sei seine 83-jährige Schwiegermutter völlig überrumpelt und gedrängt worden, auf der Liste zu unterschreiben, so Rosenheimer. Sie habe am nächsten Tag ihre Unterschrift wieder zurückgezogen.

Im Gemeinderat hatte die Kostensteigerung für Aufregung gesorgt. Das Projekt sollte statt der früher genannten 207 000 Euro nun 342 000 Euro kosten. Für Rosenheimer ist das kein Grund, die Sache nicht anzugehen: „Nicht zu entscheiden beziehungsweise zu vertagen ist Vogel-Strauß-Politik und dient niemandem.“ Man müsse auch den Mut haben, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Er bezweifelt, dass die Kosten in Zukunft geringer sein werden.

Mit dem Erstausbau der Bachstraße hätte man laut Rosenheimer auch „den gemeindlichen Schwarzbau über den Rambach“ legalisieren können. Die Brücke war in der Amtszeit von Bürgermeisterin Uta Lucht vergrößert worden, da sich das Wasser bei Starkregen bedenklich gestaut hatte.

„Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Straße auszubauen“, räumt Rathauschef Norbert Riepl (DG/CSU) ein. Er könne den Ärger von Rosenheimer verstehen: „Es ist immer derjenige sauer, dessen Wünsche nicht erfüllt werden.“ Man werde sich mit dem Thema weiter beschäftigen. Von Rosenheimers geplantem Grundstückskauf im Gewerbegebiet wusste Riepl nichts. (gog)

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