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Der Maibaum wird zu Kleinholz gemacht: Die Kettensäge führt Thomas Raabe. Zahlreiche Schaulustige gucken zu.

Feuerwehr legt Stamm um

Ich kaufe ein Stück Maibaum, weil...

Türkenfeld - Der Türkenfelder Maibaum wurde am Samstag  umgelegt. Doch verbrannt wurde der Stamm nicht. Er wurde in Stücken an die Bürger verkauft. 

Da liegt er wie eine gigantische Straßensperre. Der Maibaum ragt nicht mehr, wie gewohnt, zwischen Kirche und dem ehemaligen Gasthaus Drexl 30 Meter in die Höhe. Ein Kran hat das weiß-blaue Traditionsstangerl aus der Verankerung gelöst und auf die Seite gelegt, quer über ein paar bereitstehende Holzböcke.

Christoph Stegmeier will eine Blumenschale auf seinen weiß-blauen Klotz stellen.


Die ersten Interessenten begutachten den Stamm und messen mit den Händen ab, wie viel sie gerne hätten. Im Hintergrund dröhnt schon die Kettensäge. Wolfgang Neumeier notiert die Wünsche und markiert mit schwarzem Filzstift die Schnittstellen auf dem Stamm. Der Vorsitzende des Feuerwehrvereins will sich später selbst auch eine dicke Scheibe vom Baum abschneiden lassen, um daheim einen Blumenstock draufzustellen. Immerhin ist es das erste Mal, dass die Wehr den umgelegten Maibaum nicht komplett zu Brennholz verarbeitet, sondern stückweise verkauft – eine Aktion, die bei den Türkenfeldern gut ankommt.

Für Halina Öfele darf’s gern ein bisschen mehr sein. „Du spinnst“, seufzt ihr Mann Christoph. Aber er lacht dabei und packt bereitwillig mit an. Gemeinsam schleppen die beiden ein gut zwei Meter langes Stück Maibaum zum Auto. Es soll als Zierobjekt auf ihr Freizeitgrundstück, wie eine Fahnenstange. „Das kenne ich aus meiner Heimat, der Ukraine“, erzählt Halina Öfele. „Vielleicht bringe ich auch noch Schilder an.“

Zwei Meter vom Traditionsstangerl haben Halina und Christoph Öfele ergattert.

Wie eine Trommel sieht der weiß-blaue Klotz aus, den Christian Stegmeier in seinen Kofferraum wuchtet. „Der kommt zu Hause in den Garten, als Untersatz für eine Blumenschale.“ In den Krach der Kettensäge mischt sich derweil das Läuten der Kirchenglocken, wo gerade eine Trauung ansteht. Schick angezogene Hochzeitsgäste tappen verdutzt zwischen Feuerwehrleuten und Schaulustigen hindurch.

„Ein Pseudo-Hochbeet“ will Rosita Scherer aus ihrem Stück Maibaum machen und einen Pflanztrog mit Radieschen und Blumen darauf platzieren. „Weil die Schnecken dieses Jahr gar so bös’ sind“, erklärt sie. Elke Werner hat ganz andere Pläne. Die Mitarbeiterin im Rathaus hat sich einen längeren Abschnitt vom Stamm ausgesucht, den sie später in Scheiben schneiden und glatt schleifen lassen will. „Dann möchte ich Bilder draufziehen. Mal sehen, ob das klappt.“

Komplett geht er nicht weg, der Türkenfelder Maibaum. Ein paar übrig gebliebene Stücke werden zu guter Letzt klein geschnitten und als Brennholz abtransportiert. Die Feuerwehrleute sind mit dem Erfolg der Aktion trotzdem zufrieden. „Die Kosten für den Kranwagen haben wir einigermaßen wieder hereingeholt“, sagt Wolfgang Neumeier. Und das war schließlich das Ziel.

Die Türkenfelder müssen nun eine Weile ohne Maibaum auskommen. Der alte stand gute drei Jahre und hätte nun aus versicherungstechnischen Gründen von einem Gutachter auf seine Standfestigkeit überprüft werden müssen. „Doch das wäre zu teuer“, sagt Feuerwehrkommandant Christian Ortmann. Allzu lange dauert die baumlose Zeit zum Glück nicht. Nächstes Jahr wird am 1. Mai ein neues Prachtstangerl aufgestellt.

von Ulrike Osman

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