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Malerisch liegt die Kirche Mariä Himmelfahrt, Namensgeberin der Pfarrei, auf einer Anhöhe in Höfen. 

Vortrag zur Historie

Das Kirchen-Durcheinander von Grafrath

Üblicherweise hat ein Dorf eine Kirche – und die Pfarrei heißt so, wie der Patron des Gotteshauses, dem es geweiht ist. So einfach ist das aber in Grafrath und Umgebung nicht, wie Ernst Meßmer in einem Vortrag beim Historischen Verein erläuterte.

Grafrath – Der Grafrather Ortshistoriker Ernst Meßmer beleuchtete im Veranstaltungsforum in Fürstenfeldbruck die „unmögliche Konstruktion“, die zwei Kirchen miteinander verbindet – und die heute als Pfarrkirche angesehene links liegen lässt. Die Beteiligten der Geschichte sind: die Höfener Kirche Mariä Himmelfahrt in Wildenroth und St. Mauritius im Ortsteil Unteralting.

Peripher mit von der Partie sind die Kloster- und spätere Wallfahrtskirche zum heiligen Rasso in Grafrath und St. Valentin in Kottgeisering. Nebenbei bemerkt sind das die vier Kirchen, die Ende der 1970er-Jahre einen der ersten Pfarrverbände in der Erzdiözese München und Freising bildeten.

Die Patronin der Höfener Kirche und der Ort der Filialkirche zusammen ergeben den heute offiziellen Namen der Grafrather Pfarrei: Mariä Himmelfahrt Unteralting.

Nachforschungen in Archiven

Woher kommt das? Meßmers Nachforschungen in Archiven und die Transkription unzähliger Dokumente rücken das Jahr 1477 in den Vordergrund. Da wurde die Pfarrei erstmalig erwähnt, offiziell errichtet durch Einsetzung eines Pfarrers. Der Schlüssel findet sich aber weit früher, nämlich in den Freisinger Traditionsurkunden aus den Jahren 804 und 805. „Bereits da ist von einer Marienkirche die Rede, die ungefähr an der Stelle der heutigen Höfener Kirche steht“, so der Historiker. Bisherige Interpretationen bezogen diese Nennung eher auf den Ort Oberalting (im heutigen Kreis Starnberg). Weil es da aber schon eine Pfarrei gab, müsse die erwähnte Kirche eher auf Unteralting bezogen werden.

Schwierig macht es die örtliche Zuordnung, weil vielfach nur von Alting die Rede ist. Um die Verwirrung noch perfekt zu machen, ist in einem Dokument aus dem Jahr 1315 von der Kirche zur seeligen Jungfrau Maria zu Kotalting zu lesen.

Noch weitere Orte und Eigentümer spielen eine Rolle. Während die Höfener Kirche von Seefeld aus erbaut, aber 30 Jahre nicht eingeweiht wurde, haben die andere Kirche die Fürstenfelder erbaut. Historische Landkarten zeigen, dass Wildenroth/Höfen dem Landgericht Dachau unterstellt war, Geisering- Landsberg und Unteralting dem Weilheimer Gericht. Noch heute ist Fakt, dass die Klosterkirche zur Diözese Augsburg, Unteralting und Kottgeisering zu München-Freising gehören.

Streitereien sind also geschichtlich begründet, zahlreiche Beschwerden hatte zum Beispiel der Pfarrzwang zur Folge. Der besagt, dass der einzige Pfarrer für diese Kirchen nur einmal im Monat einen Gottesdienst in Unteralting und Kottgeisering feiern konnte. „Die Kottgeiseringer hatten schon immer mehr Selbstbewusstsein und beschwerten sich daraufhin beim österreichischen Kaiser Joseph I., der den Fall aber an Fürstenfeld weitergeleitet hat“, berichtete Meßmer. Vergleichbar ist die Situation auch heute, wenn am Sonntag keine Messe in Unteralting, Höfen oder Kottgeisering stattfindet: Die Gläubigen gehen dann halt nicht in den Gottesdienst, wenn dieser im Nachbarort stattfindet.

Beschwert hätten sich damals auch die Priester, wenn sie im Winter „über den wackligen Ampersteg den steilen Berg nach Höfen hinauf in das finstere Loch der dortigen Sakristei“ gehen mussten. Mit Schaudern erinnerten sich Zuhörer auch der Ausgrenzung im Religionsunterricht durch den Pfarrer, wenn die Schüler in die falsche (Kloster-)Kirche gegangen sind.

Geht es Rasso an die Gebeine?

Ernst Meßmers Gedanke zur Gegenwart war: Eigentlich müsste die Pfarrei in „St. Rasso Grafrath“ umbenannt werden. Das scheitert derzeit aus verschiedenen Gründen. Die Historizität des Klostergründers müsste zum Beispiel durch eine Radiokarbon-Analyse seiner in der Glasvitrine des Hochaltars aufbewahrten Gebeine nachgewiesen werden. Noch nicht offiziell festgestellt ist die Verehrungswürdigkeit, weil die Amtskirche den Grafen Rath, der ursprünglich unter einem Steinplattengrab mitten in der Kirche bestattet war, nicht im Heiligenverzeichnis führt. 

Meßmer hat angesichts der im Kloster aufbewahrten Mirakelbücher, über 50 Darstellungen des Grafen in zahlreichen Kirchen und der Anziehungskraft auf so viele Wallfahrer keinen Zweifel an der Verehrungswürdigkeit. „Da gibt es viele andere ‚Heilige’, bei denen man das in Frage stellen muss“, sagte Ernst Meßmer. Schließlich scheitert die Sache auch daran, weil keiner den Antrag stellt: „Sankt Rasso hat offensichtlich keinen Fanclub.“

Max-Joseph Kronenbitter

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