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Kommt das Gericht mit einem Heliumballon nach Bruck?

Windrad: Kirche beharrt auf Denkmalschutz

Fürstenfeldbruck - Um das geplante Windrad bei Puch wird noch länger gestritten. Knackpunkt: Der Denkmalschutz

Das Verwaltungsgericht hat einen Ortstermin angekündigt.

Die ersten Klagen von Anwohnern gegen die geplanten Windkraftanlagen zwischen Mammendorf, Puch und Malching waren schnell vom Tisch. Der Bau der Mammendorfer Anlage läuft schon, die Klage dagegen hatte keine aufschiebende Wirkung.

 Doch die Klage der Kuratiekirchenstiftung St. Sebastian Puch ist eine härtere Nuss, die das Verwaltungsgericht München am Dienstag noch nicht knacken konnte. Dabei geht es nämlich darum, ob das geplante Windrad Puch das Denkmal St. Sebastian, das etwa 1,8 Kilometer entfernt liegen würde, verschandelt. Die Kuratiekirchenstiftung sagt: ja. Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck, das Landratsamt und das Landesamt für Denkmalpflege sagen: nein. Darum will sich das Gericht die Lage bald vor Ort anschauen. Unstrittig ist bislang nur, dass die Kirche in der Denkmalliste steht. Nun dreht sich alles um die Frage: Ist sie ein landschaftsprägendes Denkmal? „Es steht auf einer Anhöhe, das könnte dafür sprechen“, sagte Andrea Breit, Präsidentin des Verwaltungsgerichts. Doch das sei bisher wechselnd beurteilt worden. Die Kirchenstiftung hat Professor Dr. Florian Zimmermann von der Hochschule München mit einem Gutachten beauftragt. Er erstellte eine aufwändige Simulation, über deren Berechnung fast ebenso aufwändig diskutiert wurde. Interessant sei vor allem der Weg, auf dem man sich früher bei Wallfahrten auf die Kirche zubewegt habe. „Da ist völlig freie Feldflur, nur Baumgruppen“, sagte Zimmermann. Das Rotorblatt rücke immer näher, es werde „immer bedrohlicher“.

Das Landesamt für Denkmalpflege geht nicht davon aus, dass es sich bei der Kirche um ein landschaftsprägendes Denkmal handelt – zugrunde gelegt ist dabei der Hauptblick von Fürstenfeldbruck aus, nicht von alten Pilgerwegen. Gleichwohl glaubt das Landesamt, dass die Windkraftanlage die Kirche beeinträchtigt. Vor dem Hintergrund des Denkmalrechts handle es sich um eine „erhebliche Beeinträchtigung“ der Kirche, sagte Wolfgang Karl Göhner. Aber: Es handle sich eher um eine Landschaft mit Kirche als um eine Kirche mit Landschaft. Das Gericht will sich nun am 7. Oktober um 14 Uhr die Situation vor Ort anschauen, aus mehreren Blickrichtungen, vielleicht auch mit Hilfe eines Heliumballons, der das geplante Windrad markieren soll. Gleich anschließend soll in einem öffentlichen Gebäude verhandelt werden. „Dass eine gewisse Beeinträchtigung vorliegt, ist nicht wegzudiskutieren“, sagte Gerichtsräsidentin Breit, „die Frage wird wohl sein, ob es sich um eine erhebliche Beeinträchtigung handelt“.

Während die Kirche sich noch Hoffnung machen kann, sind Anwohner bereits mit ihren Klagen gescheitert. Ein Kläger aus Aich griff alle drei Räder in Puch, Malching und Mammendorf an, wurde jedoch in allen vorgetragenen Punkten – darunter Lautstärke, Wertminderung und Horizontverbauung – abgewiesen. Entscheidend: Der große Abstand von 1200 bis 1500 Metern. Auch zwei Bürger aus Puch, die 1700 Meter vom geplanten Windrad in Puch entfernt wohnen, hatten keine Chance

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