Familien mit Problemen erreichen

Wie kommt die Hilfe zu den Familien?

Landkreis - Im Kreis gibt es diverse Präventionsprogramme, die Eltern und Kindern helfen sollen. Jetzt will sich das Jugendamt verstärkt auch um Familienbildung verdient machen. Doch wie erreicht man Familien mit Problemen? Durch Stützpunkte – hofft man.

„Die Kluft in Bezug auf die materielle Ausstattung und Teilhabechance von Familien wächst“, heißt es in einem Papier aus dem Kreis-Jugendamt. Auch wenn es die Mittelschicht nach wie vor gebe, so polarisierten sich die ungleichen Rahmenbedindungen in wachsendem Maße. Kurz gesagt: Die Kluft zwischen Privilegierten und Benachteiligten wird immer größer.

Unter niedrigen Einkommen und sozialer Benachteiligung litten vor allem Ein-Kind-Familien, kinderreiche Familien und Familien mit Migrationshintergrund. Dies verdeutliche sich – spätestens jetzt schrillt der Alarmknopf – in den ungleich verteilten Bildungschancen von Buben und Mädchen.

Viele Eltern stünden unter hohem Druck – unter fremd- und selbsterzeugtem. Dazu kommt die Digitalisierung. Viele Jugendliche beschäftigten sich immer früher mit Spielkonsolen, Smartphones und Computern – die real mit Menschen verbrachte Zeit sinkt.

„Mein Siebenjähriger kauft Apps, wo ich noch nicht mal weiß, wie ich den App-Store komme“, wird in diesem Zusammenhang eine Mutter (42) von vier Kindern zitiert. Damit steht sie sicherlich nicht alleine. Die Problemlage ist vielschichtig. Und dabei gibt es bereits unterschiedliche Hilfsangebote, die Familien wahrnehmen können, wenn sie selbst nicht mehr weiter wissen. Aber die betreffenden Eltern nutzen diese Chance nicht.

Viele geben an, zu wenig Zeit zu haben. „Das ist ja das nächste Problem: Wenn du halt deine Kinder hast und arbeitest halt, wann sollst Du das Ganze unter einen Hut bringen, dass du noch irgendwo hingehst“, sagte eine andere Mutter bei einer entsprechenden Erhebung des Jugendamts. Dazu kommt, dass viele Eltern die schon bestehenden Angebote überhaupt nicht kennen. Das trifft naturgemäß auch auf Eltern mit Migrationshintergrund zu. Verstärkt aber auch Väter ganz allgemein.

Das Jugendamt des Landkreises kommt nun zu dem Schluss, dass die Ausgangslage dank vorhandener Angebote (Gesprächsrunden, Hilfe im Alltag, Einzelgespräche) durchaus vielversprechend sei. Allerdings fehle die wohnortnahe Versorgung im Westen des Landkreises praktisch vollständig – und eine bessere Koordination beziehungsweise Zusammenarbeit gilt auch als wünschenswert.

Der zuständige Jugendhilfeausschuss des Kreistags billigte jetzt einstimmig, dass das Konzept der verstärkten Familienbildung umgesetzt wird. In der Aufbauphase sollen Familienstützpunkte zunächst in Bruck, Germering und Puchheim aufgebaut werden. Für heuer sind dafür 60 000 Euro veranschlagt, wobei die staatliche Förderung etwa in der selben Höhe liegen dürfte.

Vor einigen Jahren schon hatte der Landkreis nach anfänglichem Zögern den Weg zu mehr Präventionsarbeit beschritten. So wurde das Projekt „Opstapje“ installiert, das Anti-Suff-Programm Halt oder das Neugeborenen-Programm, um nur einige zu nennen.

st

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