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Mittendrin statt nur dabei: Die Kornkreis-Schaulustigen wollen sich alles ansehen.

Liebesgrüße aus dem All oder Kunstwerk?

Alle wollen den mysteriösen Kornkreis in Alling sehen

Alling - Liebesgrüße aus dem All, oder das sehr irdische Werk eines cleveren Mähers? Diese Frage beantworten die Besucher des Kornkreises bei Alling unterschiedlich. Fasziniert sind sie alle – und so reißt der Strom an Neugierigen nicht ab.

Update vom 26. Juli 2016: Das dritte Jahr in Folge taucht im Juli ein Kornkreis im Münchner Umland auf. Nach den Gebilden 2014 in Raisting und 2015 in Alling wurde nun ein Kornkreis in Mammendorf entdeckt. Wir haben bereits zusammengefasst, wo Sie den Kornkreis in Mammendorf finden. Mittlerweile kursieren etliche Theorien zur Frage, wie der Kornkreis wohl entstanden ist. Fans aus ganz Europa sind bereit nach Mammendorf gereist.

„Wenn ich gewusst hätt’, was das auslöst, wieviel Leut’ hierher pilgern, hätt’ ich keine Anzeige erstattet“, sagt der Landwirt aus dem Allinger Ortsteil Biburg, dem der Grund gehört. Am Donnerstag entdeckt seine Familie das Symbol in dem 3,5 Hektar großen Weizenfeld. „Es ist übrigens nicht 100 bis 200 Meter groß, sondern misst ‚nur’ 60 Meter im Durchmesser“, korrigiert der Bauer die Schätzungen Polizei. Er ist leicht genervt und hofft, dass sich der Schaden in Grenzen hält. An Außerirdische glaubt der Landwirt nicht: „Das scheint mir doch menschengemacht – nicht ungeschickt, aber durchaus nachvollziehbar.“

Schaulustige spenden, damit Teil des Ernteschadens wieder reinkommt

Inzwischen hat er eine Geldkassette auf einem Betonsockel installiert. Besucher können einen Obulus einwerfen, damit ein Teil des Ernteschadens wieder reinkommt. Denn: „Was niedergedrückt ist, kann ich nicht verwerten.“ Nachdem Luftfotos vom Kornkreis veröffentlicht sind, kommen am Montag erst einzelne Besucher, dann ganze Gruppen – und zwar nicht nur aus der näheren Umgebung, wie ein Bick auf die Autokennzeichen zeigt. Aus ganz unterschiedlichen Motiven wollen die Menschen das Oktogramm sehen – und fühlen. Der Münchner Thomas Schmid (52) ist ein Kenner der Kornkreis-Szene. Er hat 200 Bücher darüber gelesen: „Das Phänomen ist seit Jahrtausenden bekannt.“

Als etwa Kolumbus die Saragossa See befahren habe, habe er von fliegenden Schilden geschrieben. Das seien sicher Ufos gewesen. „Damals gab es noch keine irdischen Fluggeräte.“ Voller Vorfreude ist Schmid nach Biburg gekommen. „Der achtstrahlige Stern ist sauber, korrekt und komplex, es lohnt sich auf alle Fälle.“ Den Kornkreis in Raisting besuchte der 52-Jährige rund 25 Mal. Auch nach Biburg will der Konditor so oft wie möglich kommen.

„Schon als ich herfuhr wurde es mir ganz leicht ums Herz, ich spüre den Frieden und fühle mich einfach wohl.“ Schnell hat sich ein Grüppchen um den Experten gebildet, lauscht gebannt seinen Worten. Die Geschwister Carolina und Maximilian Segerer aus Oberbrunn meinen, der Kornkreis könnte menschengemacht sein, aber: „Es gibt ja Vieles was wir nicht mit Bestimmtheit wissen.“ Karin Sauter ist extra mit dem Zug aus Nürnberg angereist, hat sich schon Kornkreise in England angeschaut – auch den Raistinger.

Mann aus Alling: "Ich glaube an außerirdisches Leben"

„Es sind sehenswerte Kunstwerke, die mich euphorisieren und die ich einfach interessant finde.“ Bernhard Fricke von David gegen Goliath zweifelt nicht daran, dass es ein Werk Außerirdischer ist. Das Oktogramm sei sein schönstes Geburtstagsgeschenk. Zitat „Liebesgrüße aus dem All für Mutter Erde. Wir brauchen die Unterstützung uns wohl gesonnener Sternenbrüder und Sternenschwestern.“ Eine Familie aus Alling sieht das etwas irdischer. Sie macht einfach einen Ausflug. „Ich glaube zwar an außerirdisches Leben, aber wie der Kornkreis entstanden ist, darüber möchte ich nicht spekulieren“, meint der Vater. Spontaner Kommentar seiner Töchter Hannah (7) und Lena (5): „Es juckt ein bisserl.“ Zwei Frauen und ein Mann aus Herrsching, alle Mitte Fünfzig, möchten „einfach mal schaun, ob man was fühlt“ und die friedliche Atmosphäre in sich aufnehmen. Sie sind überzeugt, dass der Kornkreis kein Menschenwerk ist. Beweis: Noch nie habe man jemanden erwischt, der so etwas gemacht habe.

Egal, wer Recht hat: Spätestens in zwei Wochen ist der ganze Zauber vorbei. Dann rückt der Mähdrescher an. Und wenn der Bauer Glück hat, ist bis dahin seine Kasse gut gefüllt. Sein Kollege aus Raisting zumindest hat – wie man hört – ein ordentliches Sümmchen erlöst, und konnte so den Ernteausfall verschmerzen.

Polizei sperrt Zufahrt

Den Kornkreis beim Allinger Ortsteil Biburg erreicht man über einen Feldweg. Natürlich fahren viele der Neugierigen – egal ob sie an Außerirdische glauben oder nicht – mit dem Auto möglichst nah an den Kornkreis.

Beim Parken behindern sie landwirtschaftliche Maschinen. Das geht natürlich nicht. Die zuständige Polizei Germering entschließt sich deshalb am Montagabend nach Rücksprache mit dem Bauern, dem das Feld gehört, dem ein Ende zu machen. Denn der Besucherstrom schwillt immer mehr an. Die Beamten stellen bereits am Dienstag Verbotsschilder auf. Der Feldweg darf mit Autos und Motorrädern nicht mehr befahren werden, erklärt Polizeisprecher Andreas Ruch. „Wir werden regelmäßig kontrollieren“, warnt er.

Angi Kiener

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