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Umsichtig und diplomatisch, immer erreichbar und ansprechbar: So beschrieb Sandra Meissner Josef Drexler. „Ich hatte gar keine Ambitionen,Bürgermeisterzu werden.“Josef Drexler

Festakt in Kottgeisering

Altbürgermeister wird neuer Ehrenbürger

Er war mit 36 Jahren der damals jüngste Bürgermeister im Landkreis und prägte seinen Heimatort 30 Jahre lang. Als Josef Drexler sich 2014 aus der Gemeindepolitik zurückzog, wurde er zum Altbürgermeister ernannt. Nun folgte die höchste gemeindliche Würdigung: Drexler ist Ehrenbürger Kottgeiserings.

Kottgeisering„Demokratie kann nur dann bestehen, wenn jeder Einzelne ein Gewissen für das Ganze hat.“ Diesen Satz, der auf einer Marmortafel im Eingangsbereich des Rathauses steht, hatte Bürgermeisterin Sandra Meissner auf Drexlers Ernennungsurkunde setzen lassen – weil er in vorbildlicher Weise Verantwortung übernommen, sich verantwortlich gefühlt und danach gehandelt habe. Und dies in einer Gemeinde, die offenbar stets einiges an Überzeugungsarbeit brauchte, um sich auf Neues einzulassen. Als Drexler die Dorferneuerung wollte, „waren zunächst einmal alle dagegen“. Als er über einen Anschluss an das Busnetz des MVV nachdachte, wurde er gefragt, „ob ich träume“.

Schmunzelnd erinnerte sich der frischgebackene Ehrenbürger an diese Episoden seiner insgesamt fünf Amtszeiten. Sein Rezept gegen Widerstände war immer das gleiche und meistens erfolgreich: „Man muss mit den Leuten reden.“

50 Weggefährten waren zur Ehrung Drexlers in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen – ein Gebäude übrigens, dessen Errichtung unter seiner Federführung stattfand. Dass der heute 70-Jährige bei gemeindlichen Bauprojekten zu jeder Tages- und Nachtzeit über die Baustelle stiefelte und nach dem Rechten sah, gehörte für ihn genauso zu einer gewissenhaften Amtsführung wie ein fairer und respektvoller Umgang im Gemeinderat.

Nachfolgerin Sandra Meissner beschrieb in ihrer Laudatio den vierfachen Vater und vierfachen Großvater als umsichtig und diplomatisch. Als einen, der in seiner Zeit als Bürgermeister immer erreichbar und immer ansprechbar gewesen sei, der sich um jedes noch so kleine Anliegen der Bürger persönlich kümmerte und dabei stets freundlich und gut gelaunt war.

Der Geehrte selbst zeigte sich bescheiden. „Überrascht“ sei er über die vielen Gäste und den feierlichen Rahmen mit Sekt und Streichquartett. Er wolle vor allem denen danken, die seinerzeit mitgearbeitet hätten. Und an junge Leute appellieren, am öffentlichen Leben mitzuwirken. „Es lohnt sich.“

Er selbst ist in einer politisch engagierten Familie groß geworden. Der Urgroßvater und der Großvater Bürgermeister, der Vater Gemeinderat. „So bin ich halt reingewachsen.“ Als Gemeinderat, Zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des CSU-Ortsvereins kämpfte er in den 1970er-Jahren um die Selbstständigkeit Kottgeiserings – mit Erfolg.

Zur Kandidatur für das höchste Amt in der Gemeinde drängten ihn Parteifreunde. „Ich hatte gar keine Ambitionen, Bürgermeister zu werden.“ Dass er es dann doch wurde, brachte der Gemeinde eine Kontinuität, die sie davor bewahrte, „zum Spielball von kurzfristigem Zeitgeist und Moden“ zu werden, wie Sandra Meissner lobte. Als Anspielung auf Drexlers lange Amtszeit überreichte sie ihm neben der handgemalten Ernennungsurkunde eine Standuhr mit Inschrift.

Eine Bilderschau erinnerte an die zahlreichen Projekte, die unter Drexlers Ägide realisiert wurden – Kanalbau, Errichtung von Rad- und Fußwegen, Sanierung und Erweiterung des Kinderhauses, Bau von Rat- und Feuerwehrhaus, Anlage des neuen Friedhofs, Ausbau der Dorfstraße. Manchmal seien die Finanzen trostlos gewesen, erinnerte sich der Geehrte. Doch er habe gelernt: „Es geht immer wieder weiter.“ Und seinen Job als Bürgermeister, den habe er „gern gemacht“. (Ulrike Osman)

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