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Aufs Radl schwingt sich Peter Legler häufiger, wenn er auf die Jagd geht. Denn die Wildschweine erkennen das Geräusch seines Autos mittlerweile und flüchten.

Kottgeisering

Abschusszahlen deutlich verbessert - so funktioniert die  Jagd nach Wildschweinen 

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Doppelt so viele Wildschweine wie im Vorjahr haben die Landkreis-Jäger im abgelaufenen Jagd-Jahr erlegt – und so erheblich dazu beigetragen, Ernte-und Flurschäden durch Schwarzwild zu reduzieren. Einen erheblichen Anteil daran hatten drei Jäger aus Kottgeisering.

KottgeiseringNach den bei der Unteren Jagdbehörde des Landratsamtes vorliegenden Zahlen steigerten die Landkreis-Jäger die Anzahl der erlegten Wildschweine von 421 im vorhergehenden auf 869 im abgelaufenen Jahr. Von einer „großartigen Leistung“ spricht Gerhard von Hößlin. „Maßgeblich zur Verdoppelung der Abschusszahlen beigetragen hat die Hegegemeinschaft 4 - Südwest mit 560 Stück“, so der Vorsitzende der Brucker Kreisgruppe im Bayerischen Jagdverband auf Tagblatt-Nachfrage.

Dort liegt auch das Revier Kottgeisering, in dem Peter Legler, Melanie Althans und Korbinian Weidemann jagen. Die drei haben sich auf das Erlegen von Wildschweinen spezialisiert. So sehr und so erfolgreich, dass Flur- und Ernteschäden, die der Jagdpächter den Landwirten finanziell ausgleichen müsste, auch im abgelaufenen Jahr vermieden werden konnten.

Schwarzwild-Jagd ist ein Nachtjob

„Die Schwarzwildjagd ist ein Nachtjob“, stellt Jagdaufseher Peter Legler fest. „Die Sauen sind verdammt schlau, hören sehr gut, haben einen ausgeprägten Geruchssinn und sind lernfähig“. Will der Kottgeiseringer auf die Jagd gehen, dann greift er zur Wärmebildkamera, die immer einsatzbereit auf dem Fensterbrett im Wohnzimmer liegt und späht damit hinaus ins Ampermoos. Dort halten sich die Schwarzkittel vorzugsweise auf und verlassen das Schilf nur zur Nahrungssuche. „Oft kriegen wir Beobachtungen von Landwirten, dem Ampermoos-Gebietsbetreuer oder Naturschützern mitgeteilt“, erzählt der Waidmann.

Mit den Genannten stehen die Jäger in enger Abstimmung. Es geht um das besondere Augenmerk auf die Bodenbrüter im Ampermoos, um die Frage der günstigen Mahdflächen im Schilf oder die Freihaltung von Schußschneisen.

Auch mit anderen Ampermoos-Jägern tauschen sich die Kottgeiseringer regelmäßig aus. Zusammen haben sie im dem auf fünf Reviere aufgeteilten, 2800 Hektar großen Ampermoos 200 Wildschweine geschossen.

Geräte verbessern Sicht in der Nacht

Als technisches Hilfsmittel können auf Antrag zukünftig auch Nachtsichtgeräte verwendet werden. Trotzdem ist die Wildschweinjagd mühsam, denn oft bewachen die Jäger die Felder abwechselnd im Schichtbetrieb. „Den größten Teil erlegen wir nachts zwischen 22 Uhr und drei Uhr früh, und 90 Prozent der Sauen werden beim Pirschen erwischt und selten vom Hochsitz aus“, berichtet Legler. „Wir wollen das Schwarzwild nicht ausrotten, aber die Reproduktionsrate hat sich durch ein üppiges Nahrungsangebot in Wald und Feld, sowie milde Winter vervierfacht“.

Und da wäre noch die immerwährende Angst vor der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest, die durch hohe Bestandszahlen wahrscheinlicher wird. Dem Landkreis und dem Freistaat Bayern ist die Dezimierung ein Anliegen, weshalb es Kopfprämien gibt.

Weil sich die Jäger auch als Naturschützer sehen, reduzieren sie auch die Bestände an Raubwild (Fuchs und Dachs) und Rehwild. Bei Letzteren sterben aber mehr Tiere durch Autos als durch die Flinte.

Sorgen bereiten den Kottgeiseringer Jägern die Spaziergänger, die in Corona-Zeiten auffällig oft das Betretungsverbot des Naturschutzgebiets während der Brut- und Setzzeit missachten. Ganz besonders schlimm seien nicht angeleinte Hunde, die Wildschweine aufstöbern. Anders als flüchtende Brutvögel und Rehe könne ein Wildschwein mit Nachwuchs auch angreifen. „Ich hab schon einige tote Hunde von Jägerkollegen gesehen“, so Legler lakonisch.  

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