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Rund um den großen Wertstoffhof in Kottgeisering ist ein Wald herangewachsen. Das macht nun Probleme. 

Ausgleich für Fällungen nötig

Bäume sind Wertstoffhof-Neubau im Weg

Auf Kieswegen stehen Container kreuz und quer. Und wenn einmal die Woche für drei Stunden geöffnet ist, kommt es zum Verkehrschaos. Daher soll in Kottgeisering ein neuer großer Wertstoffhof gebaut werden. Doch das ist nicht so einfach, weil Bäume zu roden sind.

Kottgeisering – Ein Altlastenstandort, seit Jahrzehnten mehr oder weniger sich selbst überlassen, stellt einen so großen ökologischen Wert dar, dass er nicht einfach überbaut werden darf. Das ist die Erkenntnis, mit der sich der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) auseinandersetzen muss. Denn die Neugestaltung des großen Wertstoffhofes an der Brandenberger Straße stellt einen Eingriff in die Natur dar, der an anderer Stelle ausgeglichen werden muss.

Die Vorgeschichte: An der fraglichen Stelle wurde bis in die 1970er-Jahre Hausmüll abgekippt. Gerüchte besagen sogar, dass ein Schrottauto dort „beerdigt“ wurde. Mit allgemein gestiegenem Umweltbewusstsein wurde die wilde Müllkippe in den folgenden Jahren nurmehr als Deponie für Böden verwendet und Anfang der 2000er-Jahre nach einer abschließenden Überdeckung stillgelegt. Auf dem Gelände, das in einem Teilbereich den großen Wertstoffhof beherbergt, breitete sich die Natur so weit aus, dass das Amt für Landwirtschaft und Forsten dieses jetzt als Waldfläche einstuft.

Der AWB hatte eine Planerin beauftragt, den Wertstoffhof neu zu ordnen und dabei nicht nur die Anlieferungsabläufe durch Neuaufstellung der Container zu optimieren, sondern auch die Betriebswege zu asphaltieren. „Die Erweiterungsmaßnahme soll eine Viertelmillion Euro kosten und ist auch deswegen notwendig, weil seit 1991 nichts investiert wurde“, erklärte Stefan Zöllner vom AWB.

Problem ist, dass für die Neugestaltung des Wertstoffhofes auch ein Teil des in der Zwischenzeit herangewachsenen Waldes gerodet werden müsste – und dieser Eingriff auszugleichen ist. Die Gemeinde wollte bis dato keine Ausgleichsfläche zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt deswegen, weil sie über kein Ökokonto verfügt, sondern nur ein einzelnes Grundstück Richtung Ampermoos hat, das für Ausgleichmaßnahmen zum Beispiel im Zusammenhang mit der Ausweisung von neuen Baugebieten herangezogen wird.

Weil auch der AWB keine derartigen Flächen besitzt, intervenierte Zöllner, diesmal persönlich und in öffentlicher Sitzung beim Gemeinderat. Vize-Bürgermeister Andreas Folger (BV) wollte wissen, ob auch eine Ausgleichszahlung in einen Ökofonds der Staatsregierung geprüft wurde. Zöllner sagte, dass eine Zahlung für den Eingriff in den Naturhaushalt möglich wäre, aber eben nicht als Ersatz für den Waldverlust.

Beate Schamberger (Freie Wähler) fand es einen „Wahnsinn“, 250 000 Euro für die Verbesserung der Anlage zu investieren. Andere Räte stellten fest, dass die Verhältnisse im Wertstoffhof dringend verbesserungswürdig seien. Folger sprach sich dafür aus, nur mit der bestehenden Fläche zu planen, „zumal sich das Anlieferungsaufkommen mit der weiteren Verbreiterung der Kunststoff-Tonne reduzieren dürfte“.

Der Gemeinderat beschloss jedoch, dem AWB gegen einen einmaligen Abfindungsbetrag rund 1000 Quadratmeter Ausgleichsfläche des gemeindlichen Grundstücks zur Verfügung zu stellen. Alle notwendigen Pflegemaßnahmen müssen durch den AWB geleistet werden.

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